# taz.de -- Buchläden von Buchpreis ausgeschlossen: Von Bremen geliebt, vom Kulturstaatsminister gecancelt
       
       > Der „Golden Shop“ in Bremen ist eine Institution. Den Buchhandlungspreis
       > bekommt er wegen Extremismusgefahr nicht. Das sorgt vor Ort für
       > Irritation.
       
 (IMG) Bild: Auf jeden Fall politisch: Fassade des „Golden Shop“ in Bremen
       
       „Wo das freie Wort zu Hause ist“, so hat der Kulturstaatsminister im August
       2025 die aktuelle Runde des Deutschen Buchhandlungspreises übertitelt. Der
       Titel ist schlecht gewählt.
       
       Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung (SZ) hat Wolfram Weimer, der
       Beauftragte für Kultur und Medien der Bundesregierung, selbst in die Arbeit
       der Jury eingegriffen: Drei von eigentlich 118 ausgezeichneten
       Buchhandlungen wurden ausgeschlossen. Hingewiesen wurde darauf ursprünglich
       nicht: Es wurden von der Jury einfach nur 115 Preisträger*innen an die
       Medien gemeldet.
       
       Gleich zwei der drei missliebigen Buchhandlungen kommen aus
       Norddeutschland. Neben dem Berliner „Zur schwankenden Weltkugel“ waren das
       laut SZ der linke Göttinger Buchladen „Rote Straße“ und der linke Bremer
       „Golden Shop“. Das Kulturministerium will die drei Namen nicht bestätigen.
       
       Nur so viel gibt es von der Behörde: Laut Ministerium habe es für drei
       Läden „konkrete Anhaltspunkte und Hinweise gegeben“, worauf genau, das wird
       nicht so ganz klar, aber irgendwie auf Extremismus. Erst nach den ersten
       Hinweisen habe man die Verfassungsschutz-Behörden nach den konkreten
       Einzelfällen gefragt – und „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“
       erhalten. Es gab also keine generelle Abfrage aller potenziell zu
       würdigenden Buchhandlungen. „Eine pauschale und routinemäßige Überprüfung
       findet weiterhin nicht statt“, schreibt das Ministerium.
       
       ## Auch Göttinger Buchladen betroffen
       
       Sowohl die Rote Straße als auch der Golden Shop sind auf ihre Art
       Institutionen in ihren Städten. Die Rote Straße gilt als einer der ältesten
       politischen Buchläden der Republik. Das Buchladenkollektiv aus der linken
       Studentenbewegung der 70er hat eine [1][Geschichte mit staatlichen
       Repressionen:] Verkaufsverbote gegen Bommi Baumanns Guerilla-Erfahrungen,
       nach Paragraf 88a („Gutheißen von Straftaten“), Strafverfahren und Razzien,
       um missliebige Schriften zu finden und freche Äußerungen gegen die Justiz
       im Schaufenster zu unterbinden.
       
       Und der Golden Shop? Der bekommt fast nur Liebe, seit er vor 18 Jahren in
       Bremen eröffnet und vor acht Jahren auch noch einen eigenen Verlag
       gegründet hat. Die taz schreibt [2][ohnehin alle paar Jahre über den Golden
       Shop.] Aber auch der linker Umtriebe wenig verdächtige Weser-Kurier
       berichtet immer wieder und findet, der Laden sehe „aus, wie eine
       Buchhandlung aussieht, von der alle sagen, dass alle Buchhandlungen so
       aussehen sollten“. „Frau der Woche“ war Inhaberin Ausma Zvidrina auch schon
       mal bei den „Frauen.Seiten Bremen“, einer lokalen Kulturplattform.
       
       Veranstaltungen, Lesungen und Konzerte organisiert der Golden Shop
       jährlich; zum 8. März will man einen feministischen Bücherstand am Theater
       anbieten, in der Stadtgesellschaft ist man bestens vernetzt. Dreimal wurde
       er mit dem Buchhandelspreis ausgezeichnet. Nominiert war er auch schon für
       den Bremer Buchhandelspreis, den es erst seit fünf Jahren gibt.
       
       Dass sie den Preis im Normalfall bekommen hätten, das hätten sie ohne die
       SZ-Recherchen wohl gar nicht erfahren. „Ich weiß es auch erst seit
       gestern“, erzählt Zvidrina am Mittwoch am Telefon. Ein Freund habe ihr
       abends den Artikel zugeschickt. Vom Team des Buchhandlungspreises hat sie
       bisher noch keine Nachricht bekommen.
       
       ## Sarkastische Reaktionen auf den Kulturstaatsminister
       
       Wie sie in den Fokus des Verfassungsschutzes gekommen ist? „Weil ich
       Weimers Gedichte nicht verkaufe?“, fragt sie sarkastisch zurück. „Einfach
       die falsche Frage. Das klingt, als gäb’s einen Grund. Aber was der
       Verfassungsschutz will, werden wir nie wissen. Die drehen den Kulturkampf
       einfach immer weiter.“
       
       Seit Stunden klingele das Telefon, Medienanfragen. Seit dem Morgen hätten
       aber auch schon mehrere Verlage und Kulturinstitutionen Soli-Mails
       geschrieben, Kund*innen hätten aus Solidarität zusätzliche Bücher
       bestellt, auf Instagram gibt es plötzlich 80 Follower mehr. „Es ist sweet
       zu sehen, dass es den Leuten nicht egal ist“, so Zvidrina. „Aber es geht
       hier auch um eine wirklich heftige Nummer.“
       
       Zwei der 115 Buchhandlungen, die den Preis nicht nur von der Jury bekommen
       haben, sondern auch von Weimer abgesegnet wurden, sitzen in Bremen:
       „Logbuch“ in Walle, selbst schon mehrfach Preisträger. Und die Buchhandlung
       Ostertor, vom Golden Shop aus einmal über die Straße. „Wir sind sehr
       geschockt und ganz schön wütend“, sagt eine der Geschäftsführerinnen. „Wir
       haben uns schon gefreut, nach Leipzig zu fahren, zur Preisverleihung. Aber
       gerade bekommt das einen wirklich üblen Beigeschmack.“
       
       Was genau man machen will, um der „geschätzten Kollegin“ beizustehen, das
       weiß sie noch nicht. „Aber zur normalen Tagesordnung gehen wir nicht über.
       Es wird eine Möglichkeit geben, [3][unsere Solidarität auszudrücken.“]
       
       Aus der Bremer Stadtgesellschaft meldeten sich am Mittwoch zunächst nur die
       Linken per Pressemitteilung und verurteilen den „Angriff auf die
       Kunstfreiheit“. Später am Nachmittag reagiert auch noch Bürgermeister
       Andreas Bovenschulte (SPD). Er sei „über den Vorgang sehr irritiert“.
       
       4 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /50-Jahre-Buchladen-Rote-Strasse/!5881442
 (DIR) [2] /Buchkaufhaeuser/!6111295
 (DIR) [3] /Ausschluss-vom-Buchhandlungspreis/!6159763
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lotta Drügemöller
       
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