# taz.de -- Reaktionen auf Kabinettsumbau: „Das lässt Schlimmes befürchten“
> Die Meinungen zur Nominierung von Carsten Linnemann als
> Gesundheitsminister gehen weit auseinander. Die Opposition kritisiert
> fehlende Expertise.
(IMG) Bild: Als Gesundsheitminister darf Carsten Linnemann jetzt „einfach mal machen“ – aber bitte mit Empathie
Die Reaktionen auf den von Friedrich Merz angeschobenen Kabinettsumbau
gehen weit auseinander. Die SPD stehe „verlässlich in der Koalition bereit“
und freue sich auf die Zusammenarbeit mit den neuen Kolleg*innen, so
SPD-Generalsekretär Klüssendorf. Er bedankte sich bei Carsten Linnemann
„herzlich“ für die „enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit“ und wünscht
für die neue Aufgabe „ein glückliches Händchen“.
SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis schrieb, er freue sich auf
konstruktive Zusammenarbeit mit Linnemann. Für die SPD sei zentral, dass
sich Gesundheitspolitik am Gemeinwohl orientiere. Der ehemalige
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) beschied auf X, man könne mit
Linnemann „gut arbeiten“.
Der bisherige CDU-Generalsekretär Linnemann soll von der Parteizentrale ins
Gesundheitsministerium wechseln, die aktuelle Ministerin Nina Warken soll
die Leitung des Kanzleramts übernehmen. Dort wiederum räumt der bisherige
Chef Thorsten Frei seinen Platz und soll am Mittwoch als Fraktionschef
gewählt werden. Das große Stühlerücken wurde durch den Rücktritt des
bisherigen Fraktionschefs Jens Spahn ausgelöst, der sich nach einer
Leihmutteraffäre selbst schachmatt gesetzt hatte. Weitere Umbauten von
Regierung und Kanzleramt hatte Merz am Freitagvormittag verkündet oder will
dies in den nächsten Tagen tun.
Unterdessen hat die Opposition insbesondere auf die Linnemann-Personalie
mit großer Skepsis reagiert. Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen
sagte der Augsburger Allgemeinen: „Entsteht der Eindruck, dass ausgerechnet
für das Gesundheitsministerium weder gesundheitspolitische Erfahrung,
ministerielle Führungserfahrung noch besondere medizinische Fachkenntnis
entscheidend sind, beschädigt das das Vertrauen – in einer Zeit, in der
dieses Vertrauen ohnehin bereits grenzwertig strapaziert ist.“
## Empathie statt „Einfach mal machen“
Die Herausforderungen im Gesundheitswesen seien gewaltig, schreibt der
Grünen-Politiker. „Sie brauchen kein Motto wie ‚Einfach mal machen‘,
sondern Expertise, Empathie und den konsequenten Fokus auf die Menschen“,
betonte Dahmen mit Verweis auf einen Ausspruch, den Linnemann immer wieder
verwendet. Gleichwohl wünschte er Linnemann „Erfolg für diese
verantwortungsvolle Aufgabe“.
Die Linke sparte sich gute Wünsche. „Linnemann ist ein sozialpolitischer
Hardliner, und das lässt Schlimmes befürchten“, sagte der
Linken-Gesundheitspolitiker Ates Gürpinar der Rheinischen Post. „In Zeiten,
in denen die Bundesregierung den Menschen im Land einen Tiefschlag nach dem
anderen verpasst, wäre es kein gutes Zeichen, wenn jemand Minister wird,
der bisher nur dadurch aufgefallen ist, nach unten zu treten – gerade in so
einem wichtigen Bereich wie Gesundheit und Pflege“, sagte Gürpinar.
Nach einem verpatzten Jahr Schwarz-Rot ziehe Merz die Reißleine, teilten
die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Britta Haßelmann und Katharina Dröge mit.
Sie bezeichnen Merz’ Vorgehen als „Salamitaktik“: Das Kabinett etappenweise
über den Sommer umzubauen, bringe keine Ruhe in die Regierungsgeschäfte.
„Das wirkt weder professionell noch gut durchdacht.“ Sie hofften, der
Veränderungswille betreffe auch die politischen Inhalte. „Bei aller
Skepsis“ wünschten sie alles Gute.
## Politologe sieht Risiken
FDP-Chef Wolfgang Kubicki erinnerte auf der Plattform X an Aussagen, nach
denen die Krankenkassenzahl in Deutschland drastisch reduziert werden und
die Sozialbeiträge bei 40 Prozent des Bruttolohns gedeckelt werden sollten.
Linnemann müsse sich nun beweisen. „Wir werden ihn daran erinnern“, so der
FDP-Chef, der es mit seiner Partei auch wieder ins Parlament schaffen
möchte.
Auch Verbände und Experten äußern sich sowohl gratulierend als auch
besorgt. „Diese teilweise Kabinettsumbildung birgt Risiken“, sagte
Politologe Benjamin Höhne von der TU Chemnitz. „Sie ist nicht das Ergebnis
von gezielter eigener politischer Planung.“
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, sagte der Funke
Mediengruppe, Linnemann stehe „für die Modernisierung bestehender
Strukturen“. Auch im Gesundheitswesen sei dieser Gestaltungswille nötig.
## Einsatz für strukturelle Reformen
Nicola Buhlinger-Göpfarth vom Verband der Hausärzt*innen lobte Linnemann
für seinen Einsatz für Strukturreformen. Er zeige den Willen, die
Bürger*innen auf diesem Weg mitzunehmen. Genau diese Fähigkeiten seien
für den Erfolg der anstehenden Reformen im Gesundheitswesen „essenziell“.
Vom Kuratiorium der Deutschen Altershilfe (KDA) gratulierte Alexia
Zurkuhlen Warken und Linnemann zu ihren neuen Aufgaben. Insbesondere
Linnemann wünsche sie „kluge und ausgewogene Entscheidungen“ bei den
anstehenden Reformen. Die gesellschaftlichen Herausforderungen könnten nur
gemeinsam bewältigt werden. Sie verwies etwa auf die Millionen pflegenden
Angehörige, die durch ihr Engagement nicht zu stark auf dem Arbeitsmarkt
fehlen dürften.
„Bei Pflege geht es um Würde“, sagt Zurkuhlen. Sie müsse als
gemeinschaftliche Aufgabe verstanden werden.
24 Jul 2026
## AUTOREN
(DIR) Adam Schwedhelm
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