# taz.de -- Neuer Schreibtisch: Zum Glück vertippt
> Ein Tippfehler auf Kleinanzeigen verhilft zum Schnäppchen, macht sich
> dann aber auch noch woanders breit.
Da ich noch meinen Schreibtisch aus Unizeiten besaß, ein klappriges
Ikea-Gestell, dachte ich, es könnte mal ein neuer her, wenn es doch das
Möbelstück ist, das ich als freie Autorin am meisten nutze. Ich klickte
mich also durch Kleinanzeigen und blieb immer wieder an einem sündhaft
teuren Teil hängen: der Eiermann-Tisch von Richard Lampert. Nein, 400 Euro
war ich definitiv nicht bereit auszugeben, zumal die Tischplatte eigentlich
viel zu lang war für mein Zimmer und ein wenig aussah wie ein weißer
Tapeziertisch. Ich wollte mich schon von diesem Modell verabschieden und
wieder mit einem günstigen Ikea-Tisch vorliebnehmen, als ich auf eine
Anzeige stieß: „Schreibtisch Eiermsnn 2 von Modulor“.
Der Tippfehler im Wort Eiermann war wohl der Grund, warum die Anzeige
bislang nur vier Leute angeklickt hatten. Außerdem musste es sich um eine
Kinder-Version handeln, weil die Tischplatte vom Ausmaß genau in mein
Zimmer passte und insgesamt deutlich günstiger war als die größeren
Modelle. Ich schrieb sofort dem Verkäufer und bekam wenige Minuten später
die erlösende Antwort: Ja, der Tisch war noch zu haben. Ich fackelte nicht
lange und fuhr in den Prenzlauer Berg, zum Besitzer des kleinen
Eiermann-Tisches.
Eigentlich war es der Tisch seiner pubertierenden Tochter, die eh keine
Hausaufgaben machte, wie man mir vor Ort schmunzelnd mitteilte. Und nun war
es meiner. Also fast. Ich musste ihn nur noch bezahlen. Als ich gerade die
Mailadresse des Verkäufers bei PayPal eintippte, erzählte ich ihm noch,
dass sein Tippfehler wohl mein Glück war. Als ich am Abend zufrieden an
meinem neuen Eiermann-Tisch saß, schrieb mir der Verkäufer via
Kleinanzeigen, dass er noch nicht die Zahlung erhalten habe. Schnell
schaute ich bei PayPal nach – und tatsächlich: Ich hatte mich bei seiner
Mailadresse vertippt.
9 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Eva Müller-Foell
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