# taz.de -- Philosophie
(DIR) Neue Buchreihe von Berliner Kleinverlag: Dylan mit Marx und Adorno ergründen
Der Philosoph Rüdiger Dannemann versucht in „I shall be free No. 10“ das
Werk des Songwriters Bob Dylan ontologisch auszuloten. Das gelingt ihm aber
nur bedingt.
(DIR) Debatte über Faschismus: Wenn die Theorie irritiert
Müssen wir den Faschismus nur gut genug verstehen, um ihn zu besiegen? In
Berlin wurde über den Zusammenhang zwischen Theorie und Antifa diskutiert.
(DIR) Öko-Kommunismus: Ein bisschen Planwirtschaft
Der japanische Philosoph Kohei Saito fordert eine „Diktatur der Ökologie“
als Antwort auf den Klimakollaps. Die Rolle des Staats bleibt dabei blass.
(DIR) Buch über Heideggers Verhältnis zum NS: Adorno hätte es besser wissen müssen
Oliver Jahraus zeichnet die Kontroverse um Heideggers Beziehung zum
Nationalsozialismus nach. Leider ermüdet das Buch in seiner Detailfülle.
(DIR) Gedenkstunde für Jürgen Habermas: Gegen die Mechanismen der Macht
Bundespräsident Steinmeier würdigte den Philosophen Jürgen Habermas in der
Frankfurter Paulskirche. Zum Glück hatte die Gedenkstunde wenig
Weihevolles.
(DIR) Teil 5 der Reihe zum 100. Geburtstag: Foucault und die Macht des Geständniszwangs
Foucaults Arbeiten zur Sexualität hinterfragten die Euphorie der sexuellen
Revolution. Unbequem bleiben seine Thesen für Gender- oder Queer-Studies.
(DIR) Repression gegen russische Forscher: Putins Ideologen im Kampf gegen Aristoteles
In Russland bedrängt der Geheimdienst FSB akademische Philosophen. An ihnen
will man ein politisches Exempel statuieren.
(DIR) Trauer um Edgar Morin: Wilderer des Wissens
Der französische Soziologe und Philosoph Edgar Morin ist im Alter von 104
Jahren gestorben. Präsident Macron würdigt ihn als „Denker des
Jahrhunderts“.
(DIR) Podcast „Sternstunde Philosophie“: Talkshow gegen den Trend
Das Schweizer Gesprächsformat „Sternstunde Philosophie“ füllt eine wichtige
Lücke. Hier stehen keine Menschen, sondern Themen im Vordergrund.
(DIR) Teil 4 der Reihe zum 100. Geburtstag: Foucault und das „kälteste aller kalten Ungeheuer“
Staatliche Institutionen gelten Foucault einseitig als Orte
disziplinarischer Macht. Angesichts der neoliberalen Globalisierung ist das
problematisch.
(DIR) „Marmor, Quecksilber, Nebel“: Der Ursprung der Welt, die Grenzen der Sprache
In „Marmor, Quecksilber, Nebel“ kreist Judith Schalansky um die Frage, ob
sich die Weltgeschichte aus einem einzelnen Gegenstand entfalten lässt.
(DIR) Antiker Philosoph über Merz: „Es ist die Sache des Unwissenden, andere anzuklagen“
In einem Interview zitiert Merz einen antiken Philosophen des Stoizismus.
Nun spricht Epiktet selbst – über sein Œuvre, Weisheit und
Ahnungslosigkeit.
(DIR) Neuer Roman von Elias Hirschl: Die schweigende Sekte vor deiner Haustür
Die Verschriftlichung der Verschriftlichung der Verschriftlichung: Elias
Hirschls Roman „Schleifen“ ist eine humorvolle Tour de Force durch die
Sprachphilosophie.
(DIR) Philosophin über Verletzlichkeit: „Der Gewaltbegriff hat sich enorm erweitert“
Seit Traumatisierbarkeit und Verletzbarkeit den Diskurs prägen, wächst die
Cancel Culture. Aber auch die fruchtbare Selbstermächtigung von Opfern.
(DIR) Austellungen in Karlsruhe: Die KI kennt keine feinen Unterschiede
Hypnose oder Wettstreit mit dem Bewusstsein: Unterschiedlicher könnte man
das Verhältnis von Kunst und KI nicht darstellen als in zwei Karlsruher
Ausstellungen.
(DIR) Archäologie: Was Brettspiele über antike Gesellschaften verraten
Der Wunsch zu spielen ist so alt wie die Menschheit. Für die Archäologie
sind antike Spiele deshalb besonders spannend.
(DIR) Eva von Redecker über Jürgen Habermas: Der Schulleiter ist nicht tot
Jürgen Habermas bestand darauf, dass fortschrittliche Kräfte der
Gesellschaft in der realen Geschichte auffindbar sein müssen. Was bleibt
von seinem Werk?
(DIR) Umstrittene Philosophin: Wer hat Angst vor Judith Butler?
Die „Zeitschrift für Ideengeschichte“ widmet ihre aktuelle Ausgabe der
kontroversen Theoretiker*in. Im Roten Salon der Volksbühne wurde
diskutiert.
(DIR) Die Wahrheit: Es denkt nun für Deutschland
Aus aktuellem Großdenkeranlass ist Dienstag der Wahrheit-Poemtag. Heute
erfreut sich die geneigte Leserschaft an einem, der sich für was Großes
hält.
(DIR) Nachdenken über Faschismus: Wer staunt, begeht den ersten Fehler
„Dieser Drang nach Härte“ von Eva von Redecker verwebt Beobachtungen,
Gespräche und philosophische Konzepte zu einer eindringlichen
Gegenwartsanalyse.
(DIR) Was von Jürgen Habermas bleibt: Krise als Normalzustand
Jürgen Habermas glaubte an die Vernunft. Die Moderne sah er als krisenhaft
an – ein unfertiges Projekt. Und die Neuen Medien als revolutionär.
(DIR) Zum Tod von Jürgen Habermas: „Das weiß doch jeder, was links ist“
Erstmals begegnete die taz Jürgen Habermas in den 1980er-Jahren. Seitdem
schwankte ihr Urteil über den Philosophen zwischen Anerkennung und Skepsis.
(DIR) Hoher Besuch in Lüneburg: Weimer für die Redefreiheit
In Lüneburg gibt es ein neues Kant-Museum, der Kulturstaatsminister darf
eine Eröffnungsrede halten – und meint „autokratische Züge“ zu erkennen.
(DIR) Michel Foucault: Ein Mann der Metro und der Menge
Michel Foucault wollte nicht für andere sprechen, sondern sie selbst zum
Sprechen bringen. Sein Intellektuellenprogramm vereinte Theorie und
Aktivismus.
(DIR) Prokrastination: Aus freiem Willen aufschieben
Auch nicht zu entscheiden, bedeutet entscheiden: Kierkegaard und Sartre
erklären, warum Prokrastination mehr mit Freiheit als mit Faulheit zu tun
hat.
(DIR) Politische Theorie: Rückkehr der Ordnung in Großräumen
Carl Schmitt rüttelte an liberalen Überzeugungen. Begrüßen kann man die
Aktualität seines Denkens keineswegs. Doch es hilft, die neue Weltordnung
zu beschreiben.
(DIR) Die Epstein Files und die Moral: Das hat Pizzagate-Potenzial
Die Epstein Files symbolisieren ein neofeudales Zeitalter. Und das braucht
keinen Marquis de Sade, es hat Jeffrey Epstein und seine Getreuen.
(DIR) Die Wahrheit: Punkt im Traum
Wer versucht, den Nachweis von Larga Tubor zu bewerkstelligen, stellt die
Existenz von fliederfarbenen Traumleuten fest. Absolut traumhaft.
(DIR) Michael Hampes „Krise der Aufklärung“: Überleben geht nur gemeinsam
Michael Hampe sucht in seinem neuen Essay „Krise der Aufklärung“ nach dem,
was vom Versprechen der Aufklärung bleibt – und findet es in neuen Schulen.
(DIR) Wiederentdeckung von Bernard Bolzano: Prüfet alles!
Bernard Bolzano war Philosoph, Mathematiker und Dissident. Trotz seiner
Bedeutung ist er unbekannt. Der Philosoph Wolfgang Künne möchte das ändern.
(DIR) Philosoph Hans Joas über Universalismus: Das Ideal in dunklen Zeiten hochhalten
Der Sozialphilosoph Hans Joas liefert gute Gründe, trotz aller Kritik am
Universalismus festzuhalten. Ein Hinweis auf ein lesenswertes Gespräch.
(DIR) Nachdenken über Bullshit: „Es geht um die Kulturtechnik des Differenzierens“
Die Philologin Gyburg Uhlmann schlägt vor, Rhetorik-Theorie der Antike zu
nutzen, um Bullshit, Fake News und KI-Fälschungen zu begegnen.
(DIR) Hannah-Arendt-Preis für Seyla Benhabib: Brücken bauen ohne Geländer
Seyla Benhabib führt Arendts „Denken ohne Geländer“ weiter: kritisch,
feministisch, dialogisch. Dafür bekommt sie den Hannah-Arendt-Preis – ohne
Eklat.
(DIR) Nachruf auf Paolo Virno: Verweigerung der Spielregeln
Der italienische Philosoph Paolo Virno gehörte zu den Vertretern des
postoperaistischen Marxismus. Ein Nachruf auf einen linken Denker.
(DIR) Susan Neiman über Moral und Bosheit: „Ich lebe gerne in Neukölln“
Die Moralphilosophin Susan Neiman kritisiert Trump, „Wokeness“ und den
deutschen Umgang mit Antisemitismus. Jetzt schreibt sie ein Buch über das
Böse.
(DIR) Besiedlung des Weltraums: Die Zukunft gehört den Sternenfahrern
Der Philosoph Jan Völker sieht den Menschen auf dem Weg zum astronautischen
Kolonisten. Er verschränkt für sein Essay Kants Gestirnsforschung mit
Lacan.
(DIR) Vorlass von Jürgen Habermas: Neunzig Aktenordner und auch sein privater Computer
Jürgen Habermas gibt auch den zweiten Teil seines Vorlasses an die
Frankfurter Uni. Er bekräftigt damit seine Traditionslinie zur Kritischen
Theorie.
(DIR) Privatisierung am Gardasee: Die Halbinsel der Espressoschlürfer und Sandalensnobs
Am Gardasee ist ein wunderschönes Stückchen Land seit dem 16. Jahrhundert
in Privatbesitz. Unser Kolumnist findet, dass es allen gehören sollte.
(DIR) Stück über das Leben der Philosophin: Schafft drei, vier, fünf Hannah Arendts!
Am Deutschen Theater in Berlin arbeitet man sich in „Die drei Leben der
Hannah Arendt“ durch ihre Biografie. Mehr als Wikipedia-Enactment ist das
nicht.
(DIR) Buch über Philosophie der Krise: Tja, was nun?
Zurückgelehnt im Denken, aber urteilsfreudig: Der Philosoph Konrad-Paul
Liessmann erkundet unsere gegenwärtigen Unsicherheiten.
(DIR) Reaktionen auf den 7. Oktober: Linke Empathieverweigerung
In Hamburg trafen sich Eva Illouz und Natan Sznaider und diskutierten die
Enttäuschung über die Reaktionen der Linken auf den Überfall der Hamas.
(DIR) Der Hausbesuch: Denkerin der Gefühle
Ohne den Feminismus wäre Hilge Landweer wohl keine Philosophin geworden.
Inzwischen ist die Professorin im Ruhestand – und gerne im Garten.
(DIR) Zum Tod des Philosophen John Searle: Mit Worten etwas tun
Ihm war an der politischen Dimension von Sprache gelegen: Nachruf auf den
US-amerikanischen Philosophen John Searle, der die Sprechakte bekannt
machte.
(DIR) Choreografin Ursina Tossi: Wege ins Ungewisse
Grenzen ausloten, überschreiten und Exzesse wagen: Die Hamburger
Choreografin Ursina Tossi setzt das Publikum gern mit auf die Bühne.
(DIR) Buch über Philosophen Edmund Husserl: Der Fröhlichkeit kann man nachhelfen
Der Wissenschaftler Christian Beyer stellt in seinem Buch „Husserls
Philosophie“ das Werk eines der einflussreichsten Philosophen des 20.
Jahrhunderts vor.
(DIR) Religionsunterricht an Hamburger Schulen: Nicht wirklich für alle
Das Fach „Religion für alle“ an Hamburgs Grundschulen darf nur von
gläubigen Lehrkräften unterrichtet werden. Das muss sich ändern.
(DIR) Filmfestspiele: Vor Ethikern sei gewarnt
Lidokino 4: Luca Guadagnino zeigt bei den Filmfestspielen die Uni als Sodom
und Gomorrha. Julia Roberts spielt eine Adorno lesende Philosophin.
(DIR) Neuer Roman von Dorothee Elmiger: Der ekstatischen Wahrheit nahe
Dorothee Elmiger webt in ihrem Roman ein enges Zeichendickicht um einen
Vermisstenfall, in dem sich zu verlieren großes Vergnügen bereitet: „Die
Holländerinnen“.
(DIR) Cooler linker Musiker Richard Pinhas: Hier steppt und zuckt der Cyborg
Zwischen Programmierung und Empfindung: Das musikalische Universum des
Musikers Richard Pinhas und seiner Band Heldon wird neu entdeckt.
(DIR) Museumskurator über Frantz Fanon: „Er glaubte an Universalismus“
Am 20. Juli wäre Frantz Fanon, der Denker der Dekolonisierung, 100 Jahre
alt geworden. Gabriel Schimmeroth, Kurator am Museum im Rothenbaum,
verteidigt ihn gegen Vereinnahmung.