# taz.de -- Rosalía und der Berliner Halbmarathon: Glücklich für sie und ihr sechstes Mal
> Jedes Jahr kommt E. nach Berlin, um die 21 Kilometer des Halbmarathons zu
> laufen. Beim Anfeuern klingt Rosalías „Berghain“ im Kopf mit.
Seine Wut ist meine Wut, seine Liebe ist meine Liebe, sein Blut ist mein
Blut“, singt mir Rosalía ins Ohr, während ich die Reuterstraße
hinunterlaufe. Dann folgt die unverkennbare Stimme von Björk – im Video zum
Thema „Berghain“ singt sie als kleiner Vogel.
Während ich bei diesem dramatischen Musikstück die Flughafenstraße
erreiche, wärmt sich meine Freundin E. am Start des Berliner Halbmarathons
auf. Ich weiß, dass sie die rote dünne Jacke trägt, die ich ihr gegeben
habe, damit sie vor dem Startschuss nicht erfriert. In ihrer Audionachricht
klingt sie aufgeregt und glücklich. Ich fühle mich auch glücklich für sie
und erinnere mich daran, wie ich selbst vor fünf Jahren dort stand. Damals
war sie es, die mich, als wir uns zufällig beim Joggen begegneten, davon
überzeugt hatte, mich für den Lauf anzumelden. In jener Zeit habe ich
einige Dinge zum ersten Mal in meinem Leben getan – und das war eins der
allerschönsten.
In diesem Jahr läuft E. zum sechsten Mal die 21 Kilometer, um Spenden für
Sea-Watch zu sammeln. Jedes Jahr kommt sie extra dafür nach Berlin, und für
uns, ihre Freund*innen, ist es immer ein erwartetes Highlight zum Beginn
des Frühlings und die perfekte Gelegenheit, uns wiederzusehen. Bei schönem
Wetter picknicken wir auf dem Tempelhofer Feld, bei weniger schönem Wetter
sitzen wir bei ihr Zuhause, in ihrer Küche oder auf ihrem kleinen Balkon
mit Blick über Neukölln.
E. ist zwar müde, scheint gleichzeitig aber noch Energie für einen weiteren
Lauf zu haben. Wir kochen für sie, massieren ihre Beine, hören gerne ihre
Marathon-Anekdoten – sie ist unsere Heldin und die absolute Protagonistin
dieses Tages. Das Lied von Rosalía geht zu Ende, ich denke weiterhin an E.,
und in meinem Kopf laufe ich mit ihr.
31 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Luciana Ferrando
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