# taz.de -- Seinem Rausschmiss zuvorgekommen: Was Schnieder schaffte
       
       > Der Bundesverkehrsminister muss weichen. Dabei ist seine Bilanz eher
       > ernüchternd als schlecht. Einiges gelang, anderes scheiterte an Geld –
       > oder Zeit.
       
 (IMG) Bild: Glückloser Verkehrsminister Patrick Schnieder (li) mit Bahnchefin Evelyn Palla: Die Bahn bleibt erst mal ein Problembär
       
       Am Sonntagabend reichte es Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU).
       Er ließ verlauten, dass er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) um seine
       Entlassung bitten will. „Mit diesem Schritt ziehe ich die Konsequenzen aus
       den Entwicklungen der vergangenen Tage und will zugleich den unwürdigen
       Zustand beenden, der die notwendige sachliche Arbeit unmöglich macht“, hieß
       es in einer Erklärung an die Deutsche Presse-Agentur.
       
       Denn seit dem vergangenen Freitag ist klar, dass er weichen soll. Merz ist
       seine Arbeit offenbar nicht gut genug, ersetzen wollte er Schnieder wohl
       durch Fritz Güntzler, einen mit der Verkehrspolitik gar nicht vertrauten
       CDU-Politiker – der aber seinerseits absagte. Wer Schnieder nun ablösen
       soll, ist noch nicht bekannt.
       
       Die Vorgänge sagen einiges aus über Merz’ Wertschätzung sowohl für
       Schnieder als auch für sein Ressort, den Verkehr. Dabei ist Schnieders
       bisherige Bilanz zwar durchwachsen, aber auch nicht durchweg mau.
       
       Auf der Habenseite stehen die Veränderungen im Bahnkonzern. Bahnchef Lutz
       musste gehen, Evelyn Palla übernahm und versucht seither, bei der Deutschen
       Bahn aufzuräumen. Mit seiner „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“
       gab der Minister die Richtung vor. Sonderprogramme sollen für mehr
       Sauberkeit, Sicherheit und verlässlichere Informationen sorgen.
       
       Bei den großen strukturellen Veränderungen aber hat Schnieder glücklos,
       teilweise wenig ambitioniert gehandelt. Da war zunächst die gescheiterte
       Besetzung des Chefpostens bei der Netzsparte DB InfraGO [1][durch den
       externen Manager Dirk Rompf] im September 2025. Der Wechsel war schlecht
       vorbereitet und wurde von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG)
       verhindert. Zudem überließ Schnieder Bahnchefin Palla den
       Aufsichtsratsvorsitz der InfraGO, statt die Infrastruktursparte durch einen
       externen Aufsichtsrat unabhängiger von Konzerninteressen zu machen.
       
       ## Sorgenkind Deutsche Bahn
       
       Generell blieb die Deutsche Bahn das größte Problem des Verkehrsministers.
       Die Züge sind notorisch unzuverlässig, das Schienennetz ist überlastet und
       marode. Bei den Korridorsanierungen [2][bleiben die Ergebnisse hinter den
       Erwartungen zurück], etwa wegen des Verzichts auf die digitale
       Zugsteuerung. Schnieders Pech: Diese Schwierigkeiten zu beheben braucht
       Zeit.
       
       Obwohl für die Bahn in diesem Jahr mit über 18 Milliarden Euro mehr Geld
       bereitsteht als je zuvor, reichen die Mittel bei Weitem nicht aus. Für den
       Aus- und Neubau fehlen Milliarden, weil der Verkehrshaushalt
       zusammengestrichen wurde und aus dem Sondervermögen für Infrastruktur nur
       die Instandhaltung finanziert wird. Als Schnieder dies beklagte, stieß er
       in der Regierung auf Kritik.
       
       Wichtige andere Aufgaben hat Schnieder derweil noch nicht richtig
       angepackt. Dazu gehört ein InfraPlan, mit dem die Ausbau- und
       Instandhaltungsziele des Schienennetzes konkretisiert und über fünf Jahre
       hinweg festgelegt werden. Er liefert auch die Basis für eine verlässliche
       Finanzierung in diesem Zeitraum.
       
       Außerdem fehlt bisher eine Reform des Trassenpreissystems. Die
       Nahverkehrsunternehmen müssen [3][aufgrund eines Urteils des Europäischen
       Gerichtshofs] mehr für die Nutzung der Schienen bezahlen und geraten
       deshalb finanziell unter noch größeren Druck. „Es drohen Einschränkungen im
       Angebot“, warnt etwa der Bundesverband Schienennahverkehr.
       
       Erfolgreicher war Schnieder mit der geplanten Erleichterung der
       Fahrausbildung. Sie soll den Erwerb des Führerscheins erschwinglich machen.
       Auch das [4][Gesetz zur Beschleunigung von Zukunftsinvestitionen] wertet
       Schnieder als Erfolg für sich. Dem steht allerdings die Kritik der
       Umweltverbände gegenüber, die darin ein Schlupfloch zur Zerstörung von
       Natur befürchten.
       
       26 Jul 2026
       
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