# taz.de -- Künftiger Gesundheitsminister Linnemann: Ahnungslos, aber ganz viel Meinung
> Der designierte Gesundheitsminister Carsten Linnemann macht aus seinem
> fehlenden Fachwissen kein Geheimnis. Im Gesundheitswesen will er erst mal
> aufräumen. Einfach mal machen.
(IMG) Bild: Arbeiter im Weinberg seines Herrn: Merz’ neuer CDU-Gesundheitsmann Carsten Linnemann
Mit Blick auf sein neues Aufgabengebiet hat der designierte
Gesundheitsminister Carsten Linnemann jetzt überraschend festgestellt, dass
da „ganz schön viel Musik drin“ ist. Aber er bittet um Geduld. „Hier und
da“ müsse er als [1][neuer Chef des Gesundheitsministeriums mit
22-Milliarden-Euro-Etat] „einfach noch tiefer einsteigen“, sagte der
scheidende CDU-Generalsekretär in einem Instagram-Video. Jedenfalls habe er
„einen Höllenrespekt vor dieser Aufgabe“. Der Wirtschaftsliberale hätte
auch sagen können: Ich habe keine Ahnung von der Materie.
Sinngemäß wiederholte er damit, was er bereits vor etwas mehr als einem
Jahr dem Sender Phoenix zu Protokoll gegeben hatte. Nach Abschluss der
Koalitionsverhandlungen mit der SPD war Linnemann seinerzeit bei der
Vergabe der Ministerposten leer ausgegangen. Er wollte gern das Arbeits-
und Sozialministerium übernehmen, das ging aber an die SPD. Im
[2][Interview mit Phoenix Anfang Mai 2025] erklärte der Paderborner
schließlich, dass er sich auch ohne Ministeramt „pudelwohl“ fühle.
Und überhaupt: „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten als
Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen. Die
Leute hätten gesagt: ‚Warum wird der Gesundheitsminister? Was hat der damit
zu tun?‘ Und deswegen: Schuster, bleib bei deinen Leisten, mach das, was du
kannst.“ Nun macht er also doch das, was er nach eigenen Angaben nicht
kann.
Immerhin hat Linnemann viele Meinungen, auch zur Gesundheitspolitik. Etwa
die, dass mal aufgeräumt werden müsse bei den Krankenkassen. „Wir haben
immer noch über 90 Krankenkassen, die in der Regel die gleichen Leistungen
anbieten. Riesen Verwaltungsvolumen, da müssen wir ran. Mindestens die
Hälfte. Ich finde, 10 Krankenkassen in Deutschland reichen“, sagte er dem
Sender RTL im April.
## Arbeiten bis zum Umfallen
In der Bild-Zeitung legte er am Samstag nach: „Es wird nicht einfach
werden“, erklärte Linnemann. Aber er werde die Reduzierung der
Krankenkassenzahl „ganz klar“ angehen.
Linnemann hat sich in der Vergangenheit auch regelmäßig mit Klagen
hervorgetan, die Menschen in Deutschland würden zu wenig arbeiten. Nichts
gegen Work-Life-Balance, erklärte er 2025: „Aber man hat manchmal den
Eindruck, dass es nicht mehr um Work-Life-Balance geht, sondern um
Life-Life-Balance.“ Auch würden viel zu viele Rentner:innen mit dem
Erreichen des Renteneintrittsalters auf der faulen Haut liegen, obwohl sie
durchaus länger arbeiten könnten.
Der 48-jährige promovierte Volkswirt selbst arbeitete vor seiner Zeit als
Abgeordneter ein Jahr in der Buchhandlung seiner Eltern in Paderborn und
später – nach seinem Studium – noch einmal gut drei Jahre für die Deutsche
Bank Research in Frankfurt am Main und die Deutsche Industriebank in
Düsseldorf. Seit 2008 sitzt er für die CDU im Bundestag. Sein Fachgebiet
ist Arbeit und Soziales. In den Koalitionsverhandlungen hat er gleichwohl
die Themen Gesundheit und Pflege mitverhandelt.
Am Freitag wurde Linnemann [3][von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als
neuer Gesundheitsminister] präsentiert. Er tritt die Nachfolge der
künftigen Kanzleramtsministerin Nina Warken (ebenfalls CDU) an, die
freilich bei ihrem Amtsantritt 2025 genauso wenig Ahnung von
Gesundheitspolitik hatte. Mittlerweile, heißt es von Beobachter:innen, habe
sie sich eingearbeitet. Das nützt nun auch nichts mehr.
## Sehnsucht nach dem Adenauer-Haus
In seinem aktuellen Instagram-Post betonte Linnemann nebenbei, wie
glücklich er doch als CDU-Generalsekretär war. „Jetzt melde ich mich
nochmal aus dem Konrad-Adenauer-Haus, hier aus meinem, ja, super Büro“,
sagte der Parteisoldat. „Der Kicker steht da noch, den werde ich vermissen,
noch mehr natürlich die Kolleginnen und Kollegen im Haus, aber auch die
ganze Aufgabe. Wer mich kennt, weiß, ich habe das hier einfach gerne
gemacht, aber es kommt manchmal anders, als man denkt.“
Im Interview mit der Bild verwies er am Samstag darauf, dass sein
bisheriges Hauptanliegen die Abschaffung des Bürgergelds gewesen sei.
„Jetzt ist das Bürgergeld Geschichte.“ Deshalb könne er sich nun dem
Gesundheitswesen zuwenden. Auch dort gebe es ja „einen erheblichen
Reformdruck“. Das sei auch der Grund gewesen, „warum mich der Bundeskanzler
gebeten hat, das Ressort zu übernehmen“.
25 Jul 2026
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(DIR) Rainer Rutz
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