# taz.de -- Winter in Hamburg: Alster ohne Vergnügen
       
       > Wann war eigentlich zuletzt das Eis auf der Alster dick genug, um darauf
       > Schlittschuh zu laufen? Hamburg enttäuscht in dieser Hinsicht Jahr um
       > Jahr.
       
       Immer, wenn es in Hamburg mal für ein paar Tage so richtig kalt ist, träumt
       die ganze Stadt kollektiv vom Zufrieren der Alster. Selbst Zugezogene
       berichten dann sehnsüchtig von ihren romantischen Vorstellungen dieses
       Ereignisses – eine Nachbarin aus dem Viertel behauptete unlängst sogar, sie
       sei eigentlich nur wegen des Winterzaubers auf dem Gewässer in den hohen
       Norden gezogen. Immerhin sei es eben der Norden und da könne man ja wohl
       erwarten, dass sich Eis und Schnee pünktlich zum Dezemberbeginn einfinden
       werden. Norden = kalt. Das wisse jedes Kind. Sie hatte, so stellte sich im
       Verlauf des Gesprächs heraus, ernsthaft geglaubt, das Gewässer würde in
       jedem Jahr vereisen. Aber Pustekuchen, sie lebe nun schon seit 5 Jahren auf
       St. Pauli und was is? Nix is.
       
       Selbst ich, als in dieser Hinsicht desillusionierte Ureinwohnerin der
       Stadt, finde mittlerweile, dass es mal wieder Zeit ist für Glühwein und
       Maroni auf eiskaltem Untergrund. Das letzte Eisvergnügen fand bereits im
       Februar 2012 statt, ergoogelte ich flugs. Ich glaube, es war herrlich. So
       ganz genau kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern … Hatte ich
       überhaupt damals einen Fuß auf das knirschende Eis gesetzt? Ehrlich gesagt:
       keine Ahnung. Das Alter. Nachfrage bei meiner Tochter:
       
       Kannst du dich an 2012 erinnern? Alster? Glühwein? Dicke Mütze?
       
       Ja, wegen Papas Sturz, als er sich beim Schlittschuhfahren selbst filmen
       wollte. Totales Drama doch. Knöchel geknackst.
       
       Ach, ja. Stimmt.
       
       2 Zentimeter dick ist das Eis zur Zeit, sagt das Netz. Das reicht nicht.
       Selbst herumtapsende Vögel brechen noch ein. Wir sollten alle Hoffnung
       fahren lassen, lege ich der Nachbarin am nächsten Tag ans Herz, während ich
       mit ihr einen Glühwein vorm Café schlürfe. Sie erwäge nun ernsthaft einen
       Umzug zurück ins heimatliche Emsdetten, berichtet sie.
       
       Diese Stadt würde wenigstens keine falschen Versprechungen machen.
       
       19 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rebecca Spilker
       
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