# taz.de -- Ausstellung zum Alltag im Ukrainekrieg: Sie sind an der Front und fehlen zu Hause
       
       > Die Berliner Schau „Pankows Partnerstadt Riwne – persönliche Berichte vom
       > Alltag im Krieg“ zeigt das Leben in der Ukraine. Und erinnert an alte
       > Verbrechen.
       
 (IMG) Bild: Zwölf Fotos, zwölf Menschen, zwölf Orte: Blick in die Ausstellung
       
       Entspannt schließt das Kamel die Augen. Oleh Pavliuk, Zoodirektor im
       westukrainischen Riwne, steht vor ihm. In der rechten Hand hat er einen
       Zweig mit getrocknetem Eichenlaub. Im Video, das über den QR-Code neben dem
       Foto abrufbar ist, frisst ihm das Kamel aus der Hand.
       
       Pavliuk erzählt, wie sich nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf
       die Ukraine alle Zoodirektoren des Landes zu einer Videokonferenz getroffen
       haben und jeder berichtet hat, was er gerade am notwendigsten braucht.
       Schnell wurde der Riwner Zoo zur Koordinationsstelle für die passgenauen
       Hilfspakete aus Europa: „Wir baten die Fahrer, nehmt bitte zwei Paletten
       mit Futter für den Elefanten mit, denn dort hat der Elefant nicht zu
       fressen. Wir luden sie schnell ins Fahrzeug und sie kamen an.“
       
       Zwölf Fotos, zwölf Menschen, zwölf Orte in der 250.000 EinwohnerInnen
       zählenden Stadt, das ist die Wander-Ausstellung „Pankows Partnerstadt Riwne
       – [1][persönliche Berichte vom Alltag im Krieg“.] Vor einem Jahr besuchten
       MitarbeiterInnen des Museums Pankow die Stadt. Sie waren unter anderem im
       dortigen Lyzeum, im Staatsarchiv, in der Musikfachschule, im Krankenhaus
       und im Theater.
       
       Im Video steht Intendant Volodymyr Petriv vor der tiefroten Saal-Bestuhlung
       und zeigt dann auf das Foto eines an der Front gefallenen
       Ensemble-Mitglieds. Was alle ProtagonistInnen der Ausstellung vereint, ist
       die Wehmut darüber, dass die RiwnerInnen, die an der Front das Land
       verteidigen, zu Hause in ihrem eigentlichen Arbeitskontext sehr fehlen.
       
       ## Sandsäcke vor den Museumsfenstern
       
       Die großformatigen Fotos sind der Teaser zu den Videos, mit denen man tief
       in die Stadt eintaucht. Man sieht [2][die Sandsäcke vor den Fenstern des
       Regionalmuseums] und folgt Hennadii Freierman zur Gedenkstätte Sosenki, die
       den Ort markiert, an dem im November 1941 ca. 17.500 Menschen erschossen
       wurden.
       
       Riwne war vor 1941 eine multikulturelle Stadt mit einer überwiegend
       jüdischen Bevölkerung, die durch deutsche Einsatzgruppen-Angehörige und
       ukrainische Milizen fast vollständig ausgelöscht wurde. Nachkriegsfotos in
       der Ausstellung zeigen eine total zerstörte Stadt und den Willen der Riwner
       Holocaust-Überlebenden, Sosenki unmittelbar nach Kriegsende zum jüdischen
       Gedenkort zu machen.
       
       Das war in der UdSSR unerwünscht. Erst 1991, mit der Unabhängigkeit der
       Ukraine, [3][konnte hier ein Gedenkort entstehen]. Der Historiker Petro
       Dolhanov beschäftigt sich mit der Shoah in der Region: „Meine Aufgabe ist,
       die Geschichte des Anderen zu erforschen, der einst unser Nachbar war, der
       verschwunden ist.“
       
       3 Mar 2026
       
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 (DIR) Katja Kollmann
       
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