# taz.de -- Regierungsantwort auf Linken-Anfrage: Nudeln mit Ketchup statt Obst und Gemüse
       
       > Die Bundesregierung berechnet derzeit die Höhe der Grundsicherung neu. Ob
       > das Geld für gesunde Ernährung reicht, spielt im Verfahren keine Rolle.
       
 (IMG) Bild: Na dann: Guten Appetit
       
       Für einen Erwachsenen sind im Bürgergeld [1][(ab Juli: neue
       Grundsicherung)] rund 6,50 Euro pro Tag für die Ernährung vorgesehen. Für
       frisches Obst, Vollkornprodukte und Ähnliches ist das oft zu wenig: Es ist
       wissenschaftlich belegt, dass gesunde Lebensmittel meist teurer sind als
       ungesunde. Ein Beirat des Landwirtschaftsministeriums [2][kam vor Jahren
       schon zum Urteil:] Die Regelsätze der Grundsicherung reichten nicht aus,
       „um eine gesundheitsfördernde Ernährung zu realisieren“.
       
       2027 werden die Leistungen voraussichtlich etwas steigen. Die
       Bundesregierung arbeitet derzeit an einem Gesetzesentwurf zur
       Neuermittlung. Ob die Betroffenen von ihrem Geld gut genug essen können,
       spielt dabei aber wieder keine Rolle.
       
       In der Antwort auf eine Bundestagsanfrage der Linksfraktion, die der taz
       vorliegt, erläutert das Sozialministerium die [3][seit Jahrzehnten
       angewandte Berechnungsmethode.] Sie basiert auf Statistiken darüber, wofür
       einkommensschwache Haushalte außerhalb der Grundsicherung und
       Aufstocker:innen ihr Geld ausgeben – und somit auch, wie viel sie im
       Monat für Lebensmittel zahlen. „Ob und inwieweit die gekauften
       Nahrungsmittel eine gesunde Ernährung gewährleistet haben, wird dabei nicht
       erfasst“, schreibt das Ministerium.
       
       Wolle man eine angemessene Ernährung zum Kriterium machen, müsse die
       Berechnungsmethode umgestellt werden – auf das sogenannte Warenkorbmodell:
       Es müsste festgelegt werden, welche Lebensmittel als gesund gelten, wie
       viele es davon im Monat braucht und was das kostet. „Ein solcher Ansatz
       wird von der Bundesregierung abgelehnt“, schreibt das Ministerium weiter.
       Eine Begründung gibt es nicht an.
       
       ## Seit langem kritisiert
       
       Die geltende Berechnungsmethode wird von links seit Langem kritisiert. Zum
       einen, weil die Konsumausgaben der Vergleichshaushalte nicht eins zu eins
       in Bürgergeld und Grundsicherung übertragen werden. Zulasten der
       Leistungsberechtigten greift die Regierung nämlich durchaus in die
       Statistik ein, rechnet Produkte wie Blumen, Adventskränze, auswärtiges
       Essen (bis hin zur Kugel Eis für Kinder) heraus.
       
       Zum anderen, weil ein großer Teil der Vergleichshaushalte so wenig
       Einkommen hat, dass sie selber als arm gelten. Sie leiden ebenfalls unter
       Entbehrungen, sind als Maßstab für das Existenzminimum also fragwürdig. Die
       Linksfraktion leitet aus EU-Statistiken zum Beispiel ab, dass ein Viertel
       der Vergleichshaushalte selber zu wenig Geld für gesundes Essen haben. Kein
       Wunder also, dass es somit für gute Ernährung auch in der Grundsicherung
       nicht reicht.
       
       Die Linken-Abgeordnete Cansın Köktürk kritisiert, dass die neue
       Grundsicherung auf einem „äußerst fragilen Fundament“ stehe. „Erkenntnisse
       aus der Wissenschaft zu Ernährungsarmut, sozialer Ausgrenzung und
       unzureichenden Regelsätzen werden nicht als Grundlage für Entscheidungen
       beachtet, sondern ignoriert oder systematisch relativiert“, sagte sie der
       taz. „Damit stellt sich eine grundlegende Systemfrage: Orientiert sich die
       Bundesregierung tatsächlich an den realen Lebensverhältnissen und an den
       Vorgaben des Grundgesetzes, oder wird hier ein politisch definiertes
       Minimum durchgesetzt, das Unterstützung bewusst auf das absolute Nötigste
       reduziert?“
       
       Zudem kritisiert Köktürk, dass die Regierung Fragen zu Details der
       Berechnungsmethode und der Datengrundlage nicht beantwortet, da diese
       „Gegenstand laufender regierungsinterner Abstimmungsprozesse“ seien. Die
       Linken-Abgeordnete spricht von „gezielter Intransparenz gegenüber Parlament
       und Öffentlichkeit“.
       
       31 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Buergergeld-und-Grundsicherung/!6160118
 (DIR) [2] /Groko-ignoriert-eigene-Beraterinnen/!5759046
 (DIR) [3] /Sozialhilfe-Vom-Warenkorb-zum-Statistikmodell/!1805172/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bürgergeld
 (DIR) Grundsicherung
 (DIR) Kleine Anfrage
 (DIR) Die Linke
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Armut
 (DIR) Steuer
 (DIR) Schwerpunkt Armut
 (DIR) Bürgergeld
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Bericht des Paritätischen Verbands: Alarm: Armut!
       
       Laut Bericht des Paritätischen sind 13,3 Millionen Menschen einkommensarm.
       Betroffen sind Alleinerziehende, Alleinlebende, junge und alte Personen.
       
 (DIR) Konsumsteuer: Kein Zuckerschlecken
       
       Eine Expert:innen-Kommission sieht Möglichkeiten, wie die Bevölkerung
       gleichzeitig gesünder und die Krankenkassen entlastet werden könnten. Mit
       dabei: die Zuckersteuer.
       
 (DIR) Das neue „Grundsicherungsgeld“: Schicksal wird zum Stigma
       
       Die Aggression gegen Arme steigt, wenn die Zeiten härter werden. Doch mehr
       Abschreckung in der neuen Grundsicherung dürfte kaum etwas einsparen.
       
 (DIR) Geplante Abschaffung des Bürgergelds: In der SPD kaum Solidarität mit den Armen
       
       Nur wenige SPD-Mitglieder haben sich bislang an der Kampagne gegen die neue
       Grundsicherung beteiligt. Die Kritik am künftigen Sanktionsregime bleibt.