# taz.de -- Fall Fernandes und Ulmen: Ich will mit Männern leben
       
       > Überall ist der Hass der Männer gegen uns Frauen sichtbar. Doch ich will
       > ein Zusammenleben trotzdem nicht aufgeben.
       
 (IMG) Bild: Oft sind die Täter Männer, mit denen Frauen ihr Bett teilen
       
       Wenn ich meine Instagram-Timeline vom vergangenen Wochenende in einem Wort
       zusammenfassen sollte, wäre es: Wut. Es sind vornehmlich Frauen, die
       posten, sie können, wollen und werden nicht mehr aushalten, wie der Hass
       der Männer tagtäglich auf uns einschlägt. Es war einer dieser Momente, in
       dem ein feministisches Wir spürbar war. Ein Wir, das aufschreit. Das sagt:
       Es kann so nicht weitergehen. Grund für den Aufschrei waren die Vorwürfe,
       die die [1][Schauspielerin Collien Fernandes gegenüber ihren Ex-Mann
       Christian Ulmen erhebt].
       
       Bei den Vorwürfen geht es um digitale Gewalt, um das Erstellen von
       Fake-Profilen und pornografischen Deepfakes, aber auch um körperliche
       Übergriffe. Fernandes hatte sie bei Instagram öffentlich gemacht, [2][der
       Spiegel berichtete am Donnerstag ausführlich]. In Spanien, wo Fernandes
       Anzeige erstattet hat, laufen derzeit Ermittlungen. Christian Ulmen ließ
       die Fragen des Spiegels unbeantwortet, auch eine Anfrage der taz blieb ohne
       Antwort. Sein Anwalt Christian Schertz spricht von einer in großen Teilen
       „unzulässigen Verdachtsberichterstattung“. Für Ulmen gilt die
       Unschuldsvermutung.
       
       Die kollektive Wut der Feministinnen, die nicht nur in sozialen Medien,
       sondern auch auf der Straße zu hören ist, richtet sich nicht gegen ein
       Monster allein. Es ist ein Ausbruch über den Zustand, in dem wir leben und
       an dem sich trotz allen Recherchen, trotz #MeToo, trotz so vieler Männer,
       die sich gern als Feministen bezeichnen, nichts ändert. Unter die Wut
       mischten sich weitere Gefühle. Bewunderung für Collien Fernandes, die
       entschieden hat, dass die Scham die Seite wechseln muss. Aber auch Trauer
       und Resignation: Wie soll das weitergehen mit uns und den Männern?
       
       ## Eine Antwort gefunden
       
       Diese Frage hat sich auch [3][die französische Philosophin Manon Garcia
       gestellt,] nachdem sie Monate lang den Prozess um Gisèle Pelicot verfolgt
       hat. Dort hat sie Videos gesehen, in denen Männer reihenweise eine
       bewusstlose Frau vergewaltigen. Sie hat Männer gesehen, die zum Prozess
       gekommen sind, weil sie diese Videos als pornografisches Material
       begreifen. Sie hat über Monate grausame Schilderungen gehört, gelesen und
       gesehen und fragt sich daraufhin: Wie soll ich jetzt in meine
       heterosexuelle Beziehungen zurückgehen? Wie sollen wir Frauen mit Männern
       leben? Wie soll das gehen, wenn sie uns hassen?
       
       In den letzten Tagen höre ich von immer mehr Frauen, die eine Antwort auf
       diese Fragen gefunden haben. Sie wollen nicht mehr mit Männern leben. Sie
       meiden sie, sie wollen sie nicht mehr lieben und daten, sie brechen
       Kontakte ab. Männer sind nur noch Randnotiz in ihrem Leben, sagt eine. Ich
       bleibe im Zölibat, eine andere.
       
       Ich kann die Entscheidung dieser Frauen nachvollziehen, [4][schrieb selbst
       in der taz vor einigen Wochen] – nachdem die Epstein-Files weitere grausame
       Details über ein elitäres Netzwerk aus Vergewaltigern offenlegte –, dass
       ich langsam nicht mehr weiß, wie ein Zusammenleben der Geschlechter
       funktionieren solle. Es gibt zu viele Berichte von Männern, die Frauen und
       Kinder schlagen, unter Drogen versetzen, vergewaltigen. Es gibt zu viele
       Zahlen, die beweisen, dass die Männer nicht die Minderheit sind, sondern
       dass Gewalt gegen Frauen, Queers und Kinder Alltag ist.
       
       ## Meine Welt soll nicht kleiner werden
       
       Doch trotz allem funktioniert für mich die Antwort nicht. Ich möchte mit
       Männern leben. Möchte Zugang zu allen Räumen haben, will mich nicht
       einschränken und meine Welt kleiner werden lassen. Aber es geht nicht nur
       darum, was ich persönlich möchte. Ich fürchte auch die gesellschaftlichen
       Konsequenzen, wenn die Antwort, auf die Frage, wie wir mir Männern leben
       können, lautet: Es geht nicht.
       
       Patriarchale Strukturen bekämpfen wir nicht, indem wir uns aus allen Räumen
       zurückziehen, in denen Männer dominieren. Denn das sind im Patriarchat eine
       ganze Menge. Auch droht Gefahr, wenn wir die Verantwortung auf die
       Individuen abschieben. Denn was passiert mit einer Frau, die sich
       entschließt weiter mit Männern zu leben? Ist sie dann selbst schuld, wenn
       sie Opfer wird?
       
       Wenn ein Zusammenleben der Geschlechter funktionieren soll, sind jetzt die
       anderen gefragt. Es sind Männer, die dafür sorgen müssen, dass wir weiter
       mit ihnen leben können. Sie müssen unsere kollektive Wut teilen. Sie sollen
       hart werden im Kampf gegen jede Form von patriarchaler Gewalt und weich
       werden in ihrer Männlichkeit. Anders wird es nicht gehen. Anders können wir
       nicht weiter mit ihnen zusammenleben.
       
       22 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Pornografische-Deep-Fakes/!6164415
 (DIR) [2] https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/collien-fernandes-erstattet-anzeige-gegen-ex-mann-christian-ulmen-a-6abfb991-1665-4469-9c8e-3cc5a2cb4f29
 (DIR) [3] /Buch-ueber-den-Pelicot-Prozess/!6112638
 (DIR) [4] /Gewalt-gegen-Frauen/!6150981
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Carolina Schwarz
       
       ## TAGS
       
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