# taz.de -- Umstrittene Philosophin: Wer hat Angst vor Judith Butler?
> Die „Zeitschrift für Ideengeschichte“ widmet ihre aktuelle Ausgabe der
> kontroversen Theoretiker*in. Im Roten Salon der Volksbühne wurde
> diskutiert.
(IMG) Bild: Einige sehen sie als kontrovers an: Judith Butler
Es müssen anstrengende Redaktionssitzungen gewesen sein, die die aktuelle
Ausgabe der Zeitschrift für Ideengeschichte (ZIG) hervorbrachten, gewidmet
dem Versuch, die in diesem Jahr 70 Jahre alt gewordene
[1][Theoretiker*in Judith Butler] zu historisieren und als Phänomen zu
untersuchen. Der Titel des zwanzigsten Hefts, „Butler Trouble“, kann also
durchaus programmatisch gelesen werden. Nicht nur für den Inhalt, sondern
auch für den Zank, den innerakademischen Klatsch und Tratsch, der sich um
den Entstehungsprozess rankte.
Mehr als 35 Jahre nach dem Erscheinen ihres wahrscheinlich bekanntesten
Werks, „Gender Trouble“ („Das Unbehagen der Geschlechter“), ist die
US-Amerikaner*in eine der gleichermaßen bekanntesten und umstrittensten
Philosoph*innen der Gegenwart, wohl nicht nur wegen ihrer Theorien und
Positionen zu Fragen der Gender Studies, die sie maßgeblich mitbegründete
und mit denen sie so eng verknüpft ist, dass der Name Butler teils synonym
verwendet wird. Auch aufgrund ihrer Äußerungen zum israelischen Staat und
ihrer Nähe zur [2][BDS-Kampagne], mit der sie, selbst Jüdin und Nachfahrin
von Holocaust-Überlebenden, schon 2009, wenn auch nicht vorbehaltlos,
sympathisierte.
Insbesondere ihre Äußerungen auf einer Pariser Veranstaltung im März 2024,
wenige Wochen nach dem Redaktionsbeschluss der ZIG zum Themenschwerpunkt,
in denen sie das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 als „bewaffneten
Widerstand“ bezeichnete, sorgten für heftige Kontroversen. Wie dem Vorwort
der Ausgabe zu entnehmen ist, schwappten diese auch in die Redaktion der
ZIG selbst – bestehend aus einem Zusammenschluss unter anderem des
Deutschen Literaturarchivs Marbach, des Wissenschaftskollegs zu Berlin, der
Stiftung Preußischer Kulturbesitz und des Leibniz-Zentrums für Literatur-
und Kulturforschung, kurz: Institutionen, die staatlich finanziert werden.
Trotz allen Unbehagens erschien das Heft nun doch, wenngleich man es dann
doch nicht übers Herz brachte, die erste ZIG, die sich monothematisch einer
zumindest nicht männlichen Theoretikerin widmete, auch mit ihrem Antlitz
auf dem Cover zu versehen, wie sonst üblich. Müde gefeiert wurde der Launch
der Ausgabe am Mittwoch im Roten Salon der Volksbühne. Auf dem Podium
moderierte Eva Geulen im Impetus einer klugen Erziehungsberechtigten durch
den Abend, der schon allein durch die Datumswahl – parallel zur Eröffnung
der Leipziger Buchmesse – nicht den Eindruck erweckte, es auf noch mehr
Aufruhr abgesehen zu haben.
## Nahost blieb weitgehend unerwähnt
Statt organisierten Streits mäanderten die Podiumsteilnehmer:innen
Petra Gehring, [3][Eva von Redecker], [4][Thomas Meinecke] und Diedrich
Diederichsen nach ausführlicher Einführung durch Carlos Spoerhase entlang
der eigenen Butler-Prägungen ihrer Jugend durch die frühen Jahre der
Philosophin, blickten auf Einflüsse in Popkultur und Alltagspolitik.
Das Thema Nahost blieb weitgehend unerwähnt. Fürs Publikum geöffnet wurde
der Abend nicht, und DJ Meinecke drehte beim anschließenden Auflegen
Sleater Kinney gleich so laut auf, dass sich auch informelle
Nebenunterhaltungen schnell auflösten. Alle hatten wohl schon genug Trouble
ausgehalten, und so richtig traurig darüber, dass es nicht mehr gab, schien
wirklich niemand zu sein.
19 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hilka Dirks
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