# taz.de -- Trauer teilen: Schwimmen und Bubatz
> Von einem geliebten Menschen Abschied zu nehmen, ist etwas leichter, wenn
> man es gemeinsam tut. Tränen fließen trotzdem. Manchmal aber auch aus
> Freude.
Manche Zeiten sind so traurig, dass es schwer ist, sich an das Schöne zu
erinnern. Obwohl der Frühling gerade aus jeder Ecke lacht, seinen Kopf
durch Krokusse und Schneeglöckchen in den Himmel reckt, überkommen mich
Tränen unvermittelt.
Im Angesicht des Todes seien wir auf uns selbst zurückgeworfen, heißt es in
einem Text von Daniel Schreiber. Unsere Trauer gehört uns ganz allein. Doch
es hilft sie zu teilen, weiß Schreiber und erkenne ich. Mein aktuelles
Bedürfnis nach Verbindung ist stärker denn je und so bin ich froh, dass wir
mal zu viert, zu fünft oder zu zweit am Krankenbett wachen und uns
Geschichten erzählen. Geschichten, deren Protagonist nun hier liegt und
hoffentlich noch hören kann. „Wir gehen dann gemeinsam schwimmen“, sagt
seine Frau, meine Großmutter, und wiederholt den Satz, weil sie ihn gleich
wieder vergessen hat. „Schwimmen“, hallt es in meinem Kopf, „einfach
schwimmen, schwimmen, schwimmen“.
Die Liebe dazu verbindet uns alle, merken wir und denken an Tage aus der
Kindheit und der jüngeren Vergangenheit am See. Einen solchen könnte ich
weinen momentan; „Cry Me a River“ quasi. Ich lasse ihnen freien Lauf diesen
Tränen, die mich an bevorstehende Regengüsse und Sommergewitter erinnern.
In allem liegt auch ein bisschen Schönes.
Auf dem Heimweg im Auto höre ich meine demente Großmutter vor sich hin
murmeln, vorlesen, was ihre Augen erhaschen. Was hat sie wohl von alldem
mitgenommen? Was verstanden?
Ich hänge meinen Gedanken nach, als es plötzlich vom Beifahrersitz tönt:
„Wann Bubatz legal?“ Die Augen neben mir schauen mich mit einer
Ernsthaftigkeit an, die mich kurz stutzen lässt. Dann fange ich so lauthals
an zu lachen, dass sich etwas in mir löst: Tränen. Diesmal aber welche der
Freude.
3 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Sophia Zessnik
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