# taz.de -- Ausschluss vom Buchhandlungspreis: Kulturpolitischer Albtraum
       
       > Wolfram Weimer aktiviert den Verfassungsschutz und verwehrt linken
       > Buchläden einen Preis. Das bedeutet einen Angriff auf die unabhängige
       > Kulturszene.
       
 (IMG) Bild: Der Buchladen „The Golden Shop“ in Bremen steht auch auf der Streichliste
       
       Werden jetzt vor jeder Buchhandlung, die einen Preis bekommen soll, bei
       jedem Kleinverlag, jeder Galerie, überhaupt jedem Kulturprojekt
       unauffällige Damen und Herren postiert, die sich dezent einmal umsehen, ob
       Flyer herumliegen und Solidarität mit Antifa-Projekten geübt wird? Und wird
       Wolfram Weimer in seinem Kulturstaatsministerium Stellen ausschreiben für
       Leute, die die von den Fachjurys abgegebenen Listen daraufhin durchsehen,
       wer gestrichen werden soll, weil er oder sie zu links ist?
       
       Ein kulturpolitischer Albtraum, dem der Kulturstaatsminister jetzt Vorschub
       geleistet hat. [1][Ohne Not verwehrt er drei Buchhandlungen den ihnen
       zugedachten Preis], und das ohne offenbar zu wissen, [2][was ihnen
       überhaupt vorgeworfen wird]. Der Verfassungsschutz gibt Details nicht
       heraus. Wer macht denn jetzt die Kulturpolitik? Der Inlandsgeheimdienst?
       
       Mit dieser Streichung von der Preisliste kündigt Weimer ein
       kulturpolitisches Modell auf, das seine Vorgänger*innen allesamt
       beachtet hatten. Es bestand darin, dass das Kulturstaatsministerium
       rechtliche Rahmenbedingungen klärt und Geld für die Kultur organisiert –
       und dass dieses Geld dann aber von kulturellen Fachjurys verteilt wird, und
       zwar nicht nach politischen Vorlieben, sondern nach kulturellen und
       künstlerischen Kriterien. Die fallen selbstverständlich auch nicht vom
       Himmel und sind immer hinterfragbar, doch so – und nur so – ist die
       Unabhängigkeit der Kultur gewahrt.
       
       Diese Unabhängigkeit ist ein hohes Gut. In Ungarn, in der Slowakei und in
       den USA muss man verfolgen, was geschieht, wenn staatliche Stellen die
       Kulturszene unter Kontrolle bringen wollen. Die AfD wird hierzulande
       sicherlich genau hinsehen, welche Werkzeuge sie in die Hand bekommen kann,
       wenn sie Wahlen gewinnen sollte. Gegen einen scharfen Kulturkampf von
       rechts kann nur eine unabhängige Kulturszene bestehen. Sie aber wird von
       Weimer angegriffen, keineswegs nur die drei betroffenen Buchhandlungen –
       was ja aber auch schon empörend genug wäre. Will Weimer wirklich den
       Kulturkampf?
       
       4 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.zeit.de/feuilleton/ausland/2026-03/deutscher-buchhandlungspreis-wolfram-weimer-verfassungsschutz-linksextremismus-kunstfreiheit
 (DIR) [2] https://www.roter-buchladen.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dirk Knipphals
       
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