# taz.de -- Innenleben der Eierschachtel: Dem Floh nachgeben
       
       > Den Verlockungen im Supermarkt zu widerstehen, ist mit leerem Magen
       > ungleich schwieriger. Schon gar, wenn einen der Kassierer auf Ideen
       > bringt.
       
       Rasch will ich in einem Supermarkt noch etwas einkaufen, Eier, Butter,
       Brot. Fremder Kiez, fremdes Sortiment, demzufolge auch ich ein Fremder aus
       Ladenperspektive. Muss mich erst einmal zurechtfinden zwischen den Regalen.
       Andere sind schneller als ich, entpuppen sich durch ihre lässige,
       schlafwandlerisch gewandte Einkaufsroutine als Stammkunden.
       
       Schließlich habe ich alles Gesuchte gefunden, alles erledigt. Dann eine
       leis anklopfende innere Frage: „Schokolade?“ Mit etwas Übung leite ich sie
       an mir vorbei, kann der Verlockung widerstehn. Nie mit leerem Magen
       einkaufen!
       
       An der schlangenlosen Kasse dann wird die Eierschachtel vor dem Scannen
       geöffnet, ruckzuck, auf, zu. Ein wenig wie beim Zoll, denke ich. Und frag
       den Kassierer: Gucken Sie, ob alle heile sind oder ob alle drin sind? Weder
       noch, lässt er mich mimisch wissen, scannt weiter. Also beides! Nee, meint
       er dann. Da wern schon auch mal Pasteten-Eier rinjepackt, grade über
       Ostern. Hm, sag ich, aber Ostern ist doch schon vorbei. Kein
       Osterschnickschnack mehr im Laden. Er merkt, dass ich mit seiner Antwort
       nicht zufrieden bin. Generell liegen da auch gern mal Ü-Eier drin, verrät
       er mir jetzt. Das sehen Sie den Menschen nicht an der Nasenspitze an. Und
       den Schachteln auch nicht, sag ich. Und da blicke ich in ein nickendes,
       lachendes Gesicht.
       
       Mit den Pasteten-Eiern hat er mir aber einen Floh ins Ohr gesetzt, der mich
       draußen vorm Laden gehörig kitzelt. Im Discounter nebenan ergattere ich
       also für mich, beziehungsweise für den Floh, ein Pasteten-Ei, das ich in
       einer Schütte zwischen letztem fahlen Ostergras und ziemlich ramponierten
       Schokohasen finde. Mit „zarten Schichten aus herzhaftem Pistazienmarzipan
       und zweierlei Nougat, unter einem feinherben Hauch von dunkler
       Edelkuvertüre“. Ich bezahle es – ganz ohne Eierschachtel. Vielleicht wär's
       auch zu groß dafür gewesen.
       
       23 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Primus
       
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