# taz.de -- Tanz und Kochideen: Als Versöhnung Baba Ghanoush
> Sich nach einem Streit mit einem Essen zu entschuldigen, scheint unserer
> Autorin eine gute Idee. Etwas mit Auberginen muss es sein!
Alle wehen mit den Armen nach oben, manche machen die Augen zu – vielleicht
stellen sie sich vor, sie seien Bäume im Wald, vom Wind bewegt. Die Musik
ist ruhig und leise, die Tanzlehrerin sagt „nice!“. Ich befinde mich aber
weder im Wald noch im Tanzraum. Mit dem Kopf bin ich nämlich schon in der
Zukunft: Ich überlege, was ich später für meine Freundin kochen könnte –
mit Auberginen, denn wir haben eine Menge zu Hause. Moussaka? Ratatouille
…? Oder etwas ganz anderes, wie eine Auberginenquiche? Für sie zu kochen,
mache ich immer gern, doch an diesem Abend handelt es sich um eine
Wiedergutmachung, nachdem ich am Vormittag eine unnötige Diskussion
ausgelöst habe.
Mit dieser Schwere, die nach einem Streit im Körper bleibt, gehen wir
spazieren. Dann kommt mir, zur Versöhnung, eine verrückte Idee. Ich schlage
vor, ans Meer zu fahren.“„Ans Meer?“„Ja, nach Stralsund.“ „Das ist ein
bisschen weit weg …“, meint sie und ich möchte ihr nicht widersprechen.
„Zum Schlachtensee?“, fällt mir ein. „Ja! Lass uns dahin fahren.“
Obwohl es Montag ist und ich arbeiten sollte, steigen wir am Görlitzer
Bahnhof in die U3 ein. Wir haben nichts außer unseren Bauchtaschen dabei,
und die U3 ist teilweise unterbrochen – trotzdem geben wir die Idee, den
See zu erreichen, nicht mehr auf. Dort angekommen bestellen wir Radler und
Pommes in der Fischerhütte und fühlen uns wie im Urlaub. Danach laufen wir
die Lima-Straße entlang bis zum Mexikoplatz, und ich fahre zu meiner
Tanzstunde.
„Als Nächstes strecken wir uns“, sagt die Tanzlehrerin jetzt und holt mich
damit zurück in die Gegenwart. Aber nur kurz: Ein paar Sekunden später bin
ich schon wieder bei den Rezepten – Caponata, Moussaka, vielleicht Baba
Ghanoush?
8 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Luciana Ferrando
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