# taz.de -- Merz bei Trump, Wolfram Weimer, Iran: Offensichtlich brutaler Blödsinn
       
       > Die USA führen völkerrechtswidrig Krieg gegen Iran, doch Merz gibt sich
       > beim Trump-Besuch als Mitläufer. Wolfram Weimer versagt bei der
       > Meinungsfreiheit.
       
 (IMG) Bild: Besuch beim US-Präsidenten: Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz im Weißen Haus am 3. März 2026
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in dieser Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Rhetorik gegen das [1][Völkerrecht].
       
       taz: Und was wird besser in dieser? 
       
       Küppersbusch: Völkerrecht gegen Rhetorik.
       
       taz: [2][Friedrich Merz’ Besuch bei Donald Trump] wird kontrovers
       diskutiert. Hätte er, statt nur zu lächeln, dem Donald auch mal auf die
       Knie hauen sollen? 
       
       Küppersbusch: [3][Trump würdigte Merz’ „großartige“ und „fantastische“
       Rolle], Starts und Landungen für seinen völkerrechtswidrigen Krieg zu
       erlauben, Merz’ Politik bei Migration und überhaupt, dass er nicht „Angela“
       ist. Merz agierte wie jemand, der bei den Prozessen nach dem Krieg als
       Mitläufer eingestuft werden möchte. Hat früher oft geklappt.
       
       taz: Sollte Baden-Württemberg zukünftig eine wichtigere Rolle spielen? 
       
       Küppersbusch: Özdemirs Wort von den Grünen als „unsere Schwesterpartei“
       deutet an, [4][dass die Grünen die Wahl verlieren], wenn er sie gewinnt.
       Das hat was von Lose-lose-Situation.
       
       taz: Sind die Verlierer des israelischen-amerikanischen Angriffs auf den
       Iran die Iraner? 
       
       Küppersbusch: Die Luftkriegslogik für einen Regime Change ist
       offensichtlich brutaler Blödsinn. Außer, mal wieder, wie immer: Deutschland
       45.
       
       taz: Für den Kölner Dom muss künftig Eintritt gezahlt werden. Kaufen Sie
       eine Dauerkarte? 
       
       Küppersbusch: Auf seiner Homepage weist der Dom ein jährliches Minus von
       240.000 Euro aus, bei rund 1,3 Millionen Besuchern pro Jahr. Daraus
       errechnet sich ein Eintrittspreis von knapp 20 Cent pro Gast, und wir alle
       sind voller Gottvertrauen, dass die katholische Kirche da nichts
       draufschlägt.
       
       taz: [5][Paralympics] wegen Russland, ESC wegen Israel, Fußball-WM wegen
       Trump – das politische Drohmittel der Stunde scheint derzeit der Boykott.
       Besteht der politische Zeitgeist nur noch aus Kindergartengezänk? 
       
       Küppersbusch: Verschiedene Indizes stimmen überein, dass es rund 25 bis 30
       liberale Demokratien weltweit gibt. Tendenz fallend. Wenn nur noch die
       miteinander egal was feiern, wird’s trübe. Warum nicht einfach mal
       aushalten, dass es knirscht?
       
       taz: Der Kultur- und Medienstaatsminister Weimer hat wieder zugeschlagen:
       [6][Diesmal hat er drei Buchhandlungen von einer Preisliste streichen
       lassen]. Für welche Freiheitslobby betreibt dieser Mann Kulturpolitik? 
       
       Küppersbusch: Der „Deutsche Buchhandlungspreis“ ist mindestens auch ein
       Umwegsubventiönchen für die maximal 118 Überlebenden Überlesenden der
       Thalia- und Mayersche-Marktbeherrschung. Kleine Selbstausbeuterixe, die
       weniger als 1 Million Euro Umsatz schaffen und neben Veranstaltungen und
       Lesungen auch kleine Verlage, seltene Titel, lange Backlist anbieten. Vulgo
       – abgefahrenes Zeug, wie man es etwa in einem „linken“ Buchladen findet.
       Dieser Gedanke hat sich dem zuständigen Minister offenbar gar nicht
       erschlossen. Worin man nach seiner Berlinale-Stümperei „bereits den zweiten
       schweren Unfall auf dem Gebiet der Meinungsfreiheit“ sehen kann, wenn man
       die FAZ ist, deren Geduld mit Weimer erstaunlich erschöpft scheint. Wer
       wollte ihr widersprechen.
       
       taz: Die Volksinitiative „200 Franken sind genug!“ stimmt am Sonntag über
       eine drastische Reduktion der Radio- und Fernsehgebühren für die SRG ab.
       Vorbild für den ÖRR? 
       
       Küppersbusch: Mach mal Radio, Fernsehen, Internet für ungefähr so viele
       Einwohner wie Baden-Württemberg, aber in vier Sprachen: Das kostet. Vor
       acht Jahren lehnten über 70 Prozent eine Initiative zur Abschaffung des ÖRR
       – „[7][No billag]“ – deutlich ab. Diesmal versucht’s die
       rechtspopulistische SVP mit einer „Halbierungsinitiative“. Und
       wirtschaftsliberalem Geschenkpapier um die stets gleichen inhaltlichen
       Anliegen. Im Ergebnis steigt der politische Druck auf Redaktionen und sinkt
       die Finanzierung. Diese Abstimmung also können die Rechten gar nicht
       verlieren, so oder so.
       
       taz: Die Kanäle ARD alpha, tagesschau24 und ONE sollen zum 31. Dezember
       2026 abgeschaltet werden. Braucht eh keiner? 
       
       Küppersbusch: ONE hatte zuletzt vor allem die Funktion, abgeschaltet zu
       werden, wenn’s eng wird. ARD-interne Vorratsbratenspeicherung, kaum mehr
       Eigenproduktionen, Marktanteil im Promillebereich. Alpha wird mit Wetter-
       und Weltraumbildern assoziiert, barg jedoch auch Schul- und
       Wissensfernsehen. Ein Politikum ist vor allem das Ende von Tagesschau24,
       ein Herzenswunsch der kommerziellen Wettbewerber WeltTV, also Springer, und
       ntv, also Bertelsmann. Viele Inhalte von Tagesschau24 werden bei ARD
       aktuell sowieso produziert, mit 12 Millionen Euro Jahresetat ist der Sender
       ein Schnäppchen bzw. ungefähr sechs Tatorte. Tendenziell tendenziösen
       Portalen – Bild, Nius, und vielen Netzfunkern – fehlt nun ein Widerlager.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Spiel bei Hoffenheim II gedreht, 4 zu 2 gewonnen, in einem
       bis auf mitgereiste Essener Fans leeren Stadion. Heimsieg! Fragen: dakr
       
       Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und Frühlingsbote. 
       
       Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes stand, ein
       Eintrittsgeld von 2 Cent pro Besucher würde ausreichen, um das Minus des
       Kölner Doms auszugleichen. Tatsächlich wären es 20 Cent, bei der Berechnung
       sind wir um eine Kommastelle verrutscht.
       
       8 Mar 2026
       
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