# taz.de -- Palästina-Solidarität bei WM: Verschwiegene Proteste
> In den WM-Stadien ist die Palästina-Solidarität sehr präsent, in
> Deutschland wird darüber nicht berichtet. Das ist ein Armutszeugnis.
(IMG) Bild: Solidaritätsbekundung beim Spiel Ägypten-Iran: Zwei Fans präsentieren eine „Free-Palestine“-Flagge
Am letzten Spieltag war es wieder so weit: Bei Bosnien-Herzegowina gegen
Katar hielten Fans palästinensische Flaggen, riefen „Free Palestine“-Chants
und marschierten vorab mit Palästina-Rufen durch die Stadt. Die globale
Palästina-Solidarität ist eine große Tradition dieser Vorrunde geworden;
vor allem bei Partien mit arabischer oder muslimischer Beteiligung, aber
durchaus auch bei anderen Fans.
[1][In Mexiko gab es zum WM-Start Demos zum Thema], in Kanada eine Aktion
für einen Ausschluss Israels. Wer die WM in deutschen Medien verfolgt, wird
vieles davon nicht mitbekommen haben. Denn über die größten Stadionproteste
beim Turnier schweigen sie. Überraschend ist das angesichts von
Deutschlands Rolle nicht, aber ein Armutszeugnis.
Dass während der WM der mutmaßliche Völkermord an den
Palästinenser:innen weiterläuft und Hauptgastgeber USA ihn maßgeblich
finanziert, ist nicht mal Thema. Als gebe es die Toten nicht, darunter
viele Fußballer. In postkolonialen Staaten ist das anders. Während der WM
stellte ein UN-Report fest, dass Israels [2][Tötung palästinensischer
Kinder] seit dem Waffenstillstand ein Beleg für fortlaufenden Genozid sei.
Laut UNICEF wird im Schnitt jeden Tag ein palästinensisches Kind getötet.
## Proteste geben Hoffnung
Der Druck auch auf die Fifa für Sanktionen steigt. Die spielt dabei ein
doppeltes Spiel: Sie verweigert sich gegen Sanktionen und arbeitet mit
Trump [3][und dessen „Friedensrat“ in Gaza] zusammen. Sie ist mitschuldig.
Gleichzeitig erlaubt sie Palästina-Flaggen als vermeintlich unpolitisch;
eine Israelflagge dagegen wurde von einem Ordner entfernt. Die Fifa sucht
den Weg des geringsten Widerstands. Doch die Proteste geben Hoffnung, dass
sie damit vielleicht nicht durchkommt. Dass Menschen nicht vergessen sind.
Die Proteste, [4][die es auch schon zur Katar-WM gab], haben vielfältige
Wurzeln. Nicht alle sind klug oder humanitär. Im Falle von
Hamas-Unterstützerstaat Katar oder Iran etwa spiegeln sie einen bei
ersterem tolerierten, bei letzterem diktierten Hass auf Israel und Jüdinnen
und Juden.
Bei Marokkos Fans sind sie dagegen Protest gegen den Kuschelkurs der
eigenen Regierung mit Israel auf dem Rücken der Palästinenser:innen. In
Bosnien erwächst die Solidarität auch aus der eigenen Erfahrung mit
Genozid. Die Bewegung ist heterogen, fehlerhaft und eine politische
Querfront. Aber sie ist wichtig. Sie passt zu einer WM, in der sich
außereuropäische Staaten auch sportlich ermächtigen. Die Flaggen werden in
der K.-o.-Runde wieder auftauchen. Und es ist arm, dass es in Deutschland
jenseits von Social Media weder Haltung noch Diskurs dazu gibt.
29 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Alina Schwermer
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