# taz.de -- Debatte um die neue Grundsicherung: Fördern und Fordern ist zurück
> Der Bundestag diskutiert die neue Grundsicherung, mit der das Bürgergeld
> abgeschafft werden soll. Nicht nur aus der Opposition gibt es Kritik.
(IMG) Bild: Bärbel Bas (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales: Es brauche die Reform, um „neue Chancen“ zu schaffen
Es ist nur eine kleine Gruppe, die am frühen Morgen vor dem
Reichstagsgebäude steht. Auf einem großen Plakat stehen die Worte: „Neue
Grundsicherung – altes Problem. Sanktionen kosten die Wohnung.
Organisierter Steuerbetrug kostet Milliarden.“ Sie protestieren gegen die
[1][geplante Grundsicherung], die der Bundestag am Donnerstag in erster
Lesung diskutiert. Die Debatte zeigt, dass es nicht nur draußen Widerstand
gegen das Gesetz gibt.
Den ersten Aufschlag für die Debatte im Plenum macht Arbeitsministerin
Bärbel Bas. Die SPD-Co-Chefin verteidigt die Verschärfungen am Bürgergeld
und die neue Grundsicherung. Diese brauche es, um „neue Chancen“ zu
schaffen. Das Gesetz sei ein Signal gegen Sozialleistungsmissbrauch. Bas
wirbt um Unterstützung für das Gesetz.
Prominente Kritik kommt in der Aussprache von der ehemaligen Berliner
Juso-Vorsitzenden Annika Klose. Sie sagt, sie könne es nicht mehr ertragen,
„wie auf Bürgergeldbeziehern herumgehackt“ werde. In den Äußerungen sieht
sie eine „faktenfreie Erzählung, die bewusst an der Realität vorbeigeht“.
Klose verteidigt sogar nochmal offensiv das Bürgergeld: Dieses sei wichtig
und ein notwendiges Gesetz gewesen.
Am Ende ihrer Ansprache schwenkt sie etwas notgedrungen doch noch auf die
Linie ihrer Partei ein und sagt, dass die SPD das Bürgergeld nicht
abschaffe, sondern „weiterentwickle“. Geplante Sanktionen wie die
Streichung aller Bezüge bezeichnet Klose als „populistischen Bullshit“.
Entsprechende Regelungen aus Bas’ Gesetzentwurf werde sich das Parlament
„noch einmal anschauen“, kündigte sie an.
Schon im Dezember gab es in der SPD Widerstand gegen die neue
Grundsicherung. Parallel dazu läuft in der Partei der Versuch, ein
[2][Mitgliederbegehren gegen die geplanten Verschärfungen] einzuleiten.
## Schärfere Sanktionen
Laut den Plänen zur Grundsicherung sollen Leistungsbezieher*innen bei
drei versäumten Einladungen zu einem Termin im Jobcenter kein Geld mehr
erhalten. Auch die Übernahme der Wohnkosten kann gestrichen werden.
Psychisch Kranke sollen allerdings davor geschützt werden, betonten sowohl
Union als auch SPD im Bundestag noch einmal. Außerdem soll das eigene
Vermögen der Leistungsberechtigten schneller angezapft werden können, bevor
die Grundsicherung fließt.
Die Union betont im Bundestag, dass mit der Reform die Maxime des „Fördern
und Forderns“ zurück sei. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sieht in
dem Gesetz Gerechtigkeit für jene, „die mit Steuern den Sozialstaat
unterstützen“.
Die mit der Reform angeblich mögliche Kostenersparnis in Milliardenhöhe,
mit der die Union im vergangenen Jahr noch Wahlkampf betrieben hatte,
erwähnt Linnemann im Bundestag nicht. Laut Gesetzentwurf sollen es 2027 nun
gerade mal 69 Millionen Euro sein.
## Scharfe Kritik aus der Opposition
Grüne und Linke bezichtigen die Union deshalb der Lüge. Timon Dzienus von
den Grünen spricht von einer schäbigen Kampagne der Union gegen
Bürgergeldbezieher. Es gebe keine Belege für Sozialbetrug. Für echte
Einsparungen fordert er, sich um Steuerhinterzieher zu kümmern.
Ähnlich fordert es auch Heidi Reichinnek, die Fraktionsvorsitzende der
Linken. Sie bezeichnet die geplanten Änderungen als „Startschuss für den
größten Angriff, den der Sozialstaat erlebt“ habe: Die Hetzkampagne der CDU
habe dazu geführt, dass die Mehrheit der Menschen das Bürgergeld als
ungerecht empfinde.
Die AfD hingegen begrüßt den Vorstoß. Die Abgeordnete Gerit Huy erkennt
Parallelen zu dem eigenen Konzept einer „aktivierenden Grundsicherung“.
Insbesondere die schärferen Sanktionen und den Vermittlungsvorrang begrüßt
Huy. Allerdings geht der Entwurf der AfD nicht weit genug.
15 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Kabinett-beschliesst-neue-Grundsicherung---Buergergeld-wird-abgeschafft/!6139282
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## AUTOREN
(DIR) Jana Laborenz
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