# taz.de -- Schutz vor sexualisierter Gewalt: Spanien plant Gesetz gegen digitale Gendergewalt
> Das Land auf der Iberischen Halbinsel ist Vorreiter, wenn es um Schutz
> von Frauen geht. Nun will die Regierung Frauen auch vor Deepfakes
> schützen.
(IMG) Bild: Am Internationalen Frauentag 2026 fordern Spaniens Frauen ein Ende geschlechtsspezifischer Gewalt
Die Schauspielerin [1][Collien Fernandes hat ihren Ex-Mann Christian Ulmen
nicht in Deutschland angezeigt, sondern in Spanien]. Das Paar lebte einige
Zeit auf Mallorca. Ausschlaggebend dürfte aber die für Frauen deutlich
bessere Rechtslage in Spanien sein.
Das Land auf der Iberischen Halbinsel ist seit Jahren Vorreiter, wenn es um
Schutz von Frauen vor Gewalt geht. Seit 2004 ist ein Gesetz gegen
geschlechtsspezifische Gewalt in Kraft. Justiz, Polizei und Sozialbehörden
werden in Sachen Gendergewalt geschult, ein eigenes Notfalltelefon wurde
eingerichtet. Jedes Amtsgericht im Lande hat eine eigene Kammer zur
Bearbeitung von Gendergewalt mit speziell ausgebildeten RichterInnen.
Seit Ende 2022 ist ein [2][Gesetz zur sexuellen Selbstbestimmung in Kraft,
das im Volksmund „Nur Ja ist Ja“ genannt] wird. Es stellte die explizite
Zustimmung der Frau zu sexuellen Handlungen über alles. Es stellt nicht nur
direkte Übergriffe unter Strafe, sondern auch Belästigungen,
Exhibitionismus, sexuelle Provokation, sexuelle Ausbeutung, Missbrauch
Minderjähriger, Genitalverstümmelung, Zwangsehe, Menschenhandel zum Zweck
der sexuellen Ausbeutung sowie die Verbreitung sexueller Gewaltakte in
digitalen Medien und die sexuelle Erpressung etwa in sozialen Netzwerken
oder Chats.
## Neues Gesetz gegen Deepfake
Mit einem neuen Gesetz will Spanien aktuell nun den Schutz gegen digitale
Gendergewalt noch ausbauen. Die Regierung will gegen Deepfake-Fotos und
-Videos vorgehen. Ein Gesetzentwurf, der dem Parlament vorliegt, sieht vor,
den Schutz der Persönlichkeitsrechte, der Privatsphäre und des Rechts auf
das eigene Bild zu stärken, indem das Recht auf das eigene Bild neuen
Bedingungen im digitalen Umfeld angepasst wird.
Die Verwendung der Stimme oder des Bildes einer Person ohne deren
Einwilligung im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz oder ähnlichen
Technologien (Deepfakes) wird als illegal eingestuft. Bilder aus sozialen
Netzwerken dürfen nur dann von anderen – auch unbearbeitet – benutzt
werden, wenn dies dort ausdrücklich vermerkt ist. Bei Personen unter 16
Jahren ist eine Zustimmung zur Nutzung von Bildern und Stimme grundsätzlich
nicht möglich.
Die Verbreitung von Deepfakes soll mit Haftstrafen zwischen einem und zwei
Jahren bestraft werden. Der Gesetzesentwurf ist die Reaktion auf mehrere
Skandale, wie der an einer Schule Almendralejo in Zentralspanien, wo
mehrere Jugendliche mit KI erstellte sexuellen Bilder von rund 30
Klassenkameradinnen im Alter von 13 und 14 Jahren in Chatgruppen
verbreiteten. Laut einer Umfrage von Save the Children ist in Spanien jeder
fünfte Jugendliche – vor allem Mädchen – schon einmal Opfer dieser
Fälschungen geworden.
Die spanische Agentur für Datenschutz verhängte im vergangenen Herbst
erstmals in Europa ein Bußgeld in Höhe von 2.000 Euro für die
Veröffentlichung eines künstlich erstellten Nacktfotos. Weder Täter noch
Opfer wurden bekannt gegeben. Aber die Presse geht davon aus, dass es sich
um einen der Jugendlichen aus der Schule in Almendralejo handelt.
Die Programme künstlicher Intelligenz sind immer leichter zugänglich, was
die Zahl der Deepfakes in den letzten Jahren deutlich zunehmen ließ. Bei 98
Prozent handelt es sich – so das staatliche Fernsehen TVE – um sexuelle und
pornografische Bilder und Videos.
Das Jugendministerium in Spanien forderte jüngst die Staatsanwaltschaft
auf, gegen X zu ermitteln. [3][Dort erlaubte es die plattformeigene
künstliche Intelligenz Grok,] Menschen mit nur wenigen Klicks
„auszuziehen“.
20 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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