# taz.de -- Fußball-WM 2026, alle Spiele: Ein wahrhaft weltmeisterlicher Auftritt
> Spanien strahlt im Finale gegen Argentinien pure Dominanz aus und
> verdient sich den Titel redlich. Lionel Messis WM-Abschied geht darüber
> fast unter.
(IMG) Bild: Verdienter Lohn: Spaniens Rodri feiert mit dem Weltpokal, seine Kollegen feiern mit
104 Spiele wurden bei dieser WM der Superlative gespielt. Jedes hatte
seinen besonderen Moment. Auf dem Feld, in der Kneipe beim Public Viewing
oder zu Hause beim Checken der Ergebnisse nach dem Aufstehen. Das WM-Team
der taz hat sie eingesammelt.
## Spanien – Argentinien 1:0 n. V. (0:0, 0:0)
Vergessen wir die ersten 90 Minuten, in denen der einzige Höhepunkt die
Gelb-Rote Karte gegen den Argentinier Enzo Fernández in der dritten Minute
der Nachspielzeit war. Dass in der Verlängerung 11 Spanier gegen 10
Argentinier spielten, drückte nun auch zahlenmäßig aus, was gefühlt seit
dem Anpfiff der Fall war: Spanien spielte mit einem Mann mehr. Und doch
dauerte es bis zur 106. Minute, bis Ferran Torres das entscheidende 1:0
erzielte.
Bis dahin konnte Emiliano Martínez seinen Kasten sauber halten. Dass er der
beste argentinische Spieler war, spricht Bände. Seinen Feldspielern gelang
während der gesamten 120 Minuten nicht ein einziger Schuss auf das
spanische Tor. Die Spanier dagegen schossen 12-mal auf Martínez' Kasten.
Die Spanier standen hoch, pressten konsequent und ließen die Argentinier
nicht zum Spielen kommen. Das machte ihr Spiel dominant, die Begegnung aber
wenig attraktiv.
Das Fazit: Jubel in Spanien, Tristesse in Argentinien. Argentiniens Griff
nach dem vierten Stern scheiterte ebenso wie das Unternehmen
Titelverteidigung und die Tatsache, dass es wahrscheinlich Lionel Messis
letztes WM-Spiel war, ging irgendwie unter.
Bemerkenswert: „Wir wissen, dass es Leute gibt, denen es schlecht geht, die
keine Arbeit haben und kaum über die Runden kommen“, hatte Lionel Messi vor
dem Spiel über die Euphorie am Río de la Plata gesagt. Was dann aber der
Euphorie von Präsident Javier Milei Grenzen setzte. Der ließ seinen
Sprecher erklären: „In der Regierung teilen wir diese Ansicht nicht. Ich
bezweifle nicht, dass es Menschen gibt, die sich in dieser Situation
befinden. Aber das pauschal zu behaupten, erweckt den Eindruck, als würden
alle dieselbe Realität erleben“, so ein Präsidentensprecher. (jüvo)
## England – Frankreich 6:4 (4:0)
Natürlich hat sich aus dem erweiterten WM-Team der taz niemand gefunden,
der sich dieses Spiel um den dritten Platz live anschauen wollte. Das
braucht doch niemand, waren wir uns sicher. Das gehört genauso abgeschafft
wie die Fifa selbst. Und dann das. 6:4 schlägt England das Team aus
Frankreich. Das muss ja richtig unterhaltsam gewesen sein, denkt sich der
Redakteur, als er nach dem Aufstehen das Ergebnis sieht. Nicht schlecht,
denkt er sich, als er die Torfolge sieht. 3:4 nach 0:4 und 4:5 nach 3:5,
bevor Jude Bellingham dann das sechste Tor für England macht. Zwei Tore hat
Kylian Mbappé erzielt und könnte Torschützenkönig der WM werden. Bei zehn
Toren steht er jetzt.
Dieses Spiel! Wahnsinn! Verrückt! Eine Geschichte, wie sie nur der Fußball
schreiben kann! Oder eben ein Spiel um Platz drei, das keiner braucht, und
in dem deshalb Dinge passieren, die sonst undenkbar wären. Ein Spiel, in
dem nicht mal Englands Trainer Thomas Tuchel einen Verteidiger nach dem
anderen einwechselt. England ist also WM-Dritter geworden. Besser waren sie
seit dem Titelgewinn 1966 nicht platziert. Ob das wirklich jemanden
interessiert? Es war eben nur ein Spiel um Platz drei. (arue)
England – Argentinien 1:2 (0:0)
Das Fußballfieber in England loderte bereits am Mittwochnachmittag im
britischen Unterhaus. Der scheidende britische Premierminister Keir Starmer
verkündete in seiner allerletzten Fragestunde, er habe heute Abend noch
einen Fernsehtermin. Alle wussten, was gemeint war. Während seiner Amtszeit
hätte England, 22 von 29 Spielen gewonnen: „Last das 24 aus 31 werden!,
sagte er dem Unterhaus. England zu einem Sieg am Sonntag zu gratulieren,
hätte seine letzte offizielle Aufgabe sein können. Hätte.
Während Starmer das Match aus Number 10 Downing Street verfolgte, fanden
sich andere im O2-Forum in Kentish Town zum Rudelschauen ein. Normalerweise
treibt sich im O2-Forum die alternative Rockszene rum. An diesem tag wurde
er zur Fuabllarena für über 2000 Personen. Manschen in roten und weißen
T-Shirts stehen vor einer Großleinwand, nicht ein einziger Argentinien-Fan
darunter. Die Erwartungen sind hoch. „It’s coming home!“ wird angestimmt
und die Hymne gemeinsam gesungen: „God save the King!“
Die erste Hälfte vergeht mit viel Aufregung über den Schiedsrichter. Die
Fans meinen, dass er zu viele argentinische Fouls ohne Karte durchgehen
ließ. Wenn Fifa-Präsident Gianni Infantino zu sehen ist, wird gebuht. In
der Pause mischt eine DJ Drum'n Bass mit Fußballhymnen. Die Crowd wirft die
Arme nach oben und grölt „Sweet Caroline“ und die englische Fußballhymne
„Please don’t Take me Home.“
Als Anthony Gordon in der 55. Minutedas 1:0für England schießt, ist der
Lärm ohrenbetäubend. Doch Argentinien wird wach. Es folgt der Ausgleich.
Der Bombenschuss von Enzo Fernández aus 20 Meter Entfernung ist unhaltbar.
Ein Kopfball von Lautaro Martínez in der 92. Minute besiegelt schließlich
das Schicksal Englands. Grabesstille im vollen Saal. Nach dem Abpfiff
strömen die Fans nach draußen, manche mit Tränen im Gesicht. Menschenmengen
kommen auch aus den vielen Londoner Pubs und begeben sich wortlos auf den
Weg nach Hause. Es ist vorbei. So wie 1986 und 1998 endet das Turnier für
Endgland mit dem Spiel gegen Argentinien. Die englische Elf muss gehen,
ganz so wie der englischen Premier Starmer. (Daniel
Zylbersztajn-Lewandowski)
Frankreich – Spanien 0:2 (0:1)
Der gute Kern des Fußballs schien in diesem Turnier auf Frankreich
zusammengeschrumpft zu sein. Das einzige, woran ein jeder und jede noch
Spaß haben kann im düsteren Fifa-Reich. Das Versprechen eines entfesselten
Fußballs, es lässt einen ganzen Abend vergeblich auf sich warten. Was ist
nur los mit Kylian Mbappé, Michael Olise und Ousmane Dembelé? Keinen guten
Tag haben, das ist möglich, aber keinen guten Moment? Es gewinnt der
entwaffnende Fußball Spaniens. Faszinierend, wie sie ihren Gegner all
seiner Stärken berauben. Sie kontrollieren, was nicht zu kontrollieren
scheint. Es ist keine Perfektion, aber die Folgen ihrer Fehler beheben sie
binnen kürzester Zeit selbst. Wenn es hervorzuheben gilt? Rodri, Fabian,
Cucurella, Olmo, Cubarsi, Porro… Man weiß nicht, an welcher Stellen man
aufhören soll. Das Team ist nicht auf die Idee eines einzelnen angewiesen,
alle folgen einer kollektiven Idee. Und Spielglück haben sie noch dazu. Der
blinde Tritt von Lucas Digne gegen das Bein von Lamine Yamal führt zum
Elfmeter und lässt das Spiel in die gewünschte Richtung kippen. (jok)
## Argentinien – Schweiz 3:1 n. V. (1:1, 1:0)
Im Vorfeld trieb die Partie fragwürdige Blüten aus. So hängte Grido, eine
der bekanntesten Eisdielenketten Argentiniens, in seinen Filialen Schilder
mit der Aufschrift auf: „Wir verkaufen kein Schweizer Schokoladeneis. Hier
gibt es [1][nur argentinisches Schokoladeneis].“ Die Nachfrage dürfte sich
angesichts der winterlichen Temperatur am Río de la Plata ohnehin in
Grenzen gehalten haben.
Ganz anders war die Temperatur im Arrowhead Stadium von Kansas City. Beim
Anpfiff herrschten 28 Grad auf dem Rasen. Als die Argentinier nach zehn
Minuten selbst auf Temperatur gekommen waren, köpfte Alexis Mac Allister
eine Ecke von Lionel Messi zur 1:0-Führung. Die Schweizer brauchten 20
Minuten für ihren ersten und einzigen Schuss auf das Tor von Emiliano
Martínez in der ersten Halbzeit.
Nach der Pause presste die Schweiz, Argentinien zog sich zurück, und prompt
fiel der Ausgleich durch Dan Ndoye. In der 72. Minute drehte die Partie.
Nach einem fingierten Foul flog Embolo mit Gelb-Rot vom Platz. Von nun an
drängte Argentinien und die Schweiz verteidigte, doch es dauerte bis zur
112. Minute, ehe Julián Álvarez mit einem Golazo das 2:1 schaffte. Zwei
Minuten vor Schluss setzte Lautaro Martínez mit dem 3:1 den Schlusspunkt.
Fazit: Argentinien kann auch ohne Messi-Tore gewinnen, verhindert mit dem
Weiterkommen, dass die WM zu einer Quasi-Europameisterschaft wird, doch im
Halbfinale gegen England muss mehr kommen.
Argentinien spielte mit schwarzer Armbinde in Erinnerung an Antonio Ubaldo
Rattín. Der Kapitän der argentinischen WM-Mannschaft von 1966 war am
Samstagmorgen im Alter von 89 Jahren gestorben. Der Mittelfeldspieler war
im WM-Viertelfinale gegen England vor fast genau 60 Jahren vom deutschen
Schiedsrichter Rudolf Kreitlein mündlich des Feldes verwiesen worden. Da
Rattín weder Englisch noch Deutsch sprach und Kreitlein kein Spanisch,
dauerte es eine ganze Weile, [2][bis Rattín begriff, dass er das Feld
verlassen musste]. England gewann damals mit 1:0. Die FIFA reagierte auf
den Vorfall und führte bei der WM 1970 gelbe und rote Karten ein.
Bemerkenswert: In seiner Predigt zum Unabhängigkeitstag am 9. Juli wandte
sich der regierungskritische Erzbischof von Buenos Aires, Jorge García
Cuerva, an Präsident Javier Milei und den anderen anwesenden
Regierungsvertretern: „Lasst uns weiterhin unsere Trikots tragen und die
Botschaft von Lionel Messi mit Leidenschaft in die Tat umsetzen.“ Nach dem
Einzug ins Viertelfinale erklärte Messi, dass die Argentinier erneut
bewiesen hätten, dass sie gemeinsam alles erreichen könnten, wenn sie
zusammenhielten und geeint kämpften. „Wir haben es geschafft“ schrieb Messi
in den sozialen Medien. (jüvo)
## England – Norwegen 2:1
Fußball in England, das geht nicht von zu Hause aus. Es ist ein
öffentliches Ereignis, das man in den Straßen-Pubs verfolgt. Sportkneipen
und Plätze mit Tischen für die Fußballübertagung des Spiels Norwegen gegen
England sind seit vielen Tagen ausgebucht. Im Gastropub Lucas Arms aus dem
Jahr 1825 in der Nähe des Bahnhofes Kings Cross, vielleicht hat Charles
Dickens hier mal Bier getrunken sagt man, findet sich dennoch ein
Plätzchen.
Der Wirt hat Biere der Woche im Angebot: London Glory, 4-4 Brew Ale, Abbot
Ale und Timothy Taylor Bitterbier. Das Dekor mit WM-Flaggen aus aller Welt
ist international gehalten, alle sind hier willkommen. Das steht auch auf
einem Schild. Aus der Ferne lächelt von einer der Wände ein Porträt einer
jungen Queen Elizabeth II. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen für das
englische Team. Das Pub ist voll aber nicht übervoll. Hier sind eher die,
die keinen Platz in den Sportkneipen fanden. Ein paar aus der Gegend,
Student:innen, ein paar Ehepaare und ein paar zugelaufene Tourist:innen.
Einige tragen England T-Trikots, manche in Sonderausführung mit St. Georg
und dem Drachen. Frauen und Männer haben sich die Fahne Englands auf die
Wange gemalt. Eine Frau mit norwegischer Fahne ist auch zu sehen. Zwei
thailändische Frauen entpuppen sich ebenfalls als Norwegenfans. Zu Burgern
und Fish and Chips mit Erbsen schauen die Anwesenden den Anfang der
Übertragung. Auf dem britischen Sender ITV moderieren die ehemaligen
Fußballgrößen Ian Wright, Roy Keane und Gary Neville, doch die Leute sind
so laut im Pub, dass man eigentlich kein Wort versteht.
Um 22:00 Uhr beginnt das Match und in den ersten 15 Minuten wird der Ball
nur vorsichtig von einer zu anderen Seite geschoben. Man sieht Bilder vom
englischen Coach Thomas Tuchel. Für ältere Generationen ist die Tatsache,
dass ausgerechnet ein Deutscher heute das nationale Heiligtum betreut,
immer noch ein Wunder. Derartiges wäre vor wenigen Jahrzehnten nicht
möglich gewesen. Doch Tuchel lebt sichtbar jeden Moment im Spiel und
spricht in den Pausen mit fast allen Spielern.
Nach einem Foul an Jude Bellingham hat England die erste große Chance, doch
Kane nutzt die Gelegenheit nicht. Dann passiert es in der 36. Minute. Ein
prächtiger Schuss des Norweger Andreas Schjelderup bringt England in
Rückstand. Im Pub jubeln nur die zwei Thailänderinnnen. Für etwa zehn
Minuten wird es leise im Lucas Arms, dann plötzlich ohrenbetäubender Lärm.
Nach einem Pass von Gordon hämmert Bellingham kurz vor der Pause den Ball
ins norwegische Tor. Der daraufflogende Treffer von Kane zählt nicht.
Abseits.
Zu Beginn der zweite Hälfte dominieren die Norweger. Eine Ecke nach der
anderen schlagen sie in den Strafraum. Torbjorn Heggem haut den Ball ins
englische Tor, doch ein Faul gegen Elliot Anderson kurz davor macht es
ungültig. Glück für die einen, Pech für die anderen. Obwohl die Norweger
weiter drücken, bleibt das Glück aus. Nur ein Lattentreffer gelingt. Den
harten Schuss von Morgan Rogers kann der norwegische Keeper Ørjan Nyland
nicht festhalten. Bellingham trifft zum 2:1.
Alle im Pub jubeln und tanzen. Die Hoffnung auf ein weiteres Tor durch
einen Elfmeter für England, nachdem Djed Spence nach einem Gefecht mit
Oscar Bobb zu Boden fiel, wird durch VAR-Einspruch vereitelt. Die Leute im
Pub werden nun ungeduldig. „Beendet das verdammte Spiel“, ruft ein Mann mit
Kopftuch laut. Sein Wunsch geht nach einigen weiteren Minuten in Erfüllung.
Im Lucas Arms umarmen sich die Leute und singen wie im Stadion in Miami
Englands neue Fußballhymne aus dem Repertoire vergangener Schlager:
„Because maybe
You’re gonna be the one that saves me
And after all
You’re my wonderwall“
„It’s coming home!“, jubelt ein Mann aus einer Gruppe von der Straße
zurück. (Daniel Zylbersztajn-Lewandowski)
## Belgien – Spanien 1:2
Es ist doch passiert: Spanien kassiert das erste Gegentor in dieser WM. Und
muss sich tatsächlich mal etwas anstrengen. Denn die Belgier – vor wenigen
Wochen noch von der taz höchstpersönlich von der Liste der ewigen
Geheimfavoriten gestrichen – wollen es nun doch noch einmal wissen. Elf
Minuten nach Fabiáns Treffer zum 1:0 gleicht De Ketelaere per Kopfball aus.
Ab da wird es richtig lange richtig spannend. Es fließen Schweiß, Tränen
und sogar ein bisschen Blut.
Aber alles im Rahmen. Von der Goldenen Generation der „Roten Teufel“
spielen heute zwar nur noch De Bruyne, Lukaku und Courtois mit, dafür aber
mit vollem Einsatz. Letzterer muss in der 71. Minute wegen einer
Oberschenkelverletzung raus und wird durch die Nummer 2 Senne Lammens
ersetzt. Und dieser wird leider zur tragischen Figur. Zwei Minuten vor Ende
der regulären Spielzeit schafft er es nicht, den starken Schuss von Curbasí
aus 25 Meter Entfernung unter Kontrolle zu bekommen. Der Ball prallt Merino
vor die Füße – Tor! Zum Ende hin etwas nervös gewordene Spanier ziehen
schließlich doch ins Halbfinale gegen Frankreich ein. Olé! (rlf)
## Frankreich – Marokko 2:0 (0:0)
Kurz vor Anpfiff erscheint eine Nachricht auf meinem Handy: „Leute, die
Sportsbar darf nach 22 Uhr nichts mehr zeigen. Fernseher draußen abgebaut,
Vorhänge zugezogen. “ Na toll. Deutsche Bürokratie. Wenigstens überträgt
der Späti gegenüber das Duell – die beste Mannschaft Europas gegen die
beste Afrikas. Auch draußen. Einfach nicht hinterfragen.
Der Magenta-Stream läuft vier Minuten hinter dem des Nachbarn. Dessen
Reaktionen nehmen jede Spannung: Aufschrei – Elfmeter für Frankreich.
Aufschrei – Mbappé verschießt. Jubel – Mbappé trifft. Dann hämmert Dembélé
den Ball aus 20 Metern zum 2:0 ins Netz. Stille. Offenbar ist jemand
eingeschlafen. Verständlich, denn das vermeintliche Highlightspiel entpuppt
sich als Schlaftablette. (Rico Setz)
## Schweiz – Kolumbien 4:3 i.E. (0:0, 0:0, 0:0)
Es läuft die 115. Minute eines Spiels zweier wohl organisierter Teams, von
denen sich mal das eine, mal das andere Vorteile erarbeiten konnte. Ein Tor
wollte keinem gelingen. Wie anstrengend das war, ist den Spielern
anzusehen. Geht noch was? Oder soll man noch mal das Glas mit den
Salzstangen für das Elfmeterschießen auffüllen? Doch, da geht was! Nach
einem Fehler des Schweizer Kapitäns Granit Xhaka, steht plötzlich
Kolumbiens Jaminton Campaz im Strafraum frei vor Torhüter Gregor Kobel. Das
war’s also für die Schweiz. Uf Wiederluege, Nati! Von wegen. Campaz jagt
den Ball über das Tor. Also doch noch einen neuen Schwung Salzstangen
holen. Ein paar Minuten und zwei von Kolumbianern verschossene Elfmeter
später, steht die Schweiz im Viertelfinale. Die Schweiz! Sachen gibt’s.
(arue)
## Argentinien Ägypten 3:2 (0:1)
Und wieder fließen Tränen. Diesmal heult nicht Ronaldo, sondern Messi –
allerdings nicht vor Enttäuschung, sondern vor purer Freude. Nach diesem
Spiel gehen einem wirklich die Superlative aus. Argentinien lag bereits mit
0:2 hinten, Messi verschoss auch seinen zweiten Elfmeter bei dieser WM –
alles sprach dafür, dass nach Ronaldo nun auch sein ewiger Rivale die
Heimreise antreten würde. Doch weit gefehlt. Innerhalb von gerade einmal 13
Minuten drehten die Argentinier die Partie komplett. Messi traf selbst,
legte ein weiteres Tor auf und führte seine Mannschaft eindrucksvoll
zurück. Fußball, du geiles Stück – könnte man sagen. Wäre da nicht noch der
Videobeweis, der diesem ohnehin verrückten Spiel eine ganz eigene Würze
verlieh. (Rico Setz)
## USA–Belgien 1:4
Ergebnis? Sportliche Analyse gar? Selten schien das so unwichtig. Die
Willkürgroteske um die doppelpräsidial von Trumpino und seinem Infant
schamfrei erlassene Rot-Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun setzte alle
Maßstäbe für das Achtelfinale USA-Belgien. Und machte die gesamte WM zur
Farce.
Dieser plumpe Verrat am Sport stelle „alles infrage“, hatte erfrischend
klar der werdende Bundestrainer Jürgen Klopp gesagt: „Diese beiden
Menschen, die beide von Fußball keine Ahnung haben, sollten gar nichts
damit zu tun haben. Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel.“
Würden die Gastgeber Balogun vielleicht aus einem schüchternen
Fairplay-Gedanken heraus gar nicht einsetzen? Ach was: Mauricio Pochettino,
der US-Trainer, lobte die „fantastische Entscheidung, nicht nur für uns,
sondern für den Fußball.“ Und so spielte der Mann mit dem landestypisch
passenden Namensbestandteil „Waffe“. Soviel Gehorsam muss sein, wenn schon
dein Präsident vorangeht.
Den Einspruch Belgiens hatte am Abend ein Fifa-Richter abgeschmettert – ein
Mann, wie passend, aus Infantinos Sponsorland Katar. Die Roten Teufel
hätten barfuß antreten sollen, schrieb wer in einem SZ-Leserkommentar, weil
sie keine Zölle auf ihre Schuhe bezahlt hatten. Nette Albernheit.
Angemessener wäre gewesen, konsequent kommentarlos einfach abzureisen,
statt sich (aus sportlichem Gehorsam, haha) zu Infantinos Büttel zu machen.
Besser war es dann doch zu spielen. Souverän 4:1 gewann ein erfrischend
spielstarkes Belgien gegen ganz schwache US-Krieger. In dieser Nacht war
die ganze Welt Belgien.
Was kann der US-Diktator jetzt noch tun? „Belgien ist eine wunderschöne
Stadt“, hat Trump I. mal erklärt. Hah, sind Städte nach Fifa-Regulatorium
teilnahmeberechtigt? Gianni, klär das mal. Disqualifizieren! (müll)
## Portugal–Spanien (0:1)
In der Kneipe in Neukölln läuft das iberische Duell ohne Ton – sehr
angenehm. Die Gruppe ist geteilt, und wir diskutieren, wen wir mehr mögen:
Spanien oder Portugal, während ein eher langweiliges Spiel vor sich hin
plätschert. Als wir uns dann auf eine Verlängerung einstellen, trifft
tatsächlich irgendwie doch nicht ganz überraschend Merino für Spanien. Und
schießt sie ins Viertelfinale. La Roja hat weiterhin noch kein Gegentor bei
dem Turnier kassiert. Und CR7 weint. Tja. (rlf)
## Mexiko–England 2:3 (1:2)
„Da stehen zwei RTW hinter Jordan Pickfords Tor“, schreibt der
BBC-Kommentator gerade, als ich um 5:01 Uhr wach werde und schnell die
Ergebnisse checken will. „Wenn England das übersteht, geh ich runter und
leg mich in einen davon.“ Okayeeee. Das Spiel läuft noch? Klar, Unwetter,
überflutete Straßen, Anpfiff eine Stunde verspätet. Und das Extremwetter
ist nur eine der vielen Geschichten.
Die mexikanischen Fans sind eine andere, nicht nur rücksichtslose
Feiermonster – nach dem Sieg gegen Ecuador sterben auf den Straßen mehrere
Menschen. Auch die Rede vom 12. Mann haben sie sehr eigenwillig
interpretiert, das geheim gehaltene Hotel der Engländer ausfindig gemacht,
die ganze Nacht lang dort Krach geschlagen, Böller gezündet. Im
Atzkekenstadion pfeifen sie die englische Hymne und jeden Angriff der Three
Lions nieder.
Aber was nützen Feiermonster gegen Nervenmonster? Ein Doppelpack von Jude
Bellingham in nur anderthalb Minuten noch vor der Pause, später ein
verwandelter Elfer von Harry Kane. Zweimal reagieren die Mexikaner
umgehend, kommen aber auch wegen eines glänzend aufgelegten Pickford nicht
näher ran – obwohl England ab der 54. Minute in Unterzahl spielt, obwohl
noch 13 atemlose Minuten Nachspielzeit draufkommen.
Das Team von Thomas Tuchel macht seinem Spitznamen alle Ehre, verteidigt
und kämpft sich zum Schlusspfiff. Dann brechen die Dämme, beim Jubeln fällt
Jordan Henderson, der noch in der 98. Minute auf der Bank die gelbe Karte
gesehen hat, über die Bande und verletzt sich fies. Auf die Nervenmonster
wartet im Viertelfinale Norwegen mit dem Tormonster Erling Haaland. (bw)
## Brasilien–Norwegen 1:2 (0:0)
„Auf die Größe kommt es nicht an“, sagt ein brasilianischer Fan in einem
Berliner Biergarten zu Beginn des Spiels und will damit seine Tischnachbarn
beruhigen, als sie den heutigen Gegner, Norwegens Hünentruppe, auf der
Leinwand mustern. Doch er sollte auch zum Leidwesen der brasilianischen
Männermannschaft irren.
Wobei, wahrscheinlich entschieden weniger die fünf Zentimeter
Größenvorteil, dass Stürmerstar Erling Haaland (1,95 Meter) sich in der 79.
Minute im Kopfballduell gegen den ebenfalls hochgewachsenen Gabriel
Magalhães (1,90 Meter) durchsetzte. Vielmehr war Haaland, zuvor
unauffällig, mit diesem 1:0 und dem 2:0 in der 90.Minute durch einen
trockenen Schuss ins Eck eben wieder „der Größte“. Vielleicht übertraf ihn
nur Torwart Örjan Nyland, der an diesem Abend, wie es bei überragenden
Keeper-Leistungen schnell heißt, „sein Spiel des Lebens“ machte. Doch
Haaland, mit seinen Treffern sechs und sieben bei dieser WM, ist für
Norwegen, das erstmals in der Geschichte in ein WM-Viertelfinale einzieht,
wohl jetzt schon der Allergrößte.
Brasilien bleibt an diesem Abend nur das deutscheste Lob von
Magenta-Reporter Marco Hagemann: eine „sehr gut organisierte“ Mannschaft zu
sein. Der defensiv abwartende und dann eiskalt zuschlagende Stil, mit dem
Trainerlegende Carlo Ancelotti früher in K.o.-Spielen vor allem mit Real
Madrid so oft Erfolg hatte, hätte auch diesmal reichen können.
Doch Brasilien verzettelte sich – nicht nur, weil das Team in der
entscheidenden Phase zu passiv agierte, sondern auch, weil es zuvor beste
Chancen vergab: einen Elfmeter von Bruno Guimaraes und einen Alleingang
aufs Tor von Jungstar Emerick. Das Elfmetertor von Altstar Neymar zum 1:2
kam viel zu spät. Von seiner einstigen Größe kann der Rekordweltmeister
mindestens vier weitere Jahre nur träumen. (vink)
## Frankreich–Paraguay 1:0 (0:0)
Es läuft die 66. Minute eines hässlichen Fußballspiels, als Désiré Doué von
links in den Strafraum Paraguays eindringt. Nachdem der den Ball an seinem
Gegenspieler Diego Gomez vorbeigelegt hat, bringt ihn dieser zu Fall.
Schiedsrichter Ilgis Tantaschew hat dabei nichts Strafbares erkennen können
und ist dabei seiner Linie treu geblieben, im Zweifel nicht gegen die
Spieler aus Paraguay zu pfeifen. Nach einer Intervention des VAR blieb ihm
jedoch nichts anderes übrig, als doch auf den Punkt zu zeigen. Den
bearbeitete daraufhin Paraguays Gustavo Velázquez mit seinen Stollen und er
versuchte, diesen so uneben wie möglich zu machen. Das Schiedsrichterteam
hat sich daran nicht gestört.
Auch Kylian Mbappé ließ sich davon nicht beeindrucken und traf vom Punkt zu
seinem 19. WM-Tor in seinem 19. WM-Spiel. Am Ende, nach unzähligen Fouls
und Unsportlichkeiten von Spielern aus Paraguay hatte kein einziger von
ihnen eine gelbe Karte gesehen. Mbappé meinte zu dem ekeligen Spiel nur:
„Wenn du Scheiße anfassen musst, musst du Scheiße anfassen.“ Jetzt geht's
im Viertelfinale gegen Marokko. (arue)
## Kanada–Marokko 0:3 (0:0)
Kanada spielte mit der Lust einer Freizeitkickermannschaft und lief und
lief und lief. Marokko agierte mit der Coolness eines Teams, das bis zu
dieser Partie in 33 Spielen ohne Niederlage geblieben war. Die Marokkaner
ließen sich jedenfalls von den bisweilen arg ungestüm anstürmenden
Kanadiern nicht aus der Ruhe bringen. Eine wirklich Torchance hatte Kanada
trotz aller Bemühungen eigentlich nicht. Dass das Spiel so gar nicht gut
anzusehen war, lag an der harten Gangart beider Teams, die ohne Rücksicht
auf gegnerische Knöchel agierten. Satte 38 Mal pfiff der Schiedsrichter zum
Freistoß. Beide Team sahen je viel Mal die gelbe Karte. Nein, das war nicht
schön. Erkenntnisse? Ob Co-Gastgeber Kanada jetzt eine Fußballnation wird,
bleibt ungewiss. Dass Marokko sich in der Weltspitze etabliert hat, ist
offensichtlich. (arue)
## Kolumbien–Ghana 1:0 (1:0)
Eigentlich läuft noch Predator Upgrade auf Pro7, als das Spiel in Kansas
City beginnt – aber bei dieser WM ist ja viel schon in den ersten Minuten
passiert. Die Entscheidung, McKenna beim Kampf gegen das Alienraumschiff
allein zu lassen, ist goldrichtig. Denn Kolumbien und Ghana sind auch
gleich voll im Film. Und irgendwie ist da ja auch der FC dabei – wenn auch
nicht lange, denn nach einem kleinen Fight behält Ex-Kölner Jhon Cordoba
zwar ein Stück des gegnerischen Trikots in der Hand, greift sich dann aber
an die Leiste. Sein Miene: verzweifelt. Da geht heute nichts mehr. Zum
Glück ist Kolumbiens Stürmerbank glänzend besetzt, Luis Suárez kommt rein
und leitet prompt das einzige Tor des Spiels ein. Und es ist erst die achte
Minute. Danach rennen die Cafeteros munter weiter an und mausern sich nach
der schon starken Vorrunde immer mehr zum Geheimtipp. Nur bei der
Verwertung müssen sie sich für das Achtelfinale gegen die Schweiz noch
etwas überlegen. Aber vielleicht ist Cordoba dann ja auch wieder fit. Und
Ghana? Kommt nur in der zweiten Halbzeit kurz ins Spiel, es ist nicht ihr
Abend, wie es nicht die Woche der meisten afrikanischen Teams war. Von neun
überstehen nur zwei die erste K.o.-Runde. (bw)
## Argentinien–Kap Verde 3:2 n. V. (1:1, 1:0)
Re-Live Dialog zwischen Bernd Müllender (Capverder des Tages) und Jürgen
Vogt (Buenos Aires)
Bernd Müllender: Anstoß: Na, hat Argentinien schon große Angst?
Jürgen Vogt: Ja, er herrscht eine gewisse Nervosität, weil schon so viele
vermeintlich Kleine erfolgreich waren.
BM: Mama Vozinha, Mutter des Torwarts, muss neben Infantino sitzen, die
Arme. Ist eure Kettensäge auch vor Ort?
JV: Nein, Milei nicht, aber AFA-Chef Claudio Tapia sitzt neben Infantino –
zwei die sich blind verstehen.
BM: 18. Minute erster Messi-Freistoß aufs Tor. Vozinha!
JV: Aber jetzt: Messi-Festspiele 4. Akt: 28. Minute Messi-Ball-Gol. 1:0.
BM: Ohne Glanz, aber erschreckend cool, deine Argentinier. Egal: Ganz
Eurafrika hofft weiter.
JV: Sie spielen wie in einem taktisch-hölzernen Korsett. Mehr war aber bis
zur Halbzeit auch nicht nötig. Cabo Verde ist ziemlich harmlos.
BM: Das war schon immer Argentiniens Konzept: Knallhart und hölzern
wirkend, mit Messis Genialität als Kontrapunkt.
JV: 54. Minute: Erster Schuss auf’s argentinischen Tor. Dibu mit klasse
Rettungsstat.
BM: Na ja, aber Torschuss-Statistik insgesamt: 4:4 … Und, jaa, Tore jetzt
auch 1:1. Hallo, wo war die argentinische Abwehr?
JV: 73. Minute: was für ein Messi-Freistoß! Ich habe innerlich schon Tor
gebrüllt, das fischt der Keeper den aus dem Dreieck!
BM: Jetzt schon Nachspielzeit. Die Welt staunt weiter.
JV: Hier halten sie auch schon den Atem an.
BM: Verlängerung. Unfassbar. Kapverden bleiben ungeschlagen in der
regulären Spielzeit als einziges Land der Welt. Argentinien noch 30 Minuten
Weltmeister. Was macht die Angst da unten bei euch?
JV: Noch bleiben 30 Minuten. Tranquilo Muchachos!
BM: Man will das alles nicht glauben: der Weltmeister muss gegen die
Atlantik-Inseln in die Verlängerung.
JV: 2:1. Goooooool!
BM: Und 2:2 – ein Schrei geht durch die Restwelt. Was für ein Traumtor.
Glaubt man es? Ihr spielt übrigens gegen Aachen und Umgebung: Erst trifft
einer, der einst bei Fortuna Sittard nebenan in den Niederlanden kickte
undf jetzt einer von ehemals Viktoria Köln. …Uiii, und jetzt
Seniorenfußball: Messi, 39, scheitert abermals an Vozinha, 40.
JV: 111. Minute. Buenos Aires schreit noch lauter Gooooooool! 3:2.
BM: Die kommen ein drittes Mal zurück. Warte ab.
JV: Wenn der Abwehrspieler den Kopfball von Romero nicht mit der Hand
leicht abgefälscht hätte, dann wäre Vozinha da auch noch rangekommen.
BM: Zwei Riesenchancen Kapverden, die Worte fehlen. Und noch eine Chance.
JV: Abpfiff. Meine Güte, der Wahnsinn hat ein Ende. Argentinien gewinnt.
BM: Der deutsche Kommentator sagt: „Ein episches Fußballspiel.“ Nix zu
ergänzen.
## Australien–Ägypten 2:4 i. E. (1:1, 0:1)
Die 55. Minute läuft in Dallas, Australien hat einen Freistoß aus dem
linken Halbfeld. Aiden O'Neill tritt an und flankt den Ball in Strafraum,
wo zahlreiche Spieler hochspringen. Und dann jubeln die Australier. Tor!
Was man erst in der Zeitlupe richtig sieht: eingeköpft wurde der Ball von
Mohamed Hany, einem Ägypter. Lag das daran, dass er kurz zuvor nach einem
Zusammenstoß benommen am Boden lang? Jedenfalls ist dieser Moment
historisch, denn für Hany ist es bereits das zweite Eigentor im laufenden
Turnier. Das gab es bei einer WM noch nie. Schon gegen Belgien unterlief
Hany das 1:1.
Und wie gegen Belgien fallen danach keine weiteren Tore mehr, obwohl vor
allem die Ägypter noch einige Möglichkeiten haben. Doch entweder scheitern
sie an Torwart Patrick Beach oder Australiens Kapitän Harry Souttar hält
irgendein Körperteil in den Schuss. Also Elfmeterschießen. Übrigens ohne
Patrick Beach – Australien wechselt ihn in der 119. Minute aus und bringt
Mathew Ryan. Harry Souttar darf dann als allererster antreten und schießt
übers Tor. Mathew Ryan hält keinen einzigen Ball. Und Mohamed Hany? Muss
nicht schießen, weil Ägypten schon vorher gewonnen hat. (mbr)
## Schweiz–Algerien 2:0 (1:0)
Schweizer bis jetzt ungeschlagen, Algerier waren nur Gruppendritte, jedoch
punktgleich mit dem Gruppenzweiten. Die Schweizer kommen spritzig und
schnell und werden von Breel Embolo schon mit dem ersten Torschuss in
Führung gebracht. Schweiz ist aktiv und chancenreich, bei Algerien geht
vorne wenig. Bis zur Pause bleibt es beim 1:0. Dann, 46 Sekunden nach
Wiederanpfiff, klärt Algerien unsauber – für Dan Ndoye ist das dann
einfache Sache. 2:0 für die Schweiz, und die Algerier geraten so langsam in
Zugzwang. Jedoch bleiben die Schweizer aktiv, verteidigen gut, wandeln den
Druck des Gegners in eigene Chancen um und schießen beinahe noch das 3:0,
als Fabian Rieder das offene leere Tor verfehlt. Algerien gelingt kein
Punch mehr und ist jetzt draußen. Schweiz siegt am Ende hochverdient und
muss nun als nächstes im Achtelfinale gegen Kolumbien oder Ghana ran.
(Benjamin Ruwwe)
## Portugal–Kroatien 2:1 (0:0)
Ist das bitter für Kroatien – und für alle, die langsam echt keinen Bock
mehr auf Cristiano Ronaldo haben. Nachdem Portugal in der 90. Minute durch
Gonçalo Ramos das vermeintliche 2:1 machte und schon mit einem Bein im
Achtelfinale stand, schlug Kroatien in allerletzter Sekunde tatsächlich
noch zurück und rettete sich in die Verlängerung. Denkste. Videobeweis.
Abseits. Feierabend. Portugal weiter. Im Achtelfinale heißt es nun: Ronaldo
oder Cucurella. Egal, Hauptsache Spanien. (Rico Setz)
## Spanien–Österreich 3:0 (1:0)
Vielleicht gab es da am Anfang noch ein bisschen Mut und [3][Hoffnung bei
den Ösis], doch die waren schnell vorbei. Alle KI-Song-Träume vom Jahr 2026
als dem Jahr, in dem Österreich endlich Weltmeister wird, sind geplatzt.
Stattdessen, und wie zu erwarten, gibt es einen souveränen Sieg der
Spanier. La Roja bleibt weiter ohne einen einzigen Gegentreffer in dieser
WM. Einen neuen Publikumsliebling gibt es übrigens auch: Mikel Oyarzabal
von Real Sociedad (10. Platz in La Liga in der letzten Saison) macht zwei
der drei Treffer. Und bleibt entspannt. Weiter geht's. (Ruth Fuentes)
## USA–Bosnien-Herzegowina 2:0 (1:0)
Gastgeberland USA schlägt Bosnien-Herzegowina. Eine Rote Karte hat es auch
gegeben. Mehr weiß ich auch gerade nicht. Ich muss erstmal die
Zusammenfassung von Belgien gegen Senegal gucken. Klingt wesentlich
spannender. (ga)
## Belgien–Senegal 3:2 n.V. (2:2; 0:1)
In der 25. Minute eines WM-2026-Spiels fallen eigentlich keine Tore, auch
keine Vorentscheidungen. Denn eigentlich fällt die 25. Minute immer in die
von der Fifa für die Getränkeversorgung der Spieler und für die
Geldversorgung der Fernsehsender durch verkaufbare Werbeplätze verordnete
dreiminütige „Hydration Break“. Dieses Mal nicht, was nicht an den
vergleichsweise milden Temperaturen in Seattle lag.
Aber irgendwie gab es für Schiedsrichter Hector Said Martinez keine
Gelegenheit, vorher zur Hydration Break zu pfeifen, und dann erzielte doch
glatt Senegals Habib Diarra mit einem Abstauber nach einem vorangegangenen
Pfostentreffer in der 25 Minute das 1:0 für sein Team.
Die Hydration Break fand dann aber doch noch statt, keine Sorge. Lange Zeit
sah es auch so aus, als wäre dieses 1:0 spielentscheidend gewesen, der
Senegal führte verdient, hatte in der 51. Minute durch Ismaila Sarr noch
spektakulär zum 2:0 erhöht (unbedingt nochmal in der ARD-Mediathek
nachschauen, das Tor!). Bis Belgien in der 86. Minute durch Romelu Lukaku
und in der 89. Minute durch Youri Tielemans noch spät den Ausgleich
schaffte.
Was dann folgte, war die Verlängerung und das Ende dieses Textes, denn ich
musste dann ins Bett. Von wegen schlaflos in Seattle. War aber bestimmt
noch spannend! (mbr)
Klar. War superspannend. Belgien hat in der letzten Minute der
Nachspielzeit der Verlängerung noch das 3:2 erzielt. Per Elfmeter! Das weiß
der aufgeweckte Redakteur durch aufgeregte Nachrichten von einem Freund aus
Belgien. Muss ich auch unbedingt gleich mal [4][in der Mediathek]
nachschauen. (ga)
## England–Kongo 2:1 (0:1)
Wenn man England gegen hört, dann denkt man sich, dass die Engländer das
doch sicher in der Tasche haben. Doch im Gegenteil: die Kongolesen starten
gut und schocken die Engländer mit einem frühen Führungstreffer in der
siebten Minute durch Brian Cipenga. England hat Chancen und das nicht
wenige, aber kommen sie an Lionel Mpasi, dem Schlussmann aus Kongo nicht
vorbei, denn der hält einen Ball nach dem anderen.
So liegen die Löwen entgegen der Erwartungen zur Halbzeit 0:1 zurück. Und
daran ändert sich auch so schnell nix, denn es bleibt nach der Pause dabei
und England hat weiterhin Chance nach Chance aber kein Tor. Und dann, eine
Viertelstunde vor Ende klappt es: Harry Kane erlöst die Engländer mit einem
sauberen Kopfball. Jedoch ist Harry Kanes Magen noch nicht voll, er
verspürt ein großes Torhungergefühl und in der 86. Minute kann er es nicht
mehr aushalten, zimmert den Ball einfach auf das Tor – mit Erfolg, denn
erschrockene Kongolesen schauen nur dem Ball hinterher. 2:1. Und das ist es
dann auch.
Harry Kane rettet die Nation gegen starke Kongolesen. Ohne Kane wären die
Engländer vermutlich in ein paar Tagen bei ihren Liebsten zurück. (Benjamin
Ruwwe)
## Mexiko–Ecuador 2:0 (2:0)
In der 18. Minute tunnelt der ecuadorianische Stürmer John Yeboah einen
verblüfften mexikanischen Verteidiger und befördert den Ball elegant mit
dem Außenrist an den Außenpfosten. Es ist der fünfte Alutreffer für Ecuador
bei der WM. Pech. Hätte, könnte, wäre. Drei Minuten später nagelt Mexikos
Stürmer Alvarado Quiñones den Ball mit Wucht zum 1:0 in den Winkel. Da ist
das Spiel fast schon entschieden.
Es liegt aus ecuadorianischer Sicht kein Segen auf diesem Spiel. Erst neun
Stunden Anreise nach Mexiko-Stadt. In der Nacht lärmende mexikanische Fans
vor dem Hotel. Dann die mexikanische Elf, die 2026 in zwölf Spielen erst
zwei gegen Tore kassiert hat. Und 80.000 Fans im Aztekenstadion, die jede,
wirklich jede Ballberührung mit einem donnernden Pfeifkonzert quittieren.
Dass [5][Daniel Noboa], der trumpistische Präsident von Ecuador, [6][vor
zwei Jahren die mexikanische Botschaft in Quito stürmen ließ], um dort
einen geflüchteten Ex-Präsidenten zu verhaften, hat Ecuador in Mexiko nicht
gerade Sympathien eingebracht.
Ecuador ist die perfekte 0:0-Elf. Sie kultiviert eine moderne Form des
Catenaccio. Tür zu, Riegel davor, bestehend aus dem genialen Moisés Caicedo
und William Pacho. Doch für frischen Konterfussball ist Stürmer Enner
Valencia, 36 Jahre alt und ein Nationaldenkmal, zu langsam.
Nach einer halben Stunden tut Mexiko, was Ecuador will, aber nicht kann. Es
setzt einen tödlichen Konter. Ecuador presst, Mexiko erobert den Ball, Pass
auf Stürmer Raúl Jiménez, kein Abseits, weil der in der eigene Hälfte
startet und wie beim 1:0 den Ball ins Tor hämmert. Nüchtern, schnell,
effektiv. Der Spielzug dauert ein paar Sekunden, und ist auch für die
Maurermeister vom Äquator nicht zu verteidigen.
Halbzeit eins ist Spektakel, Halbzeit zwei Verwaltungskick, Ecuador kann
nicht, Mexiko muss nicht. Ecuador hat bei der WM nur zwei mal getroffen.
[7][Beide Mal lag der Ball im Tor von Manuel Neuer]. Noch eine bedenkliche
Bilanz.
Nach einer Stunde wird Enner Valencia ausgewechselt, zeitgleich mit
Gilberto Mora, der mit 17 noch nicht mal halb so alt ist. Mora hat das
Spiel manchmal eröffnet, mal außen mit Dribblings die Massen verzückt. Er
ist für Mexico, was Yamal für Spanien ist: ein Versprechen.
Mexiko hat seit acht Jahren kein Heimspiel mehr verloren. Im Achtelfinale
gegen England oder Kongo ist „El Tri“ im Aztekenstadion klarer Favorit.
Vielleicht nicht nur da. (sr)
## Frankreich–Schweden 3:0 (1:0)
Le train n'a pas de freins – dieser französische TGV kennt im Gegensatz zum
deutschen Modell offenbar wirklich keine Bremse. Zwar brauchten die
Franzosen eine Weile, um im Stadion von New Jersey auf Touren zu kommen,
doch mit Mbappés Treffer kurz vor der Pause war der Knoten geplatzt. Danach
rollte der Express: Mbappé legte nach dem Seitenwechsel noch einen nach und
jagt mit nun 18 Turniertoren den Messi-Rekord. Für Schweden war damit
endgültig Endstation. (Rico Setz)
## Elfenbeinküste–Norwegen 1:2 (0:1)
Norweger mit einem ausgeruhten Haaland im Gepäck treffen auf die Ivorer,
gegen die Deutschland „nur“ 2:1 gewann. So erwischen diese auch den
besseren Start und Norwegen tut sich dabei schwer. Antonio Nusa nutzt aber
dann doch kurz vor der Pause die Chance und schlenzt den Ball wunderschön
in den langen Winkel zum 1:0.
Die Ivorer, torhungrig aus den Katakomben stürmend, haben ihre (vielen)
Chancen, haben aber Probleme, diese in Tore umzuwandeln. Dann aber in der
74. Minute klappt es doch: wunderschönes Dribbling, Schuss und Tor von Amad
Diallo zum Ausgleich. Zehn Minuten später, kurz vor Schluss verliert
Haaland, wie so oft auch mal wieder, die Geduld und netzt zur Erleichterung
der skandinavischen Nation zum 2:1 ein.
So lautet dann auch der Endstand. Norweger im Achtelfinale, Ivorer, mit
einer starken, aber nicht ausreichenden Leistung in den USA, ausgeschieden.
(Benjamin Ruwwe)
## Niederlande–Marokko 2:3 n.E. (1:1, 0:0)
Die Sonne steht in Mitteleuropa schon hoch am Himmel, als Bono, der
marokkanische Torwart, beim Elfmeterschießen im mexikanischen Monterrey den
ersten Ball hält. Der Marokkaner Ismail Saibari, der in den Niederlanden
spielt, nutzt kurz darauf seine Chance und schießt sein Land ins Glück.
Zuvor hatten beide Mannschaften jeweils drei Elfer verschossen, den Ball
übers Tor oder an den Pfosten gesetzt, eine Rekordfehlerquote.
Niederlande gegen Marokko, das ist ein Spiel von besonderen Brisanz. Denn
Marokkaner bilden in den Niederlanden eine der größten Einwanderergruppen
und stehen dort traditionell im Zentrum von hässlichen
„Integrationsdebatten“, und im aktuellen Team von Marokko spielen insgesamt
drei Spieler, die in den Niederlanden geboren sind; das Verhältnis beider
Länder ist ungefähr so wie das zwischen Deutschland und der Türkei.
Das Duell der beiden Länder ist über weite Strecken von Kampf geprägt,
wobei die Marokkaner streckenweise geradezu Sturm auf das holländische Tor
laufen. Aber es sind dann die Niederlande, die in der 72. Minute in Führung
gehen, als Cody Gakpo einen kurios verstolperten Angriff von Summerville
vollendet und damit das Spiel auf den Kopf stellt. Denn die Niederländer
sorgen vor allem mit ihren fluoreszierenden Trikots für Glanz, nicht durch
ihr Spiel. In leuchtendem Orange sehen sie aus wie wandelnde
Neon-Leuchtstäbe auf einer Techno-Party – oder wie riesige Textmarker, die
Augenkrebs verursachen. Während man beim Zuschauen in einen dösigen
Dämmerschlaf fällt, setzen sie im Traum orangefarbene Ausrufezeichen.
Zum Glück gelingt Issa Diop in der 90. Minute, kurz vor Beinahe-Schluß,
noch der Ausgleich für Marokko, der Gerechtigkeit herstellt. Doch die
Verlängerung bringt keine Entscheidung. Den Rest erledigt der Fußballgott,
der sich für das Elfmeterschießen noch die besondere Pointe ausgedacht hat,
dass der holländische Torwart den Ball von Rahimi, den er zunächst pariert,
noch ins eigene Tor durchrutschen lässt.
Das Herkunftsland vieler niederländischer „Gastarbeiter“ in Nordafrika
triumphiert damit über das einstige Anwerbeland im Norden Europas. Marokko
trifft nun in der nächsten Runde in Houston, Texas auf den WM-Gastgeber
Kanada. (bax)
## Deutschland–Paraguay 3:4 n.E (1:1, 0:0)
Nach einer halben Stunde begannen die deutschen Fans „Schwarz-Rot-Gooold“
zu skandieren. Drei Worte, die sich dafür nur sehr bedingt eignen.
Vielleicht war den Fans angesichts des steinern ideenarmen Ballgeschiebes
der Deutschen einfach langweilig. Paraguay mauerte, die Deutschen hatten
den Ball, aber wussten nicht, was damit zu tun wäre. Ein Fall von Amnesie.
Kann man Kicken verlernen? Ist das nicht so wie Schwimmen oder Radfahren?
Man mochte an 2012 denken, als der glänzende FC Barcelona mit Messi bei
Celtic Glasgow 2:1 verlor, obwohl Barcelona fast 90 Prozent Ballbesitz
hatte. Celtic hatte den Ball nur beim Anstoß, beim Wegschlagen und halt bei
den beiden Toren. So ist es auch in Boston. Beim ersten Angriff Paraguays
schlägt gleich der Blitz ein. 0:1. Kimmich & Co wirken hilflos. Irgendwie
mitleiderregend unfähig, so etwas wie eine Chance zu kreieren. Man möchte
sie trösten. Oder schütteln. Immer abwechselnd.
Trainer Julian Nagelsmann flucht und schaut so aggro drein, als würde er am
liebsten den Nächstbesten verprügeln. Diese Mixtur von Ungeduld,
Herablassung und Glaskinn erinnert ein wenig an Friedrich Merz. Auch kein
gutes Zeichen.
In der zweiten Halbzeit steht die halbe Elf von Bayern München auf dem
Feld. Neuer, Tah, Pavlovic, Kimmich, Goretzka, Musiala. Bayern-Block. Das
machen deutsche Nationaltrainer oft wenn die Ratlosigkeit wächst. Aber
leider fehlen ja die Superstars von Bayern: Oliseh, Kane und Diaz.
Nach mehr als zwei Stunden jagt Jonathan Tah den Ball beim Elfmeterschießen
Richtung Dach des Gillette Stadium in Boston und beendet eine Legende. Dass
Deutschland bei Weltmeisterschaften Elfmeterschießen immer gewinnt. Es gibt
in Deutschland 2026 ein „Es geht bergab“ Grundrauschen. Das schmucklose,
schnelle WM-Aus passt in diese Gefühlslage.
Ein Trost bleibt. Der Sieger dieses Matches hat vermutlich nur das Recht
erkämpft, im Achtelfinale gegen Frankreich untergehen zu dürfen. (sr)
Einen ausführlichen Spielbericht lesen Sie [8][hier].
## Brasilien–Japan 2:1 (0:1)
Was für ein Timing! In der letzten Minute der Nachspielzeit setzt Gabriel
Martinelli den Ball so souverän in die Ecke des japanisches Tors, als wäre
er gerade beim Probetraining. Kurz darauf ist das Spiel zu Ende, und der
Favorit eine Runde weiter. Eine Punktlandung. Der Biergarten in
Berlin-Schöneberg, in dem sich viele Schlachtenbummler in
Deutschland-Trikots schon auf das nächste Spiel freuen, jubelt für
Brasilien.
Japan hat zwar aggressiv und bissig begonnen, wird aber sehr rasch in die
eigene Hälfte zurück gedrängt, stellt sich dort tief auf und wagt nur
vereinzelte Konter. Die aber sind gefährlich: In der 29. Minute fängt
Kaishu Sano einen brasilianischen Fehlpass ab, sprintet durchs Mittelfeld
und platziert einen präzisen Weitschuss ins Eck. Brasilien dominiert zwar
fast das gesamte Spiel über, aber die brasilianischen Spieler erwecken zu
oft den Eindruck, als wollten sie den Ball am liebsten ins Tor dribbeln:
ein altes Laster. Erst in der 56. Minute gelingt Casemiro per Kopf der
Ausgleich. Danach erhöht seine Mannschaft allmählich den Druck auf die
Japaner und schnürt sie immer enger in ihrem Strafraum ein, eine Art
Fußball-Bondage.
Das Brasilien-Trikot haben die meisten Geschäfte bei dieser WM gar nicht
vorrätig. Denn Brasilien ist diesmal kein Favorit, und die Mannschaft hat
auch keinen unangefochtenen Superstar mehr wie Ronaldo, Ronaldinho oder
zuletzt Neymar, der als prominenter Werbeträger während des Turniers von
allen Plakatwänden strahlt. Doch Trainer Ancelotti hat aus seinen Spielern
ein Team geformt, das nach Startschwierigkeiten gegen Marokko immer besser
ins Spiel gefunden und sich stetig gesteigert hat. Superstar Neymar darf
auf der Bank bleiben, er fungiert eher wie ein Glücksbringer als wie ein
Joker. Wer jetzt noch kein Brasilien-Trikot hat, sollte sich jetzt eines
zulegen, bevor sie vergriffen sind. (bax)
## Südafrika–Kanada 0:1 (0:0)
Lauter Beinahe-Tore! So lautet meine Zusammenfassung dieses ersten
Sechzehntelfinales der (vermute ich zumindest) Fußballgeschichte. Mal
drückte Co-Gastgeber Kanada, mal sah es aus, als dominiere 2010-Gastgeber
Südafrika. Aber wie man ein WM-Tor schießt, wussten beide nicht. Einer
musste jedoch letztlich weiterkommen, denn das Ding heißt ja nicht umsonst
K.o.-Runde, und folglich haute in der Nachspielzeit der Kanadier Stephen
Eustaquio den Ball volley ins südafrikanische Netz: 1:0. Ein
verdient-unverdienter Sieg (oder aus südafrikanischer Perspektive
formuliert: eine unverdient-verdiente Niederlage). Nun muss Kanada im
Achtelfinale gegen den Sieger aus Niederlande-Marokko beweisen, dass es
doch weiß, wie man Tore schießt. Ich glaub’ ja nicht dran. (makr)
## Algerien–Österreich 3:3 (1:1)
Als Riyad Mahrez in der dritten Minute der Nachspielzeit die Kugel zum 3:2
für Algerien versenkte, war allen, die es mit Österreich hielten, klar: Das
war's. Aus. Vorbei. 28 Jahre mussten die Österreicher auf eine WM-Teilnahme
warten – und dann knipste Algerien ihnen kurz vor dem Einzug in die
K.-o.-Phase die Lichter aus. Denkste. Denn was dann passierte, hatte alles,
was ein WM-Klassiker braucht. Die Nachspielzeit war eigentlich schon
abgelaufen, Österreich bekam ein letztes Mal den Ball nach vorne. Flanke.
Kopfball. Sasa Kalajdžić. 3:3. Österreich rettet sich in letzter Sekunde
auf Platz zwei der Gruppe und zieht tatsächlich ins Sechzehntelfinale ein.
Bist du denn deppert? (Rico Setz)
## Jordanien–Argentinien 1:3 (0:2)
Als die Partie im Stadion von Dallas pünktlich um 23 Uhr Ortszeit Buenos
Aires angepfiffen wurde, herrschten in der argentinischen Hauptstadt kühle
12,4 Grad. Da das Weiterkommen Argentiniens als Gruppenerster schon
feststand, und auch die Messi-Festspiele eine Pause einlegten, war Public
Viewing unter freiem Himmel keine Attraktion. Lionel Messi saß zur Schonung
für kommende Aufgaben auf der Bank, weshalb Giovani Lo Celso den Freistoß
in der 19. Minute und Lautaro Martínez den Elfmeter in der 31. Minute zur
0:2-Pausenführung verwandeln durften.
Jordanien kam verbessert aus der Kabine, hatte seine besten 15 Minuten und
Musa Al-Taamari gelang das wunderschön herausgespieltes 1:2. Zur Freude des
Publikums wurde Messi in der 60. Minute eingewechselt. In der 80. Minute
setzte Messi dann selbst einen tollen Freistoß zum 1:3 ins Netz. Fazit:
Argentinien kann Standards auch ohne Messi und Jordanien ist ausgeschieden.
Bemerkenswert: Da hat der [9][Präsident des argentinischen Fußballverbands
Claudio Tapia] wohl wieder ein Geschäftchen gemacht. Mit Baldo ist eine
brasilianische Yerba-Mate-Marke offizieller Sponsor der Albiceleste. In
Argentinien ist der Matetee aus heimischer Ernte fester Bestandteil der
alltäglichen Identität. Die muss bei dieser WM ohne argentinische
Yerba-Mate klarkommen. (jüvo)
## DR Kongo–Usbekistan 3:1 (0:1)
Nach 52 Jahren erstmals wieder bei einer WM und dann auch noch Favorit. DR
Kongo ist anfangs etwas überfordert mit dieser Rolle und muss in der
Halbzeitpause über einen unerwarteten Rückstand grübeln. Verpassen sie die
historische Chance, sich erstmals für die K.o-Runde zu qualifizieren? Ein
Elfmeter und ein unglücklich abgefälschter Ball helfen, die Partie zu
drehen und wieder zu eigenem Selbstvertrauen zu finden. Gegen England am
Mittwoch hat man nun wahrlich wieder gar nichts zu verlieren.
## Kolumbien–Portugal 0:0 (0:0)
Ach, rasant soll es zugegangen sein, bei dieser Partie in der Nacht? So
können Ergebnisse täuschen. Mein erster Eindruck war, dass beide Teams
bereits bei Anpfiff mit ihren voraussichtlichen Gegnern in der ersten
K.o.-Runde bereits zufrieden waren, also Kolumbien mit Ghana und Portugal
mit Kroatien. Aber irgendwie kann einem das eigentlich bei diesen Optionen
auch egal sein. Warum also nicht jeweils in die Offensive gehen. Angst
konnten sie ihren kommenden Gegnern allerdings nicht machen. (jok)
## Kroatien–Ghana 2:1 (1:0)
Kroaten starten mit drei Punkten, Ghanaer mit vier Punkten. Die
Anfangsphase verläuft plätschernd, bis der Kroate Petar Sučić die Lücke
zwischen den Beinen von Ghanaer Luckassen anzielt und zufällig auch noch
das Tor trifft. Danach gibt es einige aussichtsreiche Gelegenheiten auf
beiden Seiten, jedoch will der Ball nicht ins Netz – bis auf einmal der
Ex-Herthaner Derrick Luckassen in der 77. Minute den Ausgleich erzielt. Die
Kroaten, die nicht Dritter in der Gruppe werden wollen, schieben dann
nochmal alles vor. Mit Erfolg: Flanke, Kopfball und Tor von Nikola Vlašić
zum 2:1. Kroatien sichert sich einen soliden zweiten Gruppenplatz hinter
den englischen Löwen.
## Panama–England 0:2 (0:0)
Harry Kane hat geliefert. Mit seinem Treffer zieht der Bayern-Stürmer in
der ewigen WM-Torschützenliste Englands an Gary Lineker vorbei und steht
nun bei elf WM-Toren. Beeindruckend. Doch was bringt dem bescheidenen Kane
dieser Rekord, wenn er am Ende – genau wie Lineker – den WM-Pokal nicht ins
Mutterland des Fußballs bringt? Vielleicht schafft Kane es dann wenigstens
in eine Neuauflage von „Three Lions (80 Years of Hurt)“: „But I still see
that tackle by Moore, and when Kane scored, Bobby belting the ball, and
Nobby dancing.“ Zugegeben, das klingt längst nicht so eingängig wie das
Original. Dann doch lieber den WM-Titel. Die erste Hürde ist jedenfalls
geschafft.
## Ägypten–Iran 1:1 (1:1)
Was für ein Jubel. Das Spiel ist weit in der Nachspielzeit. Chaos vor dem
ägyptischen Tor. Der Torhüter irgendwo, wo er nicht sein sollte. Und der
Ball plötzlich im Tor. Shoja Khalilzadeh hatte geschossen. Jubel im Team
Iran. Der Schütze reißt sich das Trikot vom Leib und nimmt die fällige
gelbe Karte dankend an. Dann meldet sich der VAR. Abseits. Ein halber Schuh
war zu weit vorn. Ägypten war eh weiter. Und Iran? Mal sehen.
Beide Teams jedenfalls haben das soganannte Pride Match in Seattle ohne
erkennbare Schäden für die Seeelen der Spieler überstanden. Die Stadt hatte
zum Regenbogenfest geladen. Es sollte ein offizielles Fest der Vielfalt
werden. Dagegen hatten die Verbände aus Iran und Ägypten protestiert. Kein
Wunder, in beiden Ländern gibt es Gesetzte gegen Homosexualität. Und die
Fifa, die die WM so gerne als Fest der Vielfalt bezeichnet? Die sagte
plötzlich, das Spiel sei eine ganz gewöhnliche WM-Paarung. Am Ende waren
neben den Fahnen Irans und Ägyptens jede Menge Regenbogenfarben auf den
Rängen zu sehen. (arue)
Belgien–Neuseeland 5:1 (1:0)
41 Sekunden. Mehr Anlauf brauchte Romelu Lukaku nicht. Kaum auf dem Platz,
schraubte sich der 1,91 Meter große und 91 Kilogramm schwere Belgier im
Strafraum am höchsten, köpfte zum 4:1 ein und bugsierte die „Roten Teufel“
an die Gruppenspitze. Eigentlich nichts Neues – genau für solche Momente
hat Belgien schließlich seine persönliche Lebensversicherung. Das Kuriose:
Der Angreifer der SSC Neapel hatte verletzungsbedingt in dieser Saison bis
dahin gerade einmal 40 Minuten auf dem Platz gestanden. Von fehlendem
Rhythmus? Keine Spur. Seinen Torriecher hatte Belgiens Rekordtorschütze
offenbar einfach konserviert. (Rico Setz)
## Kap Verde–Saudi-Arabien 0:0 (0:0)
Cabo Verde, der Fußballzwerg, den eben noch niemand kannte und den jetzt
plötzlich alle lieben, gegen die Ölmacht Aramco (Staatsname Saudi-Arabien):
David gegen David – wer wird Zweiter und darf sich mit Goliath Argentinien
in der nächsten Runde messen? Spätestens als Spanien im Parallelspiel gegen
Urúguay führte, war klar: Hier in Houston wird es eine Sensation geben.
Die Saudis versuchten es mit fantasielosem Zeitlupenfußball. Cabo Verde:
leidenschaftliches Verteidigen, vor allem diverse dicke Konterchancen, ein
klares Chancenplus am Ende und dazu mit Pedro Leitao Brito, eine Art
Atlantik-Buddha, den coolsten Coach seit Erfindung des Trainerscheins. Und
Mama Vozinha, die beim Tribünenhüpfen jünger aussieht als ihr goalkeepender
Sohn Josimar José Évora Dias (40). Der konnte erneut beweisen, dass man –
anders als ein bekannter anderer – auch in diesem Alter souverän halten
kann.
Kap Verde bleibt die einzige Mannschaft bei diesem Turnier, die noch nie
ein WM-Spiel verloren hat. Sehr irre alles. Jetzt also in Miami
(ausgerechnet) gegen den Weltmeister, 4. Juli, 0 Uhr, high midnight. Die
Messis zittern. (müll)
Und noch einer: Kap Verde!!! Wow: Eines kleinsten Länder, das je an einer
Fußballweltmeisterschaft teilgenommen hat, schreibt weiter Geschichte. Mit
dem dritten Remis im dritten Gruppenspiel bleibt Kap Verde die einzige
Mannschaft auf der Welt, die bei einer WM noch nie ein Spiel verloren hat.
Wie schon den früheren Weltmeistern Spanien und Uruguay gelang es auch
Saudi-Arabien nicht, das Team um den 40-jährigen Torwart Vózinha zu
bezwingen. Mit dem zweiten 0:0 schaffte es Vózinha dabei abermals, ohne
Gegentor vom Platz zu gehen – etwas, wovon beispielsweise Deutschlands
Manuel Neuer nur träumen kann.
Als Tabellenzweiter hinter Spanien zieht Kap Verde damit in die K.o.-Runde
ein, wo nun im Sechzehntelfinale der amtierende Weltmeister Argentinien
wartet. Wieviele Paraden Vózinha wohl gegen Messi gelingen werden? Auf
jeden Fall ist jetzt alles möglich. Denn schließlich hat Italien bei der WM
1982 bewiesen, dass man mit drei Unentschieden und nur zwei geschossenen
Toren in der Vorrunde sogar Weltmeister werden kann. Dass es heutzutage
Italien nicht einmal zur WM geschafft hat, während Kap Verde immer noch
dabei ist, hätte sich damals allerdings niemand träumen lassen. (pab)
Uruguay–Spanien 0:1 (0:1)
Uruguay hätte eine Chance gehabt weiterzukommen. Dafür hätten sie
mitspielen müssen. Habe sie aber nicht. Spanien hatte auch keine Lust. Dass
der Europameuster dann dich gewonnen hat, dafür sorgte der Keper Uruguays
Fernando Muslera, der einen Schuss, der eigentlich ein Schüsschen war,
passieren ließ. Kleine Gemeinheit gefällig? Den hätte sogar Manuel Neuer
gehabt. Der Rest ist kaum einer Erwähnung wert. (arue)
## Frankreich–Norwegen 4:1 (3:1)
Ich sitze fünf Meter vom Bildschirm entfernt an einem Tisch auf einer
Pariser Terrasse und versuche, dem Gespräch mit einer Freundin zu folgen.
Eigentlich ist das Thema ziemlich ernst. Es geht um Rassismus und wie
dieser auch im Schulsystem „Buuuut!“ Plötzlich jubelt die gesamte Terrasse
und übertönt ihre Stimme. Frankreich hat gerade das vierte Tor erzielt. Als
der Schiedsrichter eine Minute später abpfeift, brandet Applaus auf. Schon
zur Halbzeit war das Spiel Frankreichs gegen Norwegen entschieden.
In ihrem Mbappé-Trikot reckt meine Freundin beide Arme hoch. Doch heute
Abend ist Ousmane Dembélé der Star des Spiels. „Der Mann meines Lebens“,
scherzt sie sogar. Bereits in der vierten Minute erzielte Dembélé den
Führungstreffer. Und dann zwei weitere – in der 20. und auch in der 32.
Minute. Der zwischenzeitliche Anschlusstreffer der Norweger änderte daran
nichts mehr. Das letzte Tor von Désiré Doué in der fünfminütigen
Nachspielzeit setzte den Schlusspunkt zum Sieg.
Auch bei den Paraden von Torwart Mike Maignan – vor allem, als er gleich zu
Beginn der zweiten Halbzeit einen Elfmeter hielt – sprangen einige Fans zu
„Allez!“ und „Bravo!“ von ihren Stühlen auf.
Mit den blau-weiß-roten Fahnen auf den Wangen und Retro-Trikots von
Frankreichs letzten WM-Titeln 2018 und 1998 stehen später die Fans auf die
Métro-Bahnsteig. Nach dem Erfolg gegen Norwegen beendet Frankreich die
Gruppenphase als Tabellenführer. In der Hitze der französischen Hauptstadt
fällt es schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren. Gerne träumt man in
Frankreichd von, dass „Les Bleus“ im Turnier noch viel weiter kommen. Wenn
das Sechzehntelfinale gegen Schweden am Dienstag die Euphorie nur nicht
abkühlt. (Gabrielle Meton)
## Senegal–Irak 5:0 (1:0)
Wieder so ein Spiel, das man sich leider nirgends anschauen kann, wenn man
kein Magenta hat. Dafür ist es DIE letzte Chance für Senegal, es überhaupt
noch irgendwie in die K.o.-Runde zu schaffen. Gönnen würde man es dem
Afrika-Cup-Gewinner, ja doch, jedenfalls. Doch selbst, wenn sie gegen Irak
gewinnen ist das Weiterkommen nicht sicher. 1:0 ploppt es schon vier
Minuten nach Anpfiff im unteren Eck der Frankreich-Norwegen-Übertragung
auf. Und dann plötzlich 2:0, 3:0, 4:0, 5:0. Es gab wohl auch eine rote
Karte für einen irakischen Spieler, sehe ich später, und die letzten beiden
Tore der Senegalesen waren traumhaft. Senegal kann also weiter hoffen. Ich
drücke die Daumen. (rlf)
## Türkei–USA 3:2 (2:1)
Die magische Zahl der Türkei bei dieser WM? Ganz klar: 65. So viele
Torschüsse brauchte es nämlich, bis das Team endlich aufs Zählbrett kam.
Nachdem sie sich gegen Paraguay und Australien mit satten 64 Versuchen die
Zähne ausgebissen hatten und das Aus bereits besiegelt war, platzte gegen
die bis dahin ungeschlagenen US-Boys der Knoten – mit Schuss Nummer 65. Und
weil Warten offenbar hungrig macht, legten die Türken direkt nach: Auch
Nummer 66 saß. Der letzte Treffer fiel schließlich mit Torschuss Nummer 73
und bescherte der Türkei doch noch den ersten WM-Sieg. Besser zu spät als
nie. (Rico Setz)
## Paraguay–Australien 0:0 (0:0)
Oh je! (jok)
## Japan–Schweden 1:1 (0:0)
Der Gewinner wird Vizegruppensieger. Schweden, nach einem 5:1 und 1:5
torlustig unterwegs bei dieser WM, Japan aber auch grundsolide. Beide
behaupten, gewinnen zu wollen. Zu sehen ist davon aber wenig. Und zu merken
ist auch für die Fans im Stadion, dass beiden ein Remis weiterhelfen würde.
Kaum Chancen und ein Hin und her, erst nach der Halbzeit, in der 56.
Minute, fällt das erste Tor durch Daizen Maeda dank eines vorangegangenen
schönen Kombination. Kurz darauf ballert der Skandinavier Anthony Elanga
dann mal einfach so auf den japanischen Kasten und erzielt dabei mit einem
traumhaften Schlenzer den Ausgleich. Die angespornten Schweden drücken dann
nochmal, es passiert jedoch nichts mehr. Japan ist nun auch so
Vizegruppensieger und Schweden kommt selbst als Dritter weiter. (Benjamin
Ruwwe)
## Tunesien–Niederlande 1:3 (0:2)
Die Fairnessdebatte bleibt der Fifa erst einmal erspart. Stundenlang war
das Wetter Hauptthema, die Behörden warnten vor extremem Unwetter mit
Überschwemmungen. Während im völlig unmaßgeblichen Berlin bei übertriebener
Sonne geschwitzt wird, zeigen Bilder auf Social Media in Kansas City eine
Fanmeile unter völlig dunklem Himmel, mit strömendem Regen und Blitzen im
Hintergrund, die dann auch schon um 14 Uhr Ortszeit gesperrt wird. Bis klar
ist, dass das Match überhaupt und dann auch noch zeitgleich mit dem anderen
Gruppenspiel beginnen kann, gilt vor Ort: Warten in der Sintflut. Zum Glück
auch für die Verantwortlichen klappt’s dann doch, die Niederländer haben
also keinen Vorteil gegenüber den Japanern, die im Parallelspiel gegen
Schweden ebenfalls noch auf den Gruppensieg hoffen. Spätestens ab dem
Eigentor des Ex-Kölner Ellyes Shkiri im tunesischen Trikot in der 3. Minute
spielt die Elftal mit Tijjani Reijnders als unermüdlichem Antreiber das
Spiel aber souverän runter und verteidigt Platz 1. Nach der schon nicht
einfachsten Gruppe F wartet nun im Sechzehntelfinale am 29. mit Marokko ein
echter Kracher – wieder in einer Hurricane-Zone, nämlich in Monterrey. (bw)
## Curacao–Elfenbeinküste 0:2 (0:1)
Schwierig das Spiel überhaupt zu schauen, es spielt ja schließlich
zeitgleich auch Deutschland. Heißt: der Späti gegenüber zeigt auch nur das
Deutschlandspiel. Magenta-Zugang habe ich nicht, bleibt mir also nur der
Kicker-Liveticker. 1:0 steht es direkt nach dem ersten Schuss der Ivorer
aufs Tor. In der zweiten Halbzeit fällt auch noch das 2:0. Beide Tore macht
Nicolas Pépé. Und bald steht fest, dass „die blaue Welle“ Curaçao wieder
nach Hause fahren muss. Die erste WM des Inselstaats ist vorbei und sie
haben sich wacker geschlagen. Auch bei ihrem vorerst letztem WM-Spiel gegen
die Elefanten, sehe ich dann später bei der Kurzzusammenfassung. Da gab es
einige gefährliche Torchancen, vor allem für Tahith Chong. Leider geht
keine rein. Schade. Dafür ist die Côte d'Ivoire weiter. Und das auch noch
punktgleich mit Deutschland. (rlf)
## Ecuador–Deutschland 2:1 (1:1)
Mein Motto dieser WM: Gewinnen sollen die, die sich am schönsten und
lautesten freuen. Und deswegen war bei diesem Spiel schnell klar, wer es
für sich entscheiden sollte.
Kurz sah es nicht gut aus – als Sané nach nicht mal 120 Sekunden
Deutschland mit einem Treffer in Führung schickte. Fair war das nicht. Aber
zum Glück machte die Mannschaft danach einen Fehler nach dem anderen – und
nicht mal Superstar Deniz Undav konnte etwas reißen. Als in der 19. Minute
Nilson Angulos den Ausgleich schoß, war die Freude so groß, dass die Fans
vielleicht für den bislang lautesten Moment der WM sorgten. In der zweiten
Halbzeit setze Gonzalo Plata gleich nochmal einen drauf – und das Publikum
auch.
Unvorstellbar, wie laut es würde, wenn Ecuador die WM für sich entscheiden
würde. Ich drücke ihnen die Daumen. Doch für die Bewertung dieses Spiels
reichen die Worte des Torschützen Plata: „Es war ein wunderbares Spiel und
ein wunderschönes Erlebnis.“ (cas)
## Tschechien–Mexiko 0:3 (0:0)
Nach der Türkei scheidet mit Tschechien erneut ein europäisches Team aus,
das nicht konkurrenzfähig ist. Wer sich das Turnier übersichtlicher
wünscht, sollte vielleicht einmal über die Reduzierung europäischer
Starterplätze nachdenken. Mexiko hatte keine Probleme sich für das
Sechzehntelfinale ein weiteres Heimspiel im Aztekenstadion zu sichern.
Gegen den Sparringspartner aus Tschechien konnte sich Trainer Javier
aguirre auch erlauben, seiner Torhüterlegende Guillermo Ochoa ein Geschenk
zu machen. Er wechselte den 40-Jährigen in der 78. Minute ein und so kann
in den Rekordbüchern nun festgehalten werden, dass er bereits bei seiner
sechsten Weltmeisterschaft das Tor hütete. Freilich wurde er nach der
Partie von seinem Teamkollegen deshalb durch die Luft geworfen. Der Sieg
gegen Tschechien war da schon längst nebensächlich. (jok)
## Südafrika–Südkorea 1:0 (1:0)
Die Generalprobe ging daneben. Der für die kommenden schwülen Nächte
aufgestellte Ventilator nervte nur, zu laut, trockene Augen, unruhiger
Schlaf. Hmmm. 5.27 Uhr? Gute Zeit für einen müden Blick in die App – und
zack, wach! Südafrika schlägt Südkorea? What? Die Zusammenfassung bei den
Öffis zeigt, wie die Nr. 12, Thapelo Maseko, absolut sehenswert den Ball
annimmt, den schon knienden Unglückswurm Jens Castrop (Borussia
Mönchengladbach!) tunnelt und trifft. Krass. Südkorea schafft nur 3 Punkte
in der Gruppenphase und muss zum Weiterkommen auf viele schlechtere
Gruppendritte hoffen. Aber Bafana Bafana ist zum ersten Mal überhaupt in
einer KO-Runde. Ab jetzt wird einfach nachts gar nicht mehr geschlafen. In
welcher Kiste steckt eigentlich die Vuvuzela? (bw)
## Marokko–Haiti 4:2 (2:2)
Eines der Spiele, bei denen man sich nachträglich wünscht, man würde aus
einer anderen Zeitzone zuschauen. Haiti hat eigentlich nichts mehr zu
gewinnen (bzw. zu verlieren) und Marokko möchte den Gruppensieg. Den
schafft das nordafrikanische Team am Ende nicht, aber trotzdem: was für ein
Spiel. Haiti verabschiedet sich mit einem Knall und führt große Teile der
ersten Halbzeit sogar. Wilson Isidor haut das 2:1 für Haiti mit einer
Präzision und Wucht aus über 20 Meter in Netz – ein Traum. Zur Pause
überkommt mich der Schlaf, deswegen gibt's die zweite Halbzeit nur in der
Zusammenfassung beim Frühstück. Die war wohl auch sehr sehenswert. Ach ja,
und am Ende hat Marokko noch zwei Tore gemacht und doch gewonnen. (rlf)
## Schottland–Brasilien 0:3 (0:1)
Das konnte ja nicht gut ausgehen. Die Fifa hatte den Schotten verboten, in
Kilts anzutreten, weil Röcke „unmännlich“ seien. Deshalb haben sie sich ein
ums andere Mal in den ungewohnten Turnhosen verheddert. Darüber hinaus
musste der Torwart seinen Dudelsack, mit dem er den brasilianischen
Stürmern Furcht einflößen wollte, in der Kabine zurücklassen. Dabei heißt
das Instrument nicht umsonst „War Pipes“, es hat den Schotten in der
Schlacht von Bannockburn gute Dienste erwiesen, als sie auf den Tag genau
vor 712 Jahren unter Führung von Robert Bruce einen entscheidenden Sieg
gegen ein erheblich größeres englisches Heer errangen.
Wenigstens konnte die „Tartan Army“, wie die Fans der Fußballmannschaft
genannt werden, in den USA in voller Montur antreten. In Boston und nun
auch in Miami schlug ihnen eine Welle der Zuneigung entgegen, obwohl die
Einheimischen schon morgens um sechs von ohrenbetäubenden Dudelsackklängen
geweckt wurden. Der schottische Tourismusverband erwartet, dass es
demnächst einen Ansturm von US-Touristen geben wird, die das Land erkunden
wollen, aus dem diese seltsamen Menschen stammen.
Vor zwei Jahren hat das ja auch geklappt. Bei der Europameisterschaft in
Deutschland wurden die Schotten zu den besten Fans gewählt, und prompt
verdoppelte sich die Zahl der deutschen Schottland-Besucher. Bei der Frage,
aus welchem Land man gerne einen engen Freund hätte, landete Schottland
damals auf Platz zwei. Solange dieser Freund seinen Dudelsack im Koffer
lässt. (Ralf Sotscheck)
## Bosnien-Herzegowina–Katar 3:1 (2:1)
Edin Dzeko stapfte in der 63. Minute stinksauer vom Platz, pfeffert die
Wasserflasche auf den Rasen, lieferte ich einen Schlagabtausch mit seinem
Trainer Sergej Barbarez. Er wollte nicht verstehen, warum er ausgewechselt
wurde. Keine 20 Minuten später erlebte er, wie der für ihn eingewechselte
Mahmic das entscheidende Tor (3:1) zum Sieg der Bosnier schoss, die nun
darauf hoffen können, als beste Dritte im Turnier zu bleiben. Die
emotionalen Reaktionen und Tränen der bosnischen Spieler nach dem Abpfiff
und die tausenden Fans im megalomanen Stadion von Seattle, die das
traurigschöne Lied „Ljiljani“ der bosnischen Chansonlegende Halida Bešlić
sangen, versöhnten mit dem recht ideenlosen Spiel des Teams. (akr)
## Schweiz–Kanada 2:1 (0:0)
Die erste Halbzeit war geprägt von einem sehr schönen Fest auf der
taz-Dachterrasse, bei dem wir Kolleg*innen uns selbst bei Pizza und Bier
für 50.000 freiwillige Teilnehmer*innen am „taz zahl ich“-Programm
beglückwünschten. Gut, dass auch der WM-Ticker der Fernsehanstalten im
Nachhinein in den ersten 45 Minuten keine wirklichen Highlights bei diesem
Spiel um den Gruppensieg in der Gruppe B verzeichnen konnten, bei dem es um
das Recht ging, auch in der nächsten Runde im kanadischen Vancouver bleiben
zu dürfen.
Pünktlich zum Wiederanpfiff, der Autor sitzt im Uber mit einem überaus
sportinteressierten aus dem Irak stammenden Fahrer, fällt das 1:0 für die
Schweiz, gut 10 Minuten später, wir diskutieren über seine Überzeugung,
dass Frankreich spätestens im Achtelfinale rausfliegt, fällt das 2:0. Der
Schweizer Star Johan Manzambi ist an beiden Toren beteiligt, am zweiten als
Schütze. Irritierend: das vollkommen rot gekleidete Stadion – weil halt
beide Mannschaften eigentlich rot tragen. Nochmal 20 Minuten später trifft
auch die aufdrehende kanadische Mannschaft, aber das Aufbäumen kommt zu
spät. Kanada spielt die nächste Runde in den USA, die Schweizer bleiben in
Kanada. (pkt)
## Kolumbien–Kongo 1:0 (0:0)
Mpasi. Mpasi. Mpasi. Immer wieder scheitern die überlegenen Kolumbianer an
Kongos Torwart Lionel Mpasi. Ob mit Fernschüssen, Kopfbällen oder aus der
kurzen Distanz. Mpasi wehrt alles ab. Nur einmal titscht er so an den Ball,
dass der doch ins Netz fliegt. Aber da entscheidet der Schiri auf Abseits.
Das geht so bis zur 76. Minute. Da fällt ein Kolumbianer an der
Strafraumkante. Aber bevor es lange Diussionen gibt, ob das nun eine
Schwalbe war oder nicht, nimmt Munos den Ball und schlenzt ihn an Mpasi
vorbei. 1:0. Dabei bleibt es.
Für die Kolumbianer ist es der erhoffte Sieg, der sie nicht nur vorzeitig
für die K.O.-Runde qualifiziert, [10][sondern im Land nach der
Präsidentschaftswahl für die benötigte thematische Abwechslung sorgt].
Kongo kann sich bei einem Sieg im dritten Gruppenspiel gegen Usbekistan
noch auf das Weiterkommen hoffen. (ga)
## Panama–Kroatien 0:1 (0:0)
Beide Teams punktlos, wer verliert ist raus. So etwas möchte natürlich ein
gewisser [11][Luka Modrić] in seinem 200. Länderspiel gar nicht erleben,
aber Außenseiter Panama wiederum hat nichts zu verlieren und spielt auch
so. Sie drücken nach vorne und geben eine Sondertrainingsstunde für
Kroatiens Torwart Livaković. Chance nach Chance, Kroatien mehr Ballbesitz,
Panama gefährlicher. Und doch trifft in der 54. Minute der Kroate Ante
Budimir zum 1:0 und Panama ist nun in die Enge getrieben. Von dort suchen
sie verzweifelt nach einem Ausweg, doch Kroatiens Keeper hat sich in eine
Krake verwandelt. Die Kroaten feiern ihr Weiterkommen, die Panamaer
betrauern ihren WM-Abschied. (Benjamin Ruwwe)
## England–Ghana 0:0 (0:0)
Gedanken, die kommen, während auf dem Spielfeld keine Highlights zu sehen
sind. Warum, sinniere ich, geht eigentlich das Gros der hiesigen
fußballerischen Schlaumeier davon aus, dass England in diesem Spiel
favorisiert war, Ghana hingegen Außenseiter? Warum, fragen sich bei der ARD
Tom Bartels und Bastian Schweinsteiger, warum macht England nicht mehr?
Herrje. Zehn der elf Spieler in Ghanas Startelf spielen in europäischen
Proficlubs; auch [12][Manchester City] ist dabei. Warum also kommt England
nicht zu torgefährlichen Szenen? Weil Ghanas Spieler wissen (und dieses
Wissen auch fußballerisch anwenden), wie man gegen die Three Lions spielt.
[13][Harry Kane] nicht zum Schuss kommen zu lassen, das ist beispielsweise
so ein Mittel. Tja, so mache ich mir halt Gedanken, weil es doch an
spielerischen Momenten sehr mangelt. (makr)
## Portugal–Usbekistan 5:0 (3:0)
Portugal ist zurück. Nein, [14][Cristiano Ronaldo] ist zurück.
Nach dem enttäuschenden 1:1 zum Turnierauftakt gegen die DR Kongo fegten
die Portugiesen – ach was, fegte Ronaldo – über die Auswahl aus Usbekistan
hinweg. 5:0 stand am Ende auf der Anzeigetafel. Und wer bis dahin immer
noch nicht verstanden hatte, worum es an diesem Abend eigentlich ging,
bekam die Botschaft von Ronaldo höchstpersönlich in die laufende TV-Kamera
serviert: „I am back.“
Er kann es einfach nicht lassen, dieses riesige Ego hintenanzustellen. Nach
dem Führungstreffer zum 1:0 jubelte er zunächst pflichtbewusst mit der
gesamten Mannschaft. Schließlich waren die Portugiesen, insbesondere
Ronaldo, nach dem schwachen Auftakt ordentlich in die Kritik geraten. Doch
kaum war der Teamjubel erledigt, musste der Superstar selbstverständlich
noch einmal allein die Bühne betreten und seinen Jubel dem gesamten Stadion
präsentieren. Beim zweiten Treffer zum 3:0 sparte er sich den Umweg über
das Fußvolk dann direkt. Warum auch Zeit verlieren?
Und als Krönung folgte nach Abpfiff die maximale Portion Selbstdarstellung.
Eine völlig normale Reaktion für einen 41-jährigen Mann mit gesundem
Selbstwertgefühl, der damit der ganzen Welt zeigte: Der Stachel über
[15][Lionel Messis neu aufgestellten WM-Torrekord] sitzt offenbar ziemlich
tief. (Rico Setz)
## Jordanien–Algerien 1:2 (1:0)
Für Europäer, die sich für den Nabel der Fußballwelt halten, ist dieses
WM-Spiel eine Zumutung. Für Jordanien, die bereits beim Auftakt Österreich
nicht gut aussehen haben lassen, wäre es beinahe ein besonderes Kapitel in
der Fußballgeschichte gewesen. Der Führungstreffer durch Niza Al-Rashdan in
der ersten Halbzeit kommt zwar slapstickartig zustande, aber bekanntlich
zählt nur das Ergebnis und das lautet lange Zeit 1:0. Algerien kann dann in
der zweiten Hälfte doch das Spiel wenden und die Blamage abwenden. (jok)
## Norwegen–Senegal 3:2 (1:0)
Die Norweger mit ihrem Ausnahmespieler Erling Haaland treffen auf die
Senegalesen mit ihrem Ausnahmespieler Sadio Mané. Zunächst passiert
erstaunlich wenig, bis in der 43. Minute endlich der Norweger Marcus
Pedersen mit seinem Treffer das wegschlummernde Publikum aufwecken kann.
Nach der Pause geht es so richtig los. Haaland will sowieso nicht
zurückstehen und trifft zum 2:0 in der 48. Spielminute. Ab da geht es im
5-Minuten-Takt: in der 53. Minute verkürzt der Senegalese Ismaila Sarr zum
1:2, Haaland trifft zum 3:1 in der 58. Minute. Nach einer torlosen Etappe
trifft dann der Senegalese Sarr in der 93. erneut, nun aber zum Endstand.
Die Nordeuropäer, glücklich und gut bedient, gewinnen mit einem Tor Abstand
und müssen so gewiss erst einmal keine Flugtickets nach Hause buchen.
(Benjamin Ruwwe)
## Frankreich–Irak 3:0 (1:0)
Das sollte nun wirklich endgültig genug Trinkpause gewesen sein. Knapp zwei
Stunden mussten die beiden Mannschaften nach dem Halbzeitpfiff in der
Kabine auf den Wiederanpfiff warten. Grund dafür war ein Unwetter in der
Umgebung des Stadions in Philadelphia.
Als hätte der Fußballgott endlich einmal von seiner Macht Gebrauch gemacht
und sämtliche Trink- und Werbepausen des gesamten Turniers auf einen Schlag
abgearbeitet. Doch dabei hatte er die Rechnung ohne seinen selbsternannten
Stellvertreter auf Erden, Gianni Infantino, gemacht. Der roch sofort die
Werbeeinnahmen, die sich mit einer verlängerten Halbzeitpause generieren
lassen. Ab der Weltmeisterschaft 2030 dauert die Halbzeitpause deshalb eine
halbe Stunde – das habt ihr nun davon. Und die Trinkpausen gibt es
natürlich trotzdem weiterhin. (Rico Setz)
Argentinien–Österreich 2:0 (1:0)
Die Messi-Festspiele gehen weiter: Die argentinischen Fans machten die
Partie im Stadion von Dallas zu einem Heimspiel ihrer Albiceleste. Dass
Lionel Messi in der 7. Minute einen Foul-Elfmeter neben den Pfosten schoss,
verursachte dennoch einen Knacks, von dem sich Messi und seine zehn
Mitspieler bis zur 32. Minute nicht wirklich erholten. Die Österreicher
nutzten die Lähmungsphase der Argentinier nicht, drängten nach vorne,
blieben im Sechszehner aber harmlos. Und dann war es wieder Messi, der in
der 38. Minute eine schöne Kombination mit einem satten Schuss zur
1:0-Pausenführung abschloss. In der zweiten Hälfte blieb Österreich weiter
harmlos und Argentinien gefährlich. In der Nachspielzeit war es wieder
Messi, der mit dem 2:0 den Schlusspunkt setzte. Argentinien ist vorzeitig
für das Sechzehntelfinale qualifiziert und Messi mit 18 WM-Toren alleiniger
Rekordschütze.
Bemerkenswert: In Argentinien [16][macht die KI] selbst vor der Ikone Diego
Maradona nicht halt. In den Trinkpausen wirbt sein KI-generierter Avatar
für einen Wettanbieter mit Worten wie „Si el mundo quiere venir a cortarnos
las piernas… – Wenn die Welt uns die Beine amputieren will…“. Mit dieser
Metapher hatte der echte Maradona seinen Ausschluss von der WM 94 wegen
Dopings kommentiert, um jetzt KI-generiert doppeldeutig nachzulegen „…le
vamos a demostrar que acá se juega con pelotas – …dann werden wir ihr
zeigen, dass hier mit Bällen/Eiern gespielt wird.“ (jüvo)
## Ägypten–Neuseeland 3:1 (0:1)
Die Pharaonen gegen die Kiwis also. Mumifizierte Könige gegen komische
Vögel. Was wären die Ticker der Sportportale nur ohne die Spitznamen der
Teams. Ein Pharao aus dem Team wird in der modernen Fußballsprache gerne
mal Vintage-Stürmer genannt. Jener [17][Mo Salah, der schon als sehr junger
Mann so alt ausgesehen hat, wie er heute ist (34)], bereitete den Ausgleich
zum 1:1 für Ägypten vor und schoss das 2:1 höchstselbst. Er ist mit drei
Toren nun der WM-Rekordschütze der Ägypter. Ach, was wäre so eine WM nur
ohne Rekorde! (arue)
## Uruguay – Kap Verde 2:2 (2:1)
Auch vor seinem zweiten Spiel war Uruguay gewarnt: [18][Die Mannschaft aus
Kap Verde] hatte dem WM-Favoriten Spanien zum Auftakt ein 0:0 abgerungen.
Dass aber das Team von der Inselgruppe vor der Nordwestküste Afrikas in der
21. Minute in Führung ging, überraschte dann doch: Kevin Pina setzte einen
direkten Freistoß durch die löchrige Mauer ins Tor. Es dauerte bis zur 44.
Minute, bis die Uruguayer die 5-4-1-Formation der Kapverdier knackten. Maxi
Araujo markierte den Ausgleich, und in der 5. Minute der Nachspielzeit
drehte Agustin Canobbio mit dem 2:1 noch vor der Pause das Spiel. Pfiff.
Halbzeit im Hard Rock Stadium in Miami.
Wiederanpfiff. Uruguay setzte nach, wollte den dritten Treffer und die
Entscheidung, als in der 61. Minute plötzlich Uruguays Keeper Fernando
Muslera 25 Meter vor seinem Kasten auftauchte, um vergeblich einen Fehlpass
seines Mitspielers Mathias Olivera zu korrigieren. Diesen erwischte Helio
Varela, der den Ball aus 18 Metern elegant zum Ausgleich ins leere Tor
schlenzte.
Es begann ein spannendes Hin und Her mit Chancen auf beiden Seiten, bis der
Schlusspfiff die nächste Überraschung dieser WM besiegelte. Und während die
Kapverdier zum großen Jubeln schlicht zu platt waren, waren die Gesichter
der Südamerikaner so lang wie der [19][Río Uruguay].
Bemerkenswert: Uruguays Trainer Marcelo Bielsa will kein Model sein. Beim
offiziellen FIFA-Fotoshooting für die WM schaute der 70-Jährige
demonstrativ nicht in die Kameralinse, sondern auf seine Fußspitzen. Darauf
nach dem Auftakt-Unentschieden gegen Saudi-Arabien angesprochen, konterte
er: „Ich bin kein Model.“ (jüvo)
## Belgien–Iran 0:0 (0:0)
Moment des Spiels war gleich der Beginn vor dem Großbildschirm im
Restaurant meines Campingplatzes „Au Vieux Moulin“ im belgischen
Sippenaeken nahe Aachen. Kaum drei Dutzend Menschen sind zusammengekommen.
Früher waren hier immer überall Rote Teufel, groß und klein, jung und alt,
eine karnevalistische Campingcommunity, locker 150 Leute.
Die beiden Halbzeiten füllten die Zeit zwischen Public Saufing und
Disco-Gewummer vor und nach dem Spiel, auch in der Halbzeitpause: Fußball?
Interessiert hier nur am Rande. Immerhin sind manche heute nur angetrunken.
Erstmals wurde die belgische Generation Geheimfavorit (weiter dabei [20][de
Bruyne], Meunier, Witsel, Tielemans, Courtois, Sturmkoloss [21][Lukaku])
vor dem Turnier nirgends als Geheimfavorit genannt. hilft bislang auch
nicht. Gegen den Iran kontrolliert überlegen zwar, aber merkwürdig
emotionsarm wie das stets zerknitterte Gesicht ihres Altstars Kevin de
Bruyne.
Die vorne wie hinten massiv kopfballstarken und giftharten
[22][Regimebüttel des Iran] hatten früh fast geführt, aber
Arschbackenabseits. 2. Halbzeit: notbremsenrot für Belgiens Nathan Ngoy,
danach wollte niemand mehr das Nulnull gefährden. 2 Stunden Ödnis. Beide
sind mit zwei Punkten noch im Turnier, bereit für weitere mühsame
Auftritte. (müll)
## Spanien–Saudi-Arabien 4:0 (3:0)
Endlich. Natürlich schießt Lamine Yamal das erste Tor für Spanien bei
dieser WM. Und danach ist das Spiel eigentlich auch schon entschieden. Oder
wie der Kommentator richtig meint: „Spanien spielt, als wären sie bei einem
Trainingsspiel gegen Stangen.“ Es zieht sich alles trotzdem noch etwa 80
Minuten. Die Spanier schießen zwei weitere Tore und die Saudis eins – ein
Eigentor. Spanien erspart sich wohl die Blamage als Favorit schon in der
Vorrunde auszuscheiden. Hätte auch 10:0 enden können. (rurelf)
Tunesien–Japan 0:4 (0:2)
Das 1.000. Spiel in der Geschichte von Fußball-Weltmeiserschaften –
[23][Tunesien] gegen Japan – war sicherlich ein Feuerwerk der Emotionen,
mit raffinierten Fouls, grandiosen Trinkpausen und pfiffigen
Abseitsstellungen. Allein, in der ARD lief am Sonntagmorgen „Dahoam is
Dahoam“, im ZDF „[24][Wickie und die starken Männer]“ und das Spiel nur in
diesem zu boykottierenden Abofallenlivestream.
Eigentlich schade. Schließlich waren Teile des Boulevards ganz narrisch auf
die Partie im mexikanischen Monterrey, weil sich die Ehrenpräsidentin des
Ikebana-Verbands [25][Ikebana] International, die japanische Prinzessin
Hisako von Takamado, als Besucherin angekündigt hatte. Für zusätzliche
Vorfreude sorgte ein als profunde Quelle weltweiten Ballwissens geschätzter
Kommentator im Freundeskreis, der schon mit Blick auf das vorangegangene
Spiel Tunesien gegen Schweden geurteilt hatte: „Die Tunesier stellen sich
richtig dämlich an.“ Und dass schon ein Unentschieden gegen die
„laufstarken und disziplinierten“ Japaner eine Riesenüberraschung sei.
Die Überraschung fällt aus. Tunesien verliert gegen Japan mit 0:4 und ist
damit ausgeschieden, das Ikebana-Prinzessinnen-Team dagegen eine Runde
weiter. Dem verschriftlichten Liveticker des ZDF darf zwar entnommen
werden, dass das 1.000 Spiel der WM-Geschichte zwischendrin mal mehr und
dann wieder weniger ereignisreich war. Wir behaupten trotzdem ungesehen,
dass es irre spannend gewesen sein könnte. (rru)
## Ecuador–Curaçao 0:0 (0:0)
Ach guck! Nach einem Blick in die Fußball-App meines Vertrauens am frühen
Morgen weiß ich, dass Deutschland nun als Gruppensieger schon vor dem
letzten Spiel feststeht. Und das Spiel selbst? Keine Ahnung. Halb so
schlimm, oder? Es war dies der erste Punkt für [26][Curaçao] in der
WM-Geschichte. Schön. Aber auch irgendwie egal. Und jetzt erstmal ein
Kaffee. (arue)
## Deutschland–Cote d'Ivoire 2:1 (0:1)
Erst erhebt der Kommentator seine Stimme, dann jubeln die Gäste vor der
Bar, schließlich hupt ein Auto. Irgendwer zündet fünf Böller. Offenbar hat
das deutsche Team nun doch noch ein Tor geschossen.
Ich mag Fußball sehr gerne. Deshalb schaue ich bei dieser WM kein einziges
Spiel. Boykott, wegen der Ticketpreise, Werbepausen und dieses peinlichen
Friedenspreises für den US-Präsidenten. Wie das Deutschlandspiel läuft,
bekomme ich trotzdem mit. Die Bar zwei Ecken weiter hat ordentliche
Lautsprecher und ein emotional involviertes Publikum.
Wenige Minuten nach Anpfiff gibts vermutlich die erste Chance, auf jeden
Fall die ersten Schreie. „Ja! Nein! Oh mein Gott!“ Es ist sehr schwer,
nicht den Stream zu öffnen und nach der Szene zu suchen. Kurz nach der
Halbzeit: etwas Klatschen vor der Bar, zu wenig für ein Tor. Vielleicht hat
der alte Neuer einen gehalten. Oder steht Baumann im Kasten?Zweimal keimt
Jubel auf und stirbt plötzlich. Es läuft nicht so gut [27][wie letzte
Woche]. Erzielt Cote d'Ivoire einen Überraschungserfolg? Doch dann jubelt
das Publikum vor der Bar. Es ist fast Mitternacht, ein paar Männer
skandieren: „Deutschland! Deutschland!“ Einer ruft: „Deniz Undav, hab ichs
gesagt?“ Kurz danach kommt die Eilmeldung, [28][Deutschland gewinnt gegen
Cote d'Ivoire]. (dmn)
## Niederlande–Schweden 5:1 (2:0)
Was ein Spektakel! Und endlich Kandidaten für die nächste
Lieblingsmannschaft bei dieser WM. 5:1 gewinnt die Niederlande gegen
Schweden. Ein Doppelpack von Brian Brobbey noch vor der ersten
Trinkunterbrechung, ein zweiter von Cody Gakpo gleich nach der
Halbzeitpause, und nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer durch
Anthony Elanga macht Crysencio Summerville den Schlussstand perfekt. Jeder
einzelne Treffer absolut sehenswert, die Torhüter immer machtlos. Aber die
bloße Aufzählung gibt den Spielverlauf kaum wieder. Denn der war viel
bunter, viel spannender, unterhaltsamer und auch hochklassiger – die ganze
Anlage offen mit viel Raum für ideenreiche Spielzüge, Flankenläufe, Doppel-
und Dreifachpässe (und natürlich auch für Patzer).
20 Minuten dominierte die Elftal, dann wurde Schweden für den Rest der
ersten Hälfte das stärkere Team, und auch in der zweiten ging es munter hin
und her. Wobei es schon irgendwann so aussah, als könnten die Niederländer
jederzeit wieder die Kontrolle übernehmen, wenn sie denn wollten. Trotzdem
20 Torschüsse der Blaugelben gegen 12 der Elftal, die aber einfach brutal
effektiv war – und mit Bart Verbruggen einen an diesem Abend überragenden
Torhüter hatten. Zurück zur Frage der Lieblingsmannschaft: Die Niederlande
machte einfach Spaß, mit den feinfüßigen Veteranen Frenkie de Jong und
Virgil van Dijk, auch mit Denzel Dumfries, der sich hinten manchmal Ärger
einfing, dafür vorn mit Assists glänzte. Dazu die starken Torschützen.
Aber allein schon aus Empathiegründen kommen auch die Schweden in Frage,
die ihren 5:1-Einstand im ersten Spiel gegen Tunesien egalisiert bekamen,
und trotzdem bis zur letzten Minute voll – und immer fair – mit
ablieferten. Hängen bleiben hier Yasin Alari und vor allem der flinke und
verspielte Elanga. Sie alle möchte man gern weiter sehen. Und noch besteht
die Chance, dass dieser Wunsch erfüllt wird. (bw)
## Türkei–Paraguay 0:1 (0:1)
Wer Fußball verstehen will – und das gilt bei dieser WM – muss die Regeln
drauf haben. Umso schwieger, dass die sich dauernd ändern. Gleich drei neue
Regeln prägten das Spiel Türkei gegen Paraguay.
Regel 1: In der Türkei war Rudelgucken verboten. Kurz vor dem Spiel am
führen Samstagmorgen mussten auf Anweisung von Innenminister Mustafa Çiftçi
(AKP) landesweit alle geplanten Fußball-Übertragungen auf
Großbildleinwänden abgesagt werden. So sollen Lärm und mögliche
Verkehrsprobleme minimiert werden, um die Kandidaten für die landesweite
Hochschulzugangsprüfung YKS (Yükseköğretim Kurumları Sınavı) nicht zu
beeinträchtigen. Wahrscheinlich hatte die türkische Regierung so eine
Vorahnung. Oder Angst vor ausuferndem Unmut. Oder beides.
Regel 2: Wer beim Fußball quatscht, darf sich nicht mehr die Hand vor den
Mund halten – damit man die Lippen lesen kann. Sonst gibt es Rot! Grund für
die neue Regel ist die Verhinderung von Rassismus unter Spielern. Das
musste der Paraguyaner Miguel Almirón kurz vor dem Pausenpiff erfahren. Er
flog vom Platz, weil er bei einem Streit im Pulk die Hand vorm Mund hatte.
Merke: beim Gähnen ist das höflich. Beim Fußball nicht. Die zweite Hälfte
war die Türkei damit in Überzahl. Geholfen hat es ihr aber nicht.
Regel 3: In der Vorrundentabelle zählt diesmal bei Punktegleichstand nicht
wie bei der WM 2022 das Torverhältnis, sondern der direkte Vergleich unter
der punktgleichen Mannschaften. Das ist richtig dumm für die Türkei. Die
rannte zwar bis zum Abpfiff auf das paraguayishe Tor zu. Kriegt den Ball
aber nicht rein. Nun steht sie auf Platz 4 der Gruppe D und wird da auch
bleiben. Zwar könnte sie durch einen Sieg gegen Gastgeber USA noch auf 3
Punkte kommen. Aber das sie gegen Paraguay und Australien verloren haben,
die daher beide schon 3 Punkte haben, kommt die Türkei an denen nicht mehr
vorbei. Heißt: Die Türkei ist draußen nach nur zwei Spielen.
Regel 4: Ist eigentlich keine Regel. Aber frühe Tore sind bei dieser WM
gern mal spielentscheidend. Auch hier fiel das einzige Tor – wie bei
Schottland gegen Marokko – schon in der 2. Minute. (ga)
## Brasilien–Haiti 3:0 (0:0)
Matheus Cunha darf dieses Mal von Anfang an spielen und trifft gleich
doppelt. Mann des Spiels ist aber Vinicius Junior, der beide Treffer
traumhaft schön vorbereitet und dann auch noch selbst trifft. Traumhaft
muss es für Vinicius Junior auch gewesen sein, wie viel Platz ihm Haiti
jeweils lässt. Nicht nur ich muss mir vorwerfen lassen, während des Spiels
geschlafen zu haben. Haiti verdöst die erste Halbzeit, dann fallen keine
Tore mehr. (jok)
## Schottland–Marokko 0:1 (0:1)
Bin in München, Geburtstagsfest. Viel Wein. Im Hotel wohnt eine schottische
Rugby-Mannschaft, die Spieler sind alle identisch mit bunten Hemden und
bunteren Hüten gekleidet. Alle hatten weit mehr Alkohol als ich. Einer hat
in den Fahrstuhl gekotzt. Morgen früh soll er auf dem Platz stehen. Das
Schottland-Spiel wird nur im Pay TV übertragen, gibt es im Hotel nicht.
Nach zwei Minuten geht Marokko offenbar in Führung. Zeit, schlafen zu
gehen. Sorry. (Ralf Sotscheck)
## USA–Australien 2:0 (2:0)
Ein schöner Fußball ist es nicht, den das Team der USA bislang spielt, aber
er tut seinen Zweck. Nach zwei Spielen (und Siegen) ist das
Sechzehntelfinale schon sicher und die Fans hoffen auf ein summer
fairytale. Auch in Seattle gegen Australien half dabei ein frühes Eigentor,
diesmal von dem unglücklichen Cameron Burgess, der noch kurz zuvor einen
ähnlich vielversprechenden Angriff der Gastgeber mit breiter Brust auf der
Torlinie gestoppt hatte.
Danach schnürten die US-Amerikaner die Australier mit vor allem
körperlichen Spiel immer enger ein, standen ihnen quasi auf den Füßen. Noch
vor der Pause macht Alex Freeman das 2:0 – mit demselben Kopf, mit dem er
fünf Minuten vorher gehirnerschütterungsverdächtig mit dem Australier Paul
Okon zusammengeknallt war.
In der zweiten Hälfte kamen die Socceroos dann etwas besser ins Spiel,
blieben aber harmlos. Gegen Ende wurde nur noch geholzt. Sieben gelbe
Karten, fast gerecht verteilt, sprechen für sich.
Die Momente des Spiels hatten mit dem eigentlichen Match nicht so viel zu
tun: In der ersten Trinkpause fängt die Kamera mal nicht die Spieler ein,
sondern das Publikum, das die Unterbrechung nutzt, um sich in Massen mit
noch größeren Massen von Chicken Wings zu versorgen – die hydration break
ist also nicht nur für die Werbung, die sich dort platzieren lässt. Und in
der Nachspielzeit sitzt plötzlich der bislang unaufgeregt pfeifende
deutsche Schiedsrichter Felix Zwayer auf dem Rasen und kommt nicht mehr
hoch, ein Krampf, er muss behandelt und mit Elektrolyte versorgt werden.
Notiz für die Autorin: Beim nächsten Spiel schauen, ob auch die Schiris die
Trinkpause nutzen. (bw)
## Mexiko–Südkorea 1:0 (0:0)
Ein halbwegs ordentliches Fußballspiel abliefern und wenn man sieht, dass
die Gastgeber einfach nicht in der Lage sind, ein Tor zu erzielen, dann
schenkt man ihnen eben eins – höflicher kann man sich einem Gastgeber
gegenüber nicht benehmen. Seung-Gyu Kim, der Torhüter Südkoreas, wollte
jedenfalls einen Flankenball von Julián Quiñones in der 50. Minute nicht
festhalten, um Luis Romo die Möglichkeit zu geben, den Ball ins Tor zu
schießen. So kann Mexiko Weltmeister werden, anders wohl eher nicht. (arue)
## Kanada–Katar 6:0 (3:0)
Mein ganz persönlicher Spielmoment war ein falscher Augenblick. Denn ich
war noch nicht ganz wach, als ich am frühen Morgen vermeintlich las, das
Spiel sei torlos, null zu null, geendet. Ach, dachte ich mir, nix verpasst,
und las mir die Spielzusammenfassung durch, die ich im Halbschlaf nicht
kapierte: lauter Tore wurden aufgelistet, ja, sogar der Begriff
„rauschendes Fußballfest“ fiel. Erst sehr langsam dämmerte mir: Du hast was
verpasst, dieses 6:0 des aktuellen WM-Co-Gastgebers über den
Vorgänger-Gastgeber guckst du dir sehr bald an, zumindest sämtliche sechs
Tore plus die zwei Roten Karten. (mak)
Schweiz–Bosnien-Herzegowina 4:1 (0:0)
70 Minuten Langeweile, zwei Trinkpausen, mehrere Bosnier und zwei Schweizer
werden eingewechselt, kurz darauf fallen drei Tore. Das schönste schießt
ein Bosnier, die anderen beiden machen die Schweizer. Kurz vor Schluss gibt
es noch eine rote Karte und einen Elfmeter gegen Bosnien zum Endstand von
4:1. Der Star der Schweizer ist ein 20-Jähriger (Johan Manzambi). In
Bosnien holte man beim Stand von 2:0 die Landesfahne wieder rein, die man
vor dem Spiel stolz hat aus dem Fenster hängen lassen und diskutiert
seitdem, ob es fürs internationale Renomée besser gewesen wäre, man hätte
den Italiener im Playoff gewinnen lassen. Der Italiener hätte auch nicht
schlechter performt, aber als Bosnier hätte immer sagen können: Das hätten
wir auch hingekriegt. (dakr)
## Tschechien–Südafrika 1:1 (1:0)
Fußball zum Wegschauen! Welch erbärmliche Partie! Der schönste Moment:
Eindeutig der Abpfiff von Schiedsrichterin Tori Penso. Als erst zweite Frau
überhaupt (nach Stephanie Frappart) „durfte“ sie ein Spiel bei einer
Männer-WM pfeifen. Die US-Amerikanerin wurde von den Linienienrichterinnen
und Landsfrauen Brooke Mayo und Kathryn Nesbitt unterstützt. Im Unterschied
zu den Fußballern hatten die drei keinerlei Probleme mit der Partie. (jok)
## Ghana–Panama 1:0 (0:0)
Wie gut Ghana war in diesem Spiel? Vielleicht veranschaulicht das eine
Szene aus der 45. Minute ganz gut. Ghanas vermeintlich Bester, Antoine
Semenyo von Manchester City, holt sich am Mttelkreis den Ball, schaut,
sieht und bedient den Kollegen Ernest Nuamah auf rechts. Der sieht Marvin
Senaya an der Strafraumgrenze und spielt ihm den Ball zu. Senayewartet
nicht lange und schießt – 18 Meter am Tor vorbei. Es war dererste Torschuss
Ghanas im Spiel. Dass das muntere Team aus Panama am Ende durch ein Tor von
Caleb Yirenkyi in der Nachspielzeit mit 0:1 verloren hat, kann nur mit
einem schlechten Tag des Fußballgottes erklärt werden. Oh wie arm ist
Panama! (arue)
Usbekistan–Kolumbien 1:3 (0:1)
Lang ist nix mit Elegancia tropical bei den Kolumbianern. Was für eine
Schinderei. 2.200 Meter Höhe plus Luftverschmutzung macht Atemnot und
schwere Beine, [29][hatte der kolumbianische Ex-Nationalspieler Franky
Oviedo gewarnt.] Der hatte mehrere Jahre im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt
gespielt.
Kolumbien geht früh in Führung, flinker sind anfangs aber die Usbeken.
Abbosbek Fayzullayev köpfelt den noch verpennten Kolumbianern ein diskretes
Gegentor rein. Er feiert mit einem Luftküsschen, wie herzig!
Dann trifft der wohl außergewöhnlichste kolumbianische Fußballer Luchito
Díaz, der bereits den ersten Treffer vorbereitet hatte, zur erneuten
Führung. Fast noch außergewöhnlicher ist allerdings das Tor in der
hoffnungslos überzogenen Nachspielzeit (90+9 Minute). Ist das Slapstick
oder Fußball? Cucho Hernández dribbelt rechts am Spielfeldrand herum, wird
zu Fall gebracht, ein Usbeke rollte sich über ihn ab, Hernandez dreht sich
unten raus, hinterher, auf allen Vieren, auf zwei Beinen, luchst ihm den
Ball ab, ob wohl der ihn am Po und Trikot festhält, läuft sich frei,
schießt einmal ewig quer hinüber – und Jáminton Campaz köpft ihn rein.
Goooooooooooooooooooool! (Katharina Wojczenko)
## England–Kroatien 4:2 (2:2)
In der 10. Minute steht der englische Torjäger Harry Kane alleine vor dem
kroatischen Tor. Elf Meter vor ihm ein schmächtiger junger Mann in grellem
textmarkerpink. Der englische Elfmeterkönig lässt sich mächtig Zeit,
tänzelt an, setzt vor dem Anschuss ab, trickst und schießt. In die Arme von
Dominik Livakovic, dem kroatischen Torwart. Doch der Schiedsrichter fordert
den Videobeweis, befielt wegen eines Fehlers von Livakovic die Wiederholung
des Elfmeters, die Kane erfolgreich nutzt: 1:0.
Ungefähr so ging es dann noch fast 90 Minuten weiter, das bisher
unterhaltsamste, fußallerisch stärkste, abwechslungsreichste Spiel dieser
WM. Und immer wieder im Zentrum: das Männchen in grellem textmarkerpink.
Das Ergebnis von 4:2 bestätigt am Ende die coole Dominanz der Engländer.
(dakr)
Portugal–DR Kongo 1:1 (1:1)
„Vierter… der höchste Platz, auf den Christiano Ronaldo es je bei einer
Weltmeisterschaft gebracht hat.“
„Portugal mit ihrer Speerspitze Christiano Ronaldo.“
„Der X-Faktor Portugals.“
Da ich das Spiel [30][Christiano Ronaldo] gegen die Demokratische Republik
Kongo mit Freund:innen schaue, die sich heute lieber über das
Festivalwochenende unterhalten wollen, kriege ich vom Spielkommentar nur
Bruchstücke mit. Die meisten davon beinhalten verschiedene Wege, Ronaldo zu
erwähnen.
„Christiano Ronaldo tritt zu wenig in Erscheinung.“ Auch, was er nicht
macht, nimmt viel Raum ein.
Die Dominanz im ZDF-Kommentar heißt aber nicht Dominanz auf dem Platz, auch
nicht von seinen portugiesischen Nebendarstellern. (arei)
## Österreich – Jordanien 3:1 (1:0)
Der Moment des Spiels war nicht das kalte Licht um 5.40 Uhr, und nicht der
leichte Regen in Wien. Ganz Österreich war wach, früh auf den Beinen, und
riss die Arme hoch, während das eher endblöde Torlied [31][„Maria (I Like
It Loud)“ von Scooter] im Nachgang des fulminanten Schusses von Romano
Schmid zum 1:0 abgespielt wurde. Da hat es Deutschland besser. Der Moment
des Spiels war auch nicht der ebenso sehenswerter Treffer zum Ausgleich für
Jordanien, und zum Glück für alle war auch der Moment, als der Ball den
Oberarm von Stefan Posch streichelte und somit den erneuten Führungstreffer
durch Marco Arnautovic irregulär machte, nicht der Moment des Spiels. Der
Moment des Spiels war der Rücken eines Jordaniers, als sich besagter
Arnautovic wieder in einen Eckball warf: 2:1. Dazu noch ein Elfer in der
Nachspielzeit zum Endstand. Ein irgendwie deutsch wirkender Sieg, aber
wurscht, Österreich ist da, immer wieder, immer wieder Österreich! (rh)
## Argentinien–Algerien 3:0 (1:0)
Im Arrowhead Stadium von Kansas City startete Argentinien das ‚Unternehmen
Titelverteidigung‘. Die bange Frage der Fans vor dem Spiel war: Steht
[32][Lionel Messi] in der Startelf? Dann die Erleichterung. Beim Anpfiff
stand Messi am Anstoßkreis. Mit ihm liefen sechs Spieler auf, die bereits
im erfolgreichen WM-Finale 2022 in Katar auf dem Platz gestanden hatten.
Wer jedoch glaubte, der 38-jährige Kapitän der Albiceleste hätte vielleicht
besser auf eine weitere WM verzichtet, wurde eindrucksvoll eines Besseren
belehrt. Bei seinem Treffer in der 5. Minute stand Messi noch im Abseits.
In der 17. Minute nagelte er den Ball blitzsauber zur 1:0-Führung in den
Winkel. Auch nach der Pause gingen die Messi-Festspiele weiter. In der 60.
Minute staubte er nach einem Abpraller ab. In der 76. Minute schnürte er
mit einem feinen Schuss den Dreierpack. Wenig später ließ er sich
auswechseln.
Der Gegner? Algerien spielte gut mit, brachte jedoch während der gesamten
Partie keinen einzigen „Shot on Target“ zustande – keinen Schuss aufs Tor.
Dagegen ist Argentinien überzeugend ins ‚Unternehmen Titelverteidigung‘
gestartet. Bemerkenswert: Laut einer Umfrage würden 44,2 Prozent der
Argentinier*innen eine erfolgreiche Titelverteidigung einer
Verbesserung der wirtschaftlichen Lage vorziehen. 48,8 Prozent wären
dagegen bereit, für eine bessere wirtschaftliche Entwicklung ein schwaches
Abschneiden ihres Teams in Kauf zu nehmen. Die übrigen 6,9 Prozent haben
dazu keine Meinung. (jüvo)
## Irak–Norwegen 1:4 (1:2)
Statistisch interessant: das erste Aufeinandertreffen beider Mannschaften
überhaupt, für beide die erste WM seit Jahrzehnten (40 beziehungsweise 28
Jahre). Erste WM folglich auch für Ex-Dortmunder (na, gut, längst Man City)
[33][Erling Haaland], für den sich (nicht nur im Vorfeld) der Boulevard
(wieviel und welche Werbeauftritte) und die Sportmedien (wechselt er nach
dem Turnier?) am meisten interessierten.
Das Spiel: überraschend ausgeglichen, überraschend munter. Haaland braucht,
um sich warm zu schießen, wie seine gymnastischen Übungen zwischendurch zu
betonen scheinen. Es läuft dann aber am Ende [34][wie erwartet für
Norwegen], auch weil der irakische Keeper nicht so richtig bei der Sache
ist und [35][Irak] noch ein Eigentor drauflegt. Verdient, aber zu hoch.
(bw)
## Frankreich–Senegal 3:1 (0:0)
Man hätte es Senegal doch wirklich gegönnt, gegen die ehemalige
Kolonialmacht zu gewinnen. Deren Pfostentreffer bleibt das Spannendste in
der ersten Halbzeit. Dafür wird die zweite umso schneller und krasser: fast
ein Elfmeter für Mbappé, wenig später: Tor von Mbappé. Dann: Tor für
Senegal, selbst die Franzosen im Späti-Publikum jubeln. Doch es war
Abseits. Die Hoffnung auf ein Unentschieden stirbt mit dem 2:0. Oder doch
nicht? Fünfte Nachspielzeitminute: Tor für Senegal. Keine Minute später
Mbappés Rache: ein Traumtor aus der Distanz. 90 +10. Minute: fast macht
Senegal doch noch das 3:2. Fast. (rlf)
## Saudi-Arabien–Uruguay 1:1 (1:0)
Uruguay war gewarnt: Bei der WM in Katar hatte Saudi-Arabien sein
Auftaktspiel gegen den späteren Weltmeister Argentinien gewonnen. Anpfiff.
Schnell wird deutlich, beide spielen ohne Risiko und mit einer
4:4:2-Formation. Langsames Passspiel dominiert und ist vielleicht auch den
32 Grad und der hohen Luftfeuchtigkeit im Hard Rock Stadium in Miami
geschuldet. Uruguay versucht, mit langen Bällen hinter die Abwehrreihen der
Saudis zu kommen.
Doch es dauert eine halbe Stunde, bis der saudische Keeper Mohammed
Al-Owais mit seiner ersten Parade eine Kopfballchance abwehren muss. Davon
aufgewacht, machen die Saudis jetzt Druck. In der 38. Minute kann Torhüter
Fernando Muslera einen Schuss von Abdulelah Al-Amri noch abwehren. Aber in
der 41. Minute kann er einen feinen Kopfball nach einer Ecke nur nach vorne
abklatschen. Al-Amri sprintet heran und bugsiert den Ball zum 1:0 für
Saudi-Arabien ins Tor. Pfiff. Halbzeitpause. Wiederanpfiff. Uruguay macht
jetzt Druck, spielt schneller, eine Flanke nach der anderen segelt in den
saudischen Strafraum.
Gespielt wird nur noch auf ein Tor, doch erst in der 80. Minute gelingt
Maxi Araujo der Ausgleich. Uruguay drückt weiter, die Saudis verteidigen
kompakt, und Al-Owais hält mit guten Paraden seinen Kasten bis zum Abpfiff
sauber. Saudi-Arabiens Trainer Georgios Donis kann mit dem Unentschieden
hochzufrieden sein. Der Grieche hatte die Nationalmannschaft erst vor
weniger als zwei Monaten übernommen. Uruguays Trainer Marcelo Bielsa hatte
sicher mehr erwartet. Für den Argentinier ist es die dritte
Weltmeisterschaft, bei der er eine Nationalmannschaft betreut.
Bemerkenswert: Bielsa ist einer von sechs argentinischen Trainern bei
dieser WM. In Katar waren es drei. (Jürgen Vogt)
## Iran–Neuseeland 2:2 (1:1)
Wer von politischen Implikationen nichts wusste oder nichts wissen wollte,
konnte in der Partie zwischen Iran und Neuseeland einfach das vermutlich
lebendigste Fußballspiel unter den vier Unentschieden des Spieltags sehen.
Beide Mannschaften drängten stets nach vorne, anfangs oft mit so langen
Bällen, dass das Mittelfeld glatt übersprungen wurde. Das frühe erste Tor
für Neuseeland in der 7. Minute belebte von Beginn an, und der von
Kommentatoren oft erwähnte riesige Abstand beider Teams in der
Weltrangliste war kaum zu sehen.
Gleiches galt für die Proteste, die es sowohl im als auch außerhalb des
Stadions wohl gab: Die Fifa hatte für die gesamte WM alle außer den
jeweiligen offiziellen Nationalflaggen verboten – trotzdem hatten sich
offenbar etliche Fans die alte persische Fahne auf T-Shirts gedruckt. In
den Bildern der TV-Übertragung tauchte davon allerdings nichts auf,
lediglich Pfiffe während der iranischen Nationalhymne waren ein bisschen zu
hören. Kann der Fußball das seltsame Rahmenabkommen zum Frieden
unterstützen, über dessen Einzelheiten die Welt noch immer rätselt? Nee,
kann er nicht. Bleibt alles seltsam, auf dem Platz wie in der Straße von
Hormus. (pkt)
## Belgien-Ägypten 1:1 (1:1)
Es macht schon ganz schön wehmütig. Aber nach diesem Spiel muss Belgien
dann doch nicht nur von der Liste der ewigen Geheimfavoriten, sondern auch
von der der Lieblingsmannschaften gestrichen werden: lange Zeit
hundslangweiliger Stehfußball oder hektisches Herumgestochere im Strafraum.
Ball halten, aber ohne Sinn. Kevin De Bruyne irgendwie da, aber auch nicht.
Thibaut Courtois im Tor genauso. Statt der früheren besonderen Fairness
hilflose Ruppigkeit. Und bei Ägypten?
Nicht besser, außer dass Emam Ashour früh das 1:0 schießt – dafür
fabriziert er später eine Menge Nichtchancen und den vorbeiesten Torschuss
mindestens dieser WM. Auch Geburtstagskind Mo Salah bekommt seine Leute
nicht mehr nach vorne, sinnbildlich, wie er beim Konter nach hinten
abdrehen muss, weil niemand mitgekommen ist. Nebenbei Tee trinken, endlich
mal Zeitung lesen, ein paar Zeichnungen kritzeln, Sudoku lösen – geht
alles.
Und dann kommt in der 66. Romelu Lukaku, deutlich gewichtiger geworden,
aber mit „Aura“. Das Ausgleichstor muss er nicht mal selbst schießen, nur
neben Mohamed Hany aufs Tor zurutschen. Und schon macht der den Ball rein.
Endlich ist es vorbei. Und Christina Graf, die bis dahin angenehm kundig
kommentiert hat, sagt völlig überraschend, sie habe ein gutes Spiel
gesehen. Im Studio lösen Schweini und Esther Sedlaczek auf: Graf habe wohl
die Stimmung im Stadion gemeint. Ah ja. (bw)
## Spanien–Kap Verde 0:0 (0:0)
Das war eine über lange Strecken grauenhaft anzusehende Sensation. Spanien
hat den Ball und kann damit nichts anfangen. Sie verlieren den Ball, holen
ihn wieder und wissen damit immer noch nichts anzustellen. Die paar wenigen
Torschüsse – nur von Spanien, Kap Verde müsste ja erstmal den Ball haben,
um selbst schießen zu können – fängt Kap Verdes großartiger Torwart ab. So
geht das immer weiter, bis zur 70. Minute. Spanien kann kein Tor schießen,
Kap Verde versucht es gar nicht erst. Dann kommt Spaniens Jungstar Lamine
Yamal aufs Feld.
Der bringt immerhin ein paar leidlich gefährliche Situationen zustande,
aber jetzt schnuppert Kap Verde schon viel zu sehr an der für unmöglich
gehaltenen Chance, gegen Turnierfavoriten Spanien einen Punkt zu holen.
Verteidigung ist das neue Toreschießen, yeah! Wenn das für US-Zuschauer das
erste Fußballspiel ist, was sie sich anschauen, sind sie nach den ersten 70
Minuten für den Sport verloren. So wie Europäer für den Baseballsport, wenn
ein Pitcher keinen einzigen Run zulässt. Für alle anderen: Kap Verde,
feiert!!!! (pkt)
## Schweden–Tunesien 5:1 (2:1)
Huch, was war das los. „Doppelpack Ayari“ lese ich in der Fußball-App
meines Vertrauens, als ich in der Früh die nächtlichen Ergebnisse checke.
Aber 5:1? Und ich dachte, Gott ist tot. (arue)
## Côte d’Ivoire–Ecuador 1:0 (0:0)
Es war dieser eine Moment in der 90. Minute, als Amad Diallo einen Pass von
rechts mit links direkt abnahm und flach, präzise und unhaltbar das Spiel
entschied. Nach dieser 90. Minute passierte zwar 10 Minuten lang noch
ziemlich viel (vgl. Scheiß-Nachspielzeit), aber in den 90 Minuten zuvor war
es auf dem Platz in Philadelphia ja auch schon hoch hergegangen. Im Stadion
hatte Ecuador dominiert, auf dem Platz meistens: nicht zuletzt mit drei
Latten- oder Pfostentreffern; auf der Tribüne: fast ausschließlich.
Letzteres ist der aktuellen US-Regierung zu verdanken, [36][die keine
ivorischen Fans ins Land lässt]. Dass sich das aber als Nachteil für das
Team von Côte d'Ivoires Trainer Emerse Faé erweisen sollte (vgl.
Deutschland-Spiel), war – zumindest auf den Fernsehbildern – nicht zu
erkennen. Spielerisches Fazit: viel krachendes Aluminium. Buchhalterisches
Fazit: 1:0. (mak)
## Niederlande–Japan 2:2 (0:0)
Daichi Kamada wird diesen Moment gewiss nicht so schnell vergessen. Kurz
vor dem Abpfiff wird er vom eingewechselten Mitspieler Koko Ogawa so
wuchtig angeköpft, dass der Ball von seinem Scheitel doch noch ins
gegnerische Tor zum Ausgleich fällt. Die Fifa spricht ihm den Treffer zu.
Es ist das kuriose Ende einer ansehnlichen zweiten Halbzeit. Beide Teams
haben gezeigt, wie gut sie Fußball spielen können. Getroffen hat dann nicht
derjenige, der es am meisten gewollt hat. Kamada konnte einfach nicht
anders. Macht nichts! (jok)
## Deutschland – Curaçao 7:1 (3:1)
Kein Wort las ich im Vorfeld dieses Spiels häufiger als „Pflichtsieg“.
Pflichtsieg für Deutschland – ist doch klar. Woher diese Arroganz? Wir
reden hier über dieselbe Nation, die sowohl in Katar als auch in Russland
in der Vorrunde ausgeschieden ist. Man kann davon ausgehen, dass in fast
jeder Gruppe Platz 1 bis 3 weiterkommen wird. Grund genug, sofort zum
glühenden Underdog-Ultra zu werden, zum Curaçao-Advokat. Und der
curaçaoanische Ausgleich in der 21. erweckte in mir klar den Eindruck:
[37][Curaçao ist nicht hierhergekommen], um sich von Vornherein in die von
vielen deutschen Medien gegebene Rolle des Steigbügelhalters für den
deutschen Sieg zu fügen. Kommentator Tom Bartels findet trotzdem,
Deutschland solle sich hiernach sofort auf die „wichtigen Gegner“
konzentrieren.
Nach Toren von sechs verschiedenen Torschützen (immerhin bisschen
ungewöhnlich) gewinnt Deutschland trotzdem klar (und natürlich irgendwo
erwartbar). Der Takeaway nach so viel deutscher Arroganz sollte, wie ich
finde, trotzdem nicht sein, dass Deutschland gewonnen hat. Der Takeaway
sollte sein, dass das belächelte Curaçao 90 Minuten konzentriert gespielt,
immer wieder effektiv verteidigt und den Deutschen nicht von Vornherein den
Sieg geschenkt hat. Hat Bartels gerade gesagt, dass Curaçao mit diesem
Spiel auf die Landkarte gekommen ist??? Ah, auf die WM-Landkarte. Gut, das
ist ziemlich akkurat. Ich rudere zurück. (arue)
Einen ausführlichen Spielbericht lesen Sie [38][hier].
## Australien – Türkei 2:0 (1:0)
Ups, damit war nun wirklich nicht zu rechnen, vielleicht habe ich den
großen Moment des Spiels schon verpasst. Als ich mich kurz nach 7 Uhr
einschalte, die Partie zwischen Brasilien und Marokko (siehe unten) ist
einfach zu spät abgepfiffen worden, führt Australien 1:0. Und das
Überraschungsteam ist dabei, das Ergebnis fachmännisch einzubetonieren. So
kurz dabei und schon alles gesehen? Denkste! Gleich beim ersten Versuch,
doch die türkische Hälfte zu betreten, trifft Australien erneut. Connor
Metcalfe, der beim [39][Bundesligaabsteiger St. Pauli] nicht einmal in der
ganzen Saison traf, platziert den Ball mit einem Flachschuss im unteren
rechten Eck. Wenn das kein großer Moment ist. Außenseiterfußball in
Bestform. (jok)
## Haiti–Schottland 0:1 (0:1)
Hallo, Ihr Lieben,
Hier mein kurzer Bericht zum Schottenspiel. Nö, ich bleibe nicht bis 5 Uhr
wach, das Ergebnis müsst Ihr bitte nachtragen.
Klare Sache, die Schotten werden Weltmeister. Mit der [40][selbstironischen
Hymne „It Only Takes One Lion“] der Indie-Pop-Band [41][Belle and
Sebastian] haben sie den besten WM-Song, auch wenn er nicht die offizielle
Hymne ist. Zugegeben: Der Titel ist ein kaum subtiler Seitenhieb auf
[42][Englands Hymne „Three Lions“ – den Song von Baddiel und Skinner], der
diesen Sommer seinen 30. Geburtstag feiert. Während es dort aber heißt,
dass Paul Ince „bereit für den Krieg“ sei, besingen Belle and Sebastian die
friedliche Tartan Army, die Schottenkaro-Armee der Fans: „Du kannst einer
Armee beitreten, die für den Frieden ist.“
Ach ja, das Spiel: Schottland besiegte Haiti mit 1:0. Es gab schon vor dem
Spiel einen Trikottausch, aber der war einseitig: Die Haitianer mussten
sich umziehen, [43][weil auf den ursprünglichen Trikots eine Illustration
der Schlacht von Vertières aus dem Jahr 1803, die Haitis Unabhängigkeit
sicherte, zu sehen war]. [44][[Link auf Beitrag 8503564]] Kriegerisches hat
auf US-Sportplätzen nichts zu suchen, schließlich will Donald Trump den
Friedensnobelpreis gewinnen.
Zum Finale, in dem Schottland [45][das Team aus Curaçao] besiegen wird,
bleibe ich aber wach. (Ralf Sotscheck)
## Brasilien–Marokko 1:1 (1:1)
Ein befriedigendes Gefühl hat Marokko beim 1:1 gegen Brasilien
hinterlassen. Das Team aus Nordafrika ist ja quasi noch amtierender
WM-Halbfinalist und letztlich [46][noch nicht ganz fix ausgerufener
Afrika-Cup-Gewinner]. Es kann also Fußball spielen. Und zwar einen schönen
Fußball des 21. Jahrhundert, ein Jogo Bonito 2.0. Mit enormem Schwung kam
Marokko auf den Platz und hat Brasilien von Beginn an unter Druck
gesetzt–mit einem schönen Lupfer von Ismail Saibari zum 1:0 (21.).
Brasilien, das sich als nicht ganz vollständiges Starensemble präsentierte,
kam nicht ins Spiel, schon gar nicht ins schöne Spiel. Eine Einzelaktion
von [47][Vinicius Jr.] sorgte für den 1:1-Ausgleich.
Dann hatte sich die Seleção leidlich gefangen, aber ganz am Schluss war es
doch noch mal Marokko, das sich aufbäumte und beinahe (soll heißen: sehr
beinahe) den Siegtreffer erzielt hätte. Zur hoffnungsfrohen Zusammenfassung
geht man nach diesem Spiel in New York zum Bücherregal (dessen Nähe ja
einer der sehr wenigen Vorteile des Fernsehfußballguckens ist) und liest
diesen Satz: „Die Krise besteht gerade in der Tatsache, dass das Alte
stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann.“ Steht bei [48][Gramsci]
und beschreibt die Umbruchsituation des Weltfußballs ganz gut. (mak)
## Katar–Schweiz 1:1 (0:1)
Wer dieses Spiel gewinnt, war allen klar: WM-Geheimfavorit Schweiz. Auch
ich habe ihnen beim Tippspiel ein lockeres 4:1 gegen Katar zugetraut. Doch
wahrscheinlich waren die Schweizer selbst zu siegessicher und holten sich
so in der Nachspielzeit einen Gegentreffer ein. Mit dem 1:1-Ergebnis jubelt
Katar über seinen ersten WM-Punkt jemals – ist doch schön, wenn diese WM
auch Überraschungen bereithält. (cas)
## USA–Paraguay 4:1 (3:0)
Das war ein Auftakt nach Maß für Paraguays Damian Bobadilla: Nur sieben
Minuten nach Anpfiff gegen Gastgeber USA schob er den Ball unhaltbar für
den Keeper ins Tor. Leider ins eigene. Das war denn doch gar nicht mal so
gut. Aber die US-amerikanische Mannschaft, die sich zugutehalten kann, auch
das Eigentor durchaus provoziert zu haben, dachte gar nicht daran, es dabei
zu belassen. Womöglich befreit durch die Abwesenheit von Präsident Donald
Trump im Stadion in Los Angeles schoss Stürmer Folarin Balogun gleich noch
drei Tore, von denen immerhin zwei zählten.
Giovanni Reyna, zum Befremden des bundesligaunkundigen taz-Chronisten ab
seiner Einwechslung in der 81. Minute von den TV-Kommentatoren stets „der
Gladbacher“ genannt, legte ganz am Schluss noch zum 4:1 nach, und ja,
zwischendurch hatte auch Paraguay ein Tor geschossen.
Kurios: Der Schiedsrichter, der in der zweiten Hälfte Paraguay einen
Freistoß und dem US-Kapitän Tim Ream eine Gelbe Karte gab, um dann das
Spiel aufgrund einer Einflüsterung des Video-Assistenten nach schon
ausgeführtem Freistoß zu unterbrechen, Ream die Gelbe Karte wieder
wegzunehmen und sie dem „gefoulten“ paraguayischen Spieler wegen
Schauspielerei weiterzureichen. Fazit: Der bislang beste Auftakt eines der
drei Gastgeberländer. USA, USA! (pkt)
## Kanada – Bosnien-Herzegowina 1:1 (0:1)
Die 56. Minute in Toronto läuft. Nach einem weiten Abstoß des bosnischen
Torwarts Nikola Vasilj wird der Ball vom kanadischen Abwehrspieler Luc de
Fougerolles mit dem Kopf ins Seitenaus geklärt. Von weit her kommt der
bosnische Kapitän und Linksverteidiger Sead Kolašinac angelaufen und nimmt,
inzwischen sind wir in der 57. Minute, den Ball zum Einwurf auf. Kolašinac
geht ein paar Schritte vor, deutet den Einwurf an, wartet ein wenig, noch
ein wenig und – muss den Ball abgeben, was er auch ohne Murren tut.
Schiedsrichter Facundo Tello aus Argentinien hat die Ausführung des
Einwurfs zu lange gedauert, denn: wenn diese länger als 5 bis 8 Sekunden in
Anspruch nimmt, dann wechselt automatisch das Einwurfsrecht. Das ist eine
neue Regel bei dieser WM, sie soll die Nettospielzeit erhöhen und kommt
bald auch in der Bundesliga zum Einsatz. Hier konnten wir sie nun zum
ersten Mal live erleben. (mbr)
## Südkorea – Tschechien 2:1 (0:0)
Das geht seit Monaten so. Nach dem Aufwachen schaut der
Nachrichtenredakteur aufs Handy. Gucken, was Trump wieder gesagt hat, wen
er bombardiert, wem er Frieden angedroht hat. Und was sonst noch hässliches
passiert ist. Das bestimmt dann die Planung für den Tag auf taz.de. Am
Freitagmorgen aber lautet die wichtigste Neuigkeit: Südkorea hat gespielt
gegen, na, hier, Tschechien. Ab 4 Uhr morgens. Wie es ausgegangen ist? Muss
man doch wissen. Schnell mal die Zusammenfassung gucken. Ah hier,
[49][gibts beim ZDF]. „Es ist plötzlich ein offenes Spiel mit Chancen auf
beiden Seiten“, jubelt der Reporter. Toller Ball! 2:1. Südkorea dreht das
Spiel! Die Sonne scheint auch. Und Trump? Hat angekündigte Angriffe auf
Iran abgesagt – was ja auch [50][gut für die WM] ist. Und das geht jetzt
fast sechs Wochen so? [51][Mehr davon]! (ga)
## Mexiko – Südafrika 2:0 (1:0)
Die rote Karte für Südafrikas Yaya Sithole nach einer sogenannten
Notbremse? Die rote Karte für dessen Kollegen Themba Zwane in der
Schlussphase des Spiels? Die Fifa-Turnierhymne DNA geschmettert von Andrea
Bocelli und Ejae vor dem Anpfiff dieses Eröffnungsspiels? Nein, der Moment
der Partie war natürlich jener für die Gastgeber befreiende Schuss von
Julián Quiñones durch die Beine des südafrikanischen Torhüters Ronwen
Williams zum 1:0 für Mexiko in der 9. Minute.
Auch bemerkenswert: Die rote Karte für Mexikos César Montes nach einem Foul
an der Strafraumgrenze kurz vor Schluss. Ein farbiger Turnierauftakt.
(arue)
20 Jul 2026
## LINKS
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