# taz.de -- Geplante Abschaffung des Bürgergelds: In der SPD kaum Solidarität mit den Armen
> Nur wenige SPD-Mitglieder haben sich bislang an der Kampagne gegen die
> neue Grundsicherung beteiligt. Die Kritik am künftigen Sanktionsregime
> bleibt.
(IMG) Bild: Lobt das Gesetz als Signal gegen Sozialleistungsmissbrauch: Bundes-arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD)
Es sieht nicht gut aus für das SPD-Mitgliederbegehren gegen die geplanten
Verschärfungen der Sanktionen beim Bürgergeld. [1][Vor genau zwei Monaten
gestartet], haben nach Angaben von Mitinitiatorin Eva-Maria Weimann bislang
erst weniger als 3.000 und damit nicht mal ein Prozent der 348.000
SPD-Mitglieder das Begehren unterzeichnet. Für einen Erfolg wären knapp
70.000 Unterschriften nötig, die Frist hierfür endet in vier Wochen.
„Das ist eine schwierige Kiste, aber es ist, wie es ist“, sagt Eva-Maria
Weimann zur taz. Eine gewisse Ratlosigkeit ist der stellvertretenden
SPD-Chefin von Bayern anzumerken. „Wir tragen alles aus dem
Koalitionsvertrag mit der CDU/CSU mit, was ins Autoritäre geht und das
Leben für Betroffene prekärer macht wie eben die neue Grundsicherung – und
alles, was progressiv ist, machen wir nicht“, sagt Weimann mit Blick auf
ihre Partei.
Die mangelnde Unterstützung für das Begehren habe, so ihre Vermutung, zum
Teil mit Problemen bei den Zugangsdaten für das offizielle SPD-Portal zu
tun, zum Teil aber auch mit dem „ungünstigen“ Timing. Tatsächlich soll der
Gesetzentwurf von SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas zur Einführung der neuen
Grundsicherung bereits Ende kommender Woche im Bundestag in die
entscheidende Lesung gehen – nebst anschließender Ab- und erwartbarer
Zustimmung, [2][auch aus den SPD-Reihen und trotz vereinzeltem Murren über
„populistischen Bullshit“].
Zum offiziellen Ende des Mitgliederbegehrens am 23. März ist die Messe also
fast schon gesungen. Wenige Tage darauf folgt zwar noch ein letzter
Durchgang im Bundesrat. Größere Widerstände gegen das Gesetzpaket sind
aufgrund der Mehrheitsverhältnisse aber auch hier nicht zu erwarten. „Die
SPD darf keine Politik mittragen, die Armut bestraft“, heißt es im Text zum
Mitgliederbegehren. Allein, genau so dürfte es kommen.
## Kürzen und streichen
Konkret zielt der Gesetzentwurf vor allem auf ein härteres Vorgehen gegen
vermeintliche „Totalverweigerer“. So sollen Leistungsbezieher:innen
die Gelder künftig nach dem zweiten versäumten Termin beim Jobcenter um 30
Prozent gekürzt werden. Beim dritten Nichterscheinen werden die Zahlungen
komplett gestrichen. Auch wer eine Fördermaßnahme abbricht oder sich nicht
bewirbt, muss mit einer stärkeren Kürzung der Geldleistung rechnen als
bislang. Arbeitsministerin Bas lobt die Maßnahmen als Signal gegen
Sozialleistungsmissbrauch.
Nicht nur Linke, Grüne und eben die Unterstützer:innen des
SPD-Mitgliederbegehrens laufen unterdessen Sturm gegen [3][das vorgesehene
neue Sanktionsregime]. Bei einer öffentlichen Anhörung im
Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales machten am Montag auch noch
einmal Vertreter:innen von Sozialverbänden und Gewerkschaften deutlich,
was sie von Bas' Reformvorhaben in der jetzt vorgelegten Form halten: wenig
bis nichts.
So kritisierte DGB-Arbeitsmarktexperte Martin Künkler unter anderem die
Schutzmechanismen für Kinder, psychisch Kranke und generell vulnerable
Gruppen bei den Verschärfungen als „nicht hinreichend“. Auch die Streichung
sämtlicher Leistungen bei „Pflichtverletzungen“ sei aus seiner Sicht
hochproblematisch. Zumal dies nicht nur die Regelsätze betreffen könne,
sondern auch die staatlichen Zahlungen für Miete und Heizung. Aus seiner
Sicht sollten die Bezüge um maximal 30 Prozent gekürzt werden können. Die
Wohnkosten sollten dabei außen vor bleiben.
Auch die Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbands, die ehemalige
Linken-Bundesvorsitzende Katja Kipping, sprach in Bezug auf das Gesetz von
„akutem Korrekturbedürfnis“. Anhand mehrerer konkreter Beispiele versuchte
sie, dem Ausschuss die Auswirkungen der neuen Härten vor Augen zu führen.
Ob betriebsbedingte Kündigung oder eine langwierige Erkrankung des Kindes:
„Viele sind nur einen Schicksalsschlag von Sanktionen entfernt“, warnte
Kipping.
Hinzu komme der Umstand, dass jede dritte Sanktion im Bürgergeld schon
heute einen Haushalt mit Kindern betreffe. Es sei unverantwortlich und
kindeswohlgefährdend, hier weiter die Daumenschrauben anzuziehen. Statt
immer härtere Strafen einzuführen, sollte „gemeinsam daran gearbeitet
werden, Vermittlungshemmnisse abzubauen“, so Kipping.
Anders als Kipping oder der Gewerkschafter Künkler verzichtete der als
Sachverständiger der Linksfraktion eingeladene Mönchengladbacher
Bürgergeldbezieher Thomas Andreas Wasilewski auf moderate Töne und
freundliche Ermahnungen. „Sie nehmen den Leuten das Essen weg, wenn Sie die
Leistungen streichen“, hielt Wasilewski den Abgeordneten vor. Und: „Die
Betroffenen halten das für eine große Schweinerei.“
Trotz der schlechten Vorzeichen: Ganz geschlagen geben wollen sich die
Gegner:innen der Sanktionsverschärfungen nicht. Für diesen
Samstagnachmittag rufen die Initiator:innen des SPD-Mitgliederbegehrens
unter anderem gemeinsam mit dem DGB, der Grünen Jugend Berlin und
Armutsaktivist:innen in Berlin-Mitte noch einmal zu einer großen
Demonstration gegen das Gesetzvorhaben der Bundesregierung auf. Motto:
„Solidarität statt Strafe“.
23 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rainer Rutz
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