# taz.de -- Das neue „Grundsicherungsgeld“: Schicksal wird zum Stigma
       
       > Die Aggression gegen Arme steigt, wenn die Zeiten härter werden. Doch
       > mehr Abschreckung in der neuen Grundsicherung dürfte kaum etwas
       > einsparen.
       
 (IMG) Bild: Immer mehr Menschen tragen das Risiko, selbst in die Grundsicherung zu fallen
       
       Die Regierung hofft auf Abschreckung durch das am Donnerstag im Bundestag
       verabschiedete Gesetz zum neuen „Grundsicherungsgeld“. Sie geht davon aus,
       dass mehr Arbeitslose einen ungeliebten Job annehmen, aus Angst vor den
       strengeren Sanktionen. 100.000 Leistungsbezieher:innen weniger in der
       Grundsicherung würden 850 Millionen Euro an öffentlichen Geldern pro Jahr
       einsparen, rechnet man im [1][Gesetzentwurf] vor.
       
       Die Rechnung dürfte nicht aufgehen. Es gibt Missbrauch und Bequemlichkeit
       bei manchen Leistungsbezieher:innen – die gab es schon immer. Viel
       häufiger aber sitzen den Vermittler:innen in den [2][Jobcentern Leute ]
       ohne verwertbare Qualifikationen gegenüber. Andere mit
       Kinderbetreuungspflichten, zu geringen Deutschkenntnissen, körperlichen
       oder psychischen Problemen. Kaum ein Arbeitgeber will diese Leute
       einstellen.
       
       Doch die Kampagne der Union, Leistungsempfänger:innen der
       Bequemlichkeit zu verdächtigen und zu stigmatisieren, hat gewirkt. Sie
       zielt auf die Stimmung in manchen Mittelschichtmilieus, die ungehalten sind
       angesichts der hohen Ausgaben für das Bürgergeld. Auch weil sich diese
       Milieus selbst zunehmend unter Druck wähnen, weil die Lebenshaltungskosten
       so stark steigen. Das ist die [3][Paradoxie des Sozialstaates]: Die
       Aggression gegen Leistungsempfänger:innen nimmt zu, wenn die Zeiten
       härter werden. Dabei ist der Anstieg bei den
       Bürgergeldempfänger:innen eher dem Ukrainekrieg geschuldet als
       irgendeinem arabischen Clanverhalten, zum Beispiel.
       
       Die Frage ist, ob diese Stimmung in den steuerzahlenden Wählermilieus
       wieder kippt. Dann nämlich, wenn auffällt, dass gar nicht so wenige ein
       Risiko tragen, selbst in die Grundsicherung zu fallen. Auch wenn sie weiß
       sind, eine anerkannte Ausbildung haben und Deutsch als Muttersprache. Eine
       Betriebsschließung, eine Insolvenz, eine Krankheit, eine Scheidung mit
       Kindern, Pflegebedürftigkeit, eine Minirente – schwupp, schon ist man in
       der „Grusi“. Das ist Schicksal und kein Stigma. Aber davon ist derzeit
       lieber nicht die Rede.
       
       5 Mar 2026
       
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 (DIR) Barbara Dribbusch
       
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