# taz.de -- Beruf: Künstler: Die Kunst mit der Kunst
> Von der Kunst zu leben ist schön, verlangt aber auch einiges an
> Flexibilität und Durchhaltevermögen. Erst recht in Zeiten drastischer
> Kulturkürzungen in Berlin.
Gerade lese ich, es sei eine wirkliche Kunst, von der Kunst zu leben. Das
tägliche Beschönigen des eigenen Lebensweges macht diesen Fakt nicht
weniger wahr. Glücklicherweise ist gerade mal wieder eine Zeit, in der ich
eine einigermaßen große Rechnung für einen fertigen Kunstauftrag habe
schreiben können. Das ermöglicht Zeit für freies Arbeiten ohne ständigen
Druck und bringt mich über die nächsten zwei Monate. Die dafür notwendige
Flexibilität in Zeit- und Lebensplanung, das recht breit aufgestellt-Sein,
macht so ein Arbeiten überhaupt erst möglich. Ausruhen ist nicht –
ständiges Stattfinden. Machen, malen, zeichnen, bauen, organisieren,
schreiben, kommunizieren. Hier und da bereit sein, Kompromisse einzugehen,
ohne dabei jemals den künstlerischen Kern aller Arbeit aus den Augen zu
lassen. Auch – und bei Möglichkeit gerade nicht – bei Aufträgen.
Es gibt diesen einigermaßen blöden Spruch „Kunst kommt von Können“, den man
zumeist von künstlerisch recht unbeleckten Weggefährten zu hören oder lesen
bekommt. Selbige Menschen sind dann aber sofort überfordert, wenn man sie
nach einer allumfassenden Definition des Begriffs „Können“ fragt.
Sehr viel Arbeit, Glück, gutes Timing, Geduld und noch einmal viel Arbeit,
neben einem gewachsenen Netzwerk, machen so einiges möglich. Können kommt
mit dem Machen. Und Machen muss man können. Ein Kreislauf des
Sich-leisten-Könnens. Zeitlich und finanziell.
Aktuell drastische Einsparungen im Berliner Kulturbereich machen es da
keineswegs leichter – in der Kulturhauptstadt. Was haben wir denn sonst?
Geschichte und Geschichten, Kultur und Lebensliebe. Berlin, du Großartige.
Und ich wache trotzdem oft mit einem breiten Lächeln im Gesicht auf – weil
es so unglaublich schön sein kann, das Leben mit der Kunst.
2 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Christian Rothenhagen
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