# taz.de -- Alltag
(DIR) Anfang August, 13 Jahre später: Post aus der Vergangenheit
Plötzlich sind sie wieder da, dank eines Briefs mit extralanger
Zustellzeit: die Spaghettireste, die Schlittenfahrten, die besonderen
Momente aus der Zeit mit kleinen Kindern.
(DIR) Poesie des Aufschubs: Gleich geht’s los. Gleich geht’s los. Gleich geht’s los
Die Freibadwiese ist längst eine Wüste, die Kioskschlange endlos. Während
am Beckenrand ein Kind ausharrt und auf den perfekten Moment wartet.
(DIR) Zwischen Späti und Nudelladen: Steine, Schwitzen, Schlusspunkte
Wenn der Handwerker verschwindet, die Nudeln unerreichbar bleiben und sich
der Berliner Sommertag am Ende im Kreis schließt.
(DIR) Beschimpft in Hochkultur: Réservé aux piétons
Die Berliner Umgangssprache hat viele Lehnwörter aus dem Französischen. Im
Original klingen sie alle eleganter, sogar wenn sie schimpfend gebraucht
werden.
(DIR) Tennis auf Helgoland: Spiel, Satz – und wer siegt?
Bei einem Tennisturnier unter Feriengästen sorgen zwei ungleiche
Spieler:innen auf dem Platz für Aufregung. Eine Erklärung entspannt die
Gemüter.
(DIR) L'amour, l'amour: Die Stadt der Liebe
Verliebt in Berlin? Ach nee, doch nicht. Viel lieber wäre man zumindest
einmal dort, wo sich alle die ganze Zeit küssen.
(DIR) Wenn eine Renovierung ansteht: Der Preis des Zufußgehens
Ein Auto kostet Geld, während man zu Fuß doch kostenfrei unterwegs ist? Von
wegen, weiß unsere Kolumnistin: Zu Fuß gehen hat teils immense Folgekosten.
(DIR) Quer über den Antonplatz in Berlin: Rolling immer, Absteigen nimmer
Um den Ersatzverkehr der Tram zu umgehen, kann man zu Fuß gehen. Oder aber
man bewegt sich per Longboard durch die Stadt, trotz aller Hindernisse.
(DIR) Die Hoffnung ruht auf Specki: Der Hamster
Für zwei Wochen ist die Hamsterdame Specki mit ihrem Terrarium zu Gast im
Co-Working-Space. Obwohl sie sich selten sehen lässt, verwandelt sie alles.
(DIR) Das Wechselgeld von neulich: Immer nur zum Ehrenspäti
Es gibt sie noch, die guten Menschen. Zu finden sind sie zum Beispiel im
Spätkauf an der Berliner Chausseestraße.
(DIR) Klavierspielerin am Wannsee: Kunst kennt keine Grenzen
Sein Instrument ist das menschliche Ego, sein Genre die Macht: Szenen einer
Partnerschaft vor großbürgerlicher Kulisse.
(DIR) In der S-Bahn nach Strausberg: Niemand sagt Danke
Wer mit schierer Willenskraft die Mitreisenden in die richtige Bahn lenkt,
darf sich schon mal ein bisschen Anerkennung wünschen.
(DIR) Im Krankenhaus: Die Uhr zeigt halb acht
Auf der Palliativstation ist alles entspannter und die Pflegekräfte geben
sich besonders viel Mühe. Nur die Zeitzonen scheinen sich zu verschieben.
(DIR) Endlos in der Schleife: Perfekter Kundenservice
Horst heißt der smarte KI-Assistent des KFZ-Betriebs. Trainiert scheint er
vor allem darauf zu sein, lästige Kundenanfragen abzufangen.
(DIR) In Mathe vor der Tür: Im Keller lachen
Am Abendbrottisch geht es um die Wurst. Um Leberwurst aus der Eberswalder
Wurstfabrik genauer gesagt. Gegessen hat die allerdings vermutlich keiner.
(DIR) Weddinger Pfandflaschendelirium: Plein und Pein im Pfandroulette
Großer Bahnhof im Edeka-Markt an der Müllerstraße. Bei der
Pfandflaschenrückgabe in Berlin-Wedding sind zehn Euro wie ein Jackpot in
der Spielbank.
(DIR) Ein Gartenmöbel, das verbindet: Es lebe der Monobloc
Seit den 1970er Jahren steht er auf Balkonen und vor Imbissbuden. Der
Monobloc ist ein praktischer Klassiker, der mehr Beachtung verdient
(DIR) Im Glaskasten nach oben: Vorsicht an den Türen
Einer ist schon drin. Im Aufzug an einem U-Bahnhof in Berlin-Kreuzberg
kommt es zu einer Begegnung zwischen zwei Menschen.
(DIR) Vorsicht in der nächtlichen S-Bahn: Wahrscheinlich falscher Alarm
War der Rock vielleicht gar nicht nass? Und sind die Warnungen vor den
Folgen künstlicher Intelligenz vielleicht auch übertrieben?
(DIR) Weihnachtsbäume im Hochsommer: Mein Freund der Baum
Mit Wurzelwerk war gut gemeint, doch wenn aufgehoben auch aufgeschoben ist,
endet es meist nicht gut.
(DIR) Erdbeeren zur Feier des Tages: Erstmal isses das
Von Texten zu leben, wird zunehmend schwieriger in Zeiten der KI. Aber
immerhin frisst diese noch nicht alle Jobs
(DIR) Kaffeetrinken mit Kuh: Versprochen ist versprochen, Habibi
In Berlin-Wedding sorgt der Falafelverkäufer für Kundenbindung mit einem
neckischen Wutausbruch. Und der Kaffee schmeckt sogar auch.
(DIR) Übers Glück des Tanzens: Morgens, nach dem Rausch
Mit Bewegungen in den Tag zu starten beglückt das Gemüt und schärft die
Sinne für Neues und Altes in der eigenen Stadt.
(DIR) Bücher, so viele Bücher: Zu viel Besitz macht nervös
Wohin mit all den Büchern, die schon gelesen sind und die nie mehr
irgendwer aufschlagen wird? Im Hausflur abgelegt finden sie vielleicht neue
Besitzer.
(DIR) Im Improtheaterkurs: Meckerndes Meerschweinchen
Zwischen Gruppentherapie und Hubschrauberimprovisation: Ein Neuköllner
Volkshochschulkurs zeigt, wie leicht die schwersten drei Worte fallen
können.
(DIR) Waschen und abschalten: Zeit der Schleuderträume
Die Maschine zentrifugiert, der Trockner wirbelt. Ein Ausflug in den
Waschsalon bietet Raum für Schleuder- und Gedankengänge.
(DIR) Artenvielfalt in der Stadt: Innerterrestrisches Leben
In der Stadt gibt es im Sommer einiges an Bioptopen zu entdecken. Schade,
dass man kein Mikroskop dabeihat.
(DIR) Krähen und Greifvögel: Hitchcock 2.0
Auf Schildern und in Foren wird vor Attacken von Krähen, Bussarden und
Steinadlern gewarnt, die sich Hitchcock nicht besser hätte ausdenken
können.
(DIR) Baustelle in Berlin-Charlottenburg: Lauf Jonas, lauf
Monatelang tut sich nichts auf der Baustelle in Berlin-Charlottenburg.
Interessant wird sie erst wieder, als zwei Jungs dort herumturnen.
(DIR) Mit dem Nachtbus nach Hause: Kreuzberger Nacht in der N8
Im Berliner Nachtbus N8 sind alle mit sich selbst beschäftigt, um nicht
hinzufallen, wach zu bleiben oder klarzukommen. Ein kleiner Junge fällt da
nicht weiter auf.
(DIR) Der Geschmack von Pastéis de Nata: Und die kalten Kacheln auf der warmen Haut
Mit der Pastelaria von Belém kann die portugiesische Bäckerei im Kiez nicht
mithalten. Aber sie weckt Erinnerungen an einen heißen Nachmittag in
Lissabon.
(DIR) Besuch auf dem Land: Oh, wie herrlich! Frischluft!
Vom Hochbett aus ist die Aussicht am schönsten. Vorsicht jedoch an der
Leiter beim Herunterklettern – sonst landet der Fuß womöglich, wo er nie
hinwollte.
(DIR) Chattie um Rat fragen: Wegen Koks auseinander gelebt
Wie hoch ist der Eintritt vom besten Club der Welt? Darüber schnacken Bro
und Digger im 44 Brekkie. Und essen am Wochenende schon mal im Borchardts.
(DIR) Das zukünftige Ex-Rad: Noch eine Abschiedsrunde drehen
Was hat man nicht alles gemeinsam erlebt! Sich vom liebgewonnenen Fahrrad
zu trennen, fühlt sich so an, als würde eine Liebesbeziehung zu Ende gehen.
(DIR) Frisch Aufgebrühtes aus dem Sandkasten: Und jetzt ist Teatime
Pfefferminz, Fenchel oder Hagebutte? Welcher Tee passt wohl am besten zu
Matschmuffins mit Kastanienblätter-Bröseln und Kieselstein-Topping?
(DIR) Freundschaft im Alter: Drei von der Grabstelle
Damals gingen sie vielleicht nebeneinander die Gleise entlang. Heute führt
ihr gemeinsamer Weg sie zum Grab des einen, der nicht mehr dabei sein kann.
(DIR) Allein ist auch mal schön: Männer im schlechtesten Alter
Zwischen Mitte 40 und Mitte 50 macht Dating wenig Spaß, finden zwei Frauen
in der Kaffeeschlange. Für männliche Singles haben sie sogar ein neues Wort
erfunden.
(DIR) Verpulverte Endorphine: Hände hoch, wer noch kann
Bis in die Wohnung unserer Autorin sind die Schreie von der Hamburger
Kirmes zu hören, wo sich Menschen halsbrecherischen Fahrgeschäften
hingeben.
(DIR) Unerzähltes aus dem zweiten Stock: Wollen Sie noch etwas trinken?
Ein Unbekannter bittet um Hilfe. Die Angelegenheit ist schnell erledigt,
doch was sich hinter der Geschichte verbirgt, bleibt offen.
(DIR) Innenleben der Eierschachtel: Dem Floh nachgeben
Den Verlockungen im Supermarkt zu widerstehen, ist mit leerem Magen
ungleich schwieriger. Schon gar, wenn einen der Kassierer auf Ideen bringt.
(DIR) Spaß ist, was ihr draus macht: Sex und Softdrinks
Ein Fanta-Date ist eine gute Erfrischung für die Durststrecke vor der
nächsten großen Liebe. Aber wie wäre es zur Abwechslung mal mit Cola oder
Sprite?
(DIR) Großstadtbegegnungen: Mitten rein ins Gespräch
Bei manchen Alltagsbegegnungen wird gleich das ganze Leben ausgeschüttet.
Nur wenn’s um Politik geht, dann muss man gleich schnell wieder los.
(DIR) Kunst am Straßenrand: Blicke durchs Pappmaché
Die Berliner Allee in Berlin-Weißensee ist kein Ort für Ästheten – bis ein
filigraner rosa Rüssel und zwei wachsame Augen die Tristesse durchbrechen.
(DIR) Tanz und Kochideen: Als Versöhnung Baba Ghanoush
Sich nach einem Streit mit einem Essen zu entschuldigen, scheint unserer
Autorin eine gute Idee. Etwas mit Auberginen muss es sein!
(DIR) Rosalía und der Berliner Halbmarathon: Glücklich für sie und ihr sechstes Mal
Jedes Jahr kommt E. nach Berlin, um die 21 Kilometer des Halbmarathons zu
laufen. Beim Anfeuern klingt Rosalías „Berghain“ im Kopf mit.
(DIR) Eine Irritation im Normalbetrieb: Sonntags am Ende der Welt
Manche Störung erwartet man doch eher in der Stadt und nicht auf dem Land.
Und da muss man auch erstmal damit umgehen können, weiß unser Kolumnist.
(DIR) In Hamburgs Zentralbibliothek: Gackern und Legen
An müden Frühlingstagen bringen nicht mal Nüsse und Rosinen Autoren-Hühner
auf Hochleistungen. Trotz schöner Bibliothek.
(DIR) Täglich eine Geschichte: Meisterinnen der Miniatur
Unsere Autorin beginnt jeden Tag mit der Lektüre einer kleinen Geschichte
von Anita Daniel, Natalia Ginzburg oder Clarice Lispector. Wer sind diese
Frauen?
(DIR) Alles geht kaputt: Blaue Flecken am Herzen
Terror, Drama, Knacks: Menschen krümmen sich in der Bahn, Kathrin Angerer
quetscht ihre Stimme, und selbst Weichteilchirurgen sehen nur Löcher im
Gewebe.