# taz.de -- Kreuzberger Planufer: Ein sterbender Schwan
> Auch in diesem Winter sterben wieder die Schwäne im Berliner
> Landwehrkanal.
Auf dem zugefrorenen Neuköllner Ufer gibt es derzeit wieder einiges zu
sehen: „Guck mal, Mama, ein Staubsauger“, ruft ein kleines Mädchen im
Schneeanzug und zeigt mit dem Finger. Neben dem Staubsauger wurden auch
Weihnachtsbäume, Sofas, Kinderroller, Koffer und jede Menge Bierflaschen
entsorgt.
Ärgerlich schleift ein junger Mann zwei Jungs aufs Eis zurück, wo sie kurz
zuvor ein Fahrrad versenkt haben. „Ihr holt das jetzt raus“, befiehlt er.
Einer weigert sich, der andere knickt ein, macht sich an die Arbeit und
wird von seinem Kumpel dafür hochgenommen.
Indes mache ich inmitten des Mülls ein wenig Natur aus: Ein roter
Stadtfuchs flitzt übers Eis. Auch zwei elegante Kormorane stehen in
typischer Neukölln-Devise – ganz in schwarz – wie Türsteher bereit.
Vielleicht sind auch sie verwirrt darüber, anthropomorphisiere ich, dass
das Gelände der „Griessmühle“ inzwischen eine Privatuni („SRH University“)
und die angrenzenden Schrebergärten eine Bundesautobahn („A 100“) sind. Die
gesprayte Rio-Reiser-Liebesklärung am Maybachufer galt für diese Orte
leider nicht: „Für immer und dich“.
Ich laufe weiter, bis zum Kreuzberger Planufer, wo zwei Touristinnen gerade
verrenkt versuchen, ein Selfie mit einer Schwanenherde zu machen. „If they
are ugly, they’re women“, höre ich sie sagen. Dann bricht das
Selfie-Spektakel ab. Die beiden erblicken etwas, das sie bisher vermutlich
nur aus „Schwanensee“ kannten: „Is he sleeping“, fragen sie eine Gruppe
Frauen, die ebenfalls aufs Wasser starrt, „or …?“
Wirklich bestürzt starren die beiden den weißen Höckerschwan an, dessen
langer Hals nicht mehr aus dem schmalen Wasserloch auftaucht. Um ihn herum
wimmelt es von Plastik. „Der ist leider gestorben“, erklärt ihnen in
resolut deutscher Manier eine der Frauen: „Wir rufen jetzt das
Ordnungsamt.“
6 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Marielle Kreienborg
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