# taz.de -- Waren auf dem Band: Bestseller an der Supermarktkasse
> Ob Gummibären und Schokolade oder diverse Alkoholika. Vor der Kassiererin
> lässt sich nicht verheimlichen, was eingekauft wird.
Ein paar Leute kommen zu Besuch und ich will mal etwas anderes kochen als
sonst immer. Mir fiel mal auf, dass ich eigentlich immer nur etwa sechs
Gerichte koche, die ich bis zur Unkenntlichkeit variiere, um zu vertuschen,
dass es eigentlich immer die gleichen sind.
Kartoffeln mit Quark plus Beilagen, Suppen, Spaghetti mit Linsen oder
Tomaten, Aufläufe, Pfannengerichte und Pizza. Heute soll es eine schnelle
Quiche von Insta werden. Im Bioladen lege ich Süßkartoffeln und dann auch
noch drei Tafeln Schokolade und eine Tüte Gummibären in den Korb und stelle
mich an der Kasse an.
Eine Frau vor mir bemerkt, dass die Kassiererin sehr interessiert auf ihre
vielen Flaschen auf dem Band sieht. Schnell sagt sie: „Nicht dass Sie
denken, dass ich Alkoholikerin bin, das sind alles Geschenke.“ Die
Kassiererin sagt: „Alles gut, ich gucke nur, was Sie eingekauft haben.
Machen Sie sich keine Sorgen.“
Als ich dran bin, sage ich: „Und ich habe zu viele Süßigkeiten gekauft,
aber das sind keine Geschenke.“ Ich lache über mich selbst, weil ich mich
morgen am Schreibtisch abwechselnd Schokolade und Gummitiere essen sehe.
Die Kassiererin lacht freundlicherweise mit. „Ich finde das immer
interessant, was so eingekauft wird.“
„Ach“, sage ich neugierig, „spielen Sie das Spiel der Kassiererin aus
diesem Bestseller, die anhand der Waren auf dem Band überlegt, welcher
Mensch vor ihr steht, bevor sie hochsieht?“ Die Kassierin schüttelt den
Kopf: „Das Buch kenne ich gar nicht. Ich gucke einfach bloß, was ich selbst
mal wieder essen könnte, und schreib es hier auf eine Liste.“ „Wie
praktisch“, finde ich.
Als ich gehe, drehe ich mich noch mal um und sehe, dass sie etwas
aufschreibt. Ich vermute, dass sie Süßkartoffeln auf die Liste setzt.
Schokolade hat man ja sowieso immer im Kopf.
4 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Isobel Markus
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