# taz.de -- Merz baut Regierung um: Stühlerücken im Kanzleramt
       
       > Nachdem er Thorsten Frei vom Kanzleramt auf den Fraktionsvorsitz
       > weggelobt hat, baut Merz sein Kabinett um. Eine Generalüberholung mit
       > einigen Risiken.
       
 (IMG) Bild: Friedrich Merz und die „Neuen“ im Regierungsteam am 24. Juli vor dem Kanleramt
       
       Die Kulisse passte zum Anlass: Vor der Berliner Großbaustelle des
       Kanzleramtsneubaus präsentierte Friedrich Merz am Freitagmorgen im Garten
       seines Amtssitzes sein teilerneuertes Regierungsteam. Neben dem Kanzler
       postierten sich die bisherige Gesundheitsministerin Nina Warken, die ins
       Kanzleramt wechseln soll, ihr designierter Nachfolger, CDU-Generalsekretär
       Carsten Linnemann, und Digitalstaatssekretär Philipp Amthor, der sich für
       Merz künftig um die Angelegenheiten von Bund und Ländern kümmern soll. „Die
       Personalveränderungen folgen einer klaren Vorgabe“, rahmte der Kanzler
       seinen Umbau: „Wir wollen eine Regierung, die inhaltlich mit größtem Elan
       und mit Freude arbeitet.“
       
       Es ist eine große Rochade, die Merz vornimmt – und doch eine Gleichung mit
       vielen Unbekannten. [1][Gesundheitsministerin Warken, die auch Vorsitzende
       der Frauen-Union ist], hat unter Merz eine steile Karriere hingelegt. Vor
       einem guten Jahr hatte dieser die heute 47-jährige Baden-Württembergerin
       völlig überraschend zur Gesundheitsministerin gemacht, sie war zuvor als
       Innenpolitikerin bekannt und war Parlamentarische Geschäftsführerin der
       Fraktion. Warken hat zuletzt eine Gesundheitsreform mit beachtlicher
       sozialer Schieflage durchgeboxt, die das Defizit der gesetzlichen
       Krankenversicherung kurzfristig schließen soll, auch machte sie auf den
       letzten Metern noch Zugeständnisse an die Pharmaindustrie.
       
       Auf der Habenseite bei Merz aber dürfte über Warken stehen: Die Frau hat
       geliefert. Bundestag und Bundesrat haben die Reform vor der Sommerpause
       beschlossen. Warken werde in der täglichen Regierungsarbeit die wichtigste
       Stütze für ihn sein, sagte der Kanzler und betonte nicht ohne Stolz: „Mit
       ihr wird in das deutsche Bundeskanzleramt zum ersten Mal in der Geschichte
       unseres Landes eine Frau einziehen als Chefin des Kanzleramtes.“ Nun ja,
       auf der gleichen Etage im Kanzleramt residierte auch mal eine gewisse
       Angela Merkel, aber an sie erinnert sich Merz eh nicht so gern.
       
       Die künftige Chefin des Kanzleramtes nahm die Huldigungen sichtlich
       geschmeichelt entgegen. Sie werde die Aufgabe mit Kraft und der nötigen
       Demut angehen, sagte Warken. Als Leiterin des Amtes sitzt sie am zentralen
       Pult im Maschinenraum der Macht, sie muss dafür sorgen, dass Regierung und
       Parlament, Bund und Länder reibungslos zusammenarbeiten, und auch die
       Geheimdienste koordinieren. Eine derart komplexe und zugleich verschwiegene
       Aufgabe hatte Warken bislang nicht, [2][aber wie hatte sie zu Jahresbeginn
       im Interview mit der taz] über ihre überraschende Ernennung zur
       Gesundheitsministerin 2025 gesagt: „Wenn man gefragt wird, dann muss man
       diese Chance ergreifen.“
       
       ## Linnemann kann jetzt mal machen
       
       Von Demut sprach auch ihr designierter Nachfolger als
       Bundesgesundheitsminister. Der sonst so schneidig auftretende Carsten
       Linnemann zappelte sichtlich nervös mit den Fingern. „Mir ist bewusst, dass
       das eine große Aufgabe ist.“ Er gehe sie mit großem Respekt an, „weil die
       Themen Gesundheit und Familie uns doch alle betreffen“.
       
       Linnemann, der als enger Vertrauter von Merz gilt, war bereits bei der
       Regierungsbildung 2025 als Arbeitsminister im Gespräch. Als das Ressort an
       die SPD ging, entschied er sich, Generalsekretär zu bleiben – wohl auch,
       weil er mit dem Koalitionsvertrag und dem Aufweichen der Schuldenbremse
       nicht ganz glücklich war.
       
       Doch zuletzt war es um den knapp 49-jährigen Wirtschaftsliberalen aus
       Paderborn stiller geworden. Im Schatten des Kanzlers konnte er als
       Generalsekretär nicht mehr so richtig punkten. Wenn die Landtagswahlen in
       Ostdeutschland für die CDU im Herbst dramatisch verloren gehen, hätte er
       seinen Posten möglicherweise ohnehin räumen müssen.
       
       Linnemann muss nun mitten im Reformprozess in die Gesundheitspolitik
       einsteigen und auch noch eine Pflegereform auf den Weg bringen. Er gilt als
       Experte für Wirtschaft und Soziales, hat aber die Themen Gesundheit und
       Pflege in den Koalitionsverhandlungen mitverhandelt und findet, dass „zehn
       Krankenkassen in Deutschland reichen“.
       
       Jetzt kann er beweisen, wie sehr er bereit ist, sich mit den Kassen und
       allen weiteren Lobbygruppen anzulegen. Merz gab ihm jedenfalls fast schon
       ermahnend auf den Weg, für die weiteren Reformen brauche es einen Minister,
       der „standfest und reformwillig zugleich ist, auch im Gegenwind“.
       
       ## Weitere Umbauten angekündigt
       
       Auf einen weniger herausgehobenen, gleichwohl wichtigen Posten befördert
       Merz Philipp Amthor, der als Bund-Länder-Koordinator ins Kanzleramt
       wechseln wird. Immer wieder hatte es zwischen dem Bund und Bundesländern
       geruckelt, doch um seine Reformen durchzuziehen, braucht der Kanzler die 16
       Ministerpräsident:innen an seiner Seite.
       
       Amthor stammt aus Mecklenburg-Vorpommern, ist erst 33 Jahre alt, trägt aber
       einen so kauzigen Konservatismus mit Einstecktuch und Goldknöpfen vor sich
       her, als stünde er kurz vor der Rente.
       
       Gepaart mit einer Portion Humor hat es der ältliche CDU-Jungstar als
       Stammgast in die ZDF-„Heute-Show“ geschafft. Doch Amthor, der vor einigen
       Jahren [3][wegen eines Korruptionsskandals seine Kandidatur für den
       CDU-Landesvorsitz in Mecklenburg-Vorpommern zurückzog], gilt vielen in der
       Partei als kluges politisches Talent. Derzeit ist er parlamentarischer
       Staatssekretär im Ministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung.
       
       „Es wird weitere Veränderungen im Bundeskabinett geben“, kündigte Merz
       zudem an. Diese Entscheidungen brauchten aber noch ein paar Tage oder mehr
       Zeit. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll auch der tatenlose
       Verkehrsminister Patrick Schnieder gehen, doch ein Nachfolger soll
       kurzfristig abgesagt haben. So verdampfte Merz' geplanter großer Auftritt
       am Freitag unfreiwillig zur Work-in-progress-Meldung. Den Wechsel von
       Thorsten Frei vom Kanzleramt auf den Fraktionsvorsitz hatte Merz bereits
       verkündet. Frei soll am kommenden Mittwoch von der Fraktion in einer
       Sondersitzung gewählt werden.
       
       ## Von der Gegnerin zur Generalin?
       
       Zuvor sollen die künftigen Minister:innen aber noch ihre
       Ernennungsurkunden vom Bundespräsidenten erhalten, sie sind damit auch
       geschäftsführend im Amt. Ihre Vereidigung könne, so heißt es aus dem
       Kanzleramt, im September nachgeholt werden, für eine Sondersitzung müsse
       der Bundestag nicht zusammengeholt werden.
       
       Als neue Generalsekretärin in der CDU-Zentrale ist Franziska Hoppermann im
       Gespräch. Auch sie hat ihren Aufstieg Merz zu verdanken, dabei kandidierte
       sie im Team mit Norbert Röttgen einst gegen den heutigen Parteichef.
       Derzeit gehört die 44-jährige Hoppermann als Schatzmeisterin dem
       CDU-Präsidium an, im Bundestag sitzt sie im Haushaltsausschuss und im
       Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung, außerdem leitet sie die
       Enquetekommission zur Aufarbeitung der Coronapandemie. Wie Warken ist
       Hoppermann in der Frauen-Union aktiv, sie ist Landesvorsitzende in Hamburg.
       
       Diese Personalie wollte Merz aber ebenfalls noch nicht bestätigen, für
       Montagmittag ist allerdings eine nächste Pressekonferenz anberaumt, diesmal
       im Konrad-Adenauer-Haus.
       
       Nachfragen wollte Merz am Freitag nicht beantworten, stattdessen
       verabschiedete er sich zackig mit den Worten: „Vielen Dank, auf geht’s.“
       
       24 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Lehmann
 (DIR) Sabine am Orde
       
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