# taz.de -- Gut zu Fuß: Gehen ist das neue Laufen
       
       > Warum eigentlich im Fitnessstudio schwitzen? Gegen das Japsen im
       > Treppenhaus helfen Spaziergänge genauso gut. Und für die Laune sind sie
       > eh besser.
       
 (IMG) Bild: Gehen ist das neue Ding
       
       Die Hamburger Stresemannstraße ist eine der längsten Schneisen durch die
       Stadt. Wenn man sie vom Anfang (Neuer Pferdemarkt) bis zu ihrem Ende
       (Bahrenfelder Chaussee) zu Fuß abschreiten will, braucht man bis zu 45
       Minuten. In den letzten Tagen habe ich viel darüber nachgedacht, dass ich
       mich, wenn ich täglich einmal hin- und zurückginge, locker beim
       Fitnessstudio abmelden könnte. Dort steige ich nämlich eigentlich nur auf
       das Laufband, um – ja, was wohl – zu gehen.
       
       Gehen ist das neue Ding. Joggen ist out. Zu schlecht für die Gelenke. Wenn
       man das eigene Japsen im Treppenhaus selbst nicht mehr hören kann: einfach
       losmarschieren!
       
       Auf meinem Weg zur Fittibude treffe ich leider immer wieder Bekannte, die
       locker Richtung Alster hüpfen, um sie zu umrunden. „Wo willst du denn hin,
       Rebecca?“ „Zum Sport“, sage ich, denn das hört sich zumindest erst mal gut
       an.
       
       Auf die Frage, wo ich den denn zu treiben gedächte, verweise ich auf meine
       Mitgliedschaft in der billigsten Fittibude der Stadt, die sich – Achtung –
       in der Stresemannstraße befindet. „Ahhh, die meinst du … ich hoffe, du hast
       Badelatschen dabei? Für die Dusche?“ Habe ich nicht, aber das braucht nun
       wirklich niemand zu wissen. Demütigung Nummer 1 erledigt.
       
       Nummer 2 erwartet mich im Inneren des Studios. Kaum habe ich mich auf eines
       der Laufbänder gewuchtet und mir die Podcaststöpsel in die Ohren gefummelt,
       gesellt sich auf dem Nebengerät eine ehemalige Kollegin zu mir. Diese hat
       vier Kinder und eine Karriere. Sie umarmt mich, während ich auf geringster
       Stufe gehe; ich schlage fast hin, fange mich aber.
       
       Sie rennt los. Das Laufband schnurrt. Dabei telefoniert sie, ohne aus der
       Puste zu kommen.
       
       Ich tue so, als sei ich schon länger auf dem Gerät zugange, betupfe mein
       trockenes Gesicht mit meinem Handtuch und werfe ihr eine Kusshand zu. Zwei
       Kilometer Rückweg auf der Stresemannstraße fühlen sich eh echter an als das
       hier.
       
       2 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rebecca Spilker
       
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