# taz.de -- Auch bekannte Politikerinnen dabei: Tausende bei Demo gegen digitale sexuelle Gewalt in Berlin
> Betroffene berichten bei einer Demo über Fake-Profile und Deepfakes. Es
> kommen deutlich mehr als die ursprünglich 500 angemeldeten Teilnehmer.
(IMG) Bild: Demonstration gegen sexualisierte digitale Gewalt in Berlin: Die Polizei sprach von 6.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Veranstalter von 13.000 Menschen
dpa | Mehrere tausend Menschen haben in Berlin an einer Demonstration
„Gegen sexualisierte digitale Gewalt – Solidarität mit allen Opfern“
teilgenommen. Sie versammelten sich am Nachmittag am Brandenburger Tor auf
dem vollständig gefüllten Pariser Platz. Auf Plakaten stand:
„Menschenrechte auch im Internet“ und „Die Scham muss die Seiten wechseln“.
Die Polizei sprach von 6700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die
Veranstalter von 13.000 Menschen.
Unter den überwiegend jungen Demonstrantinnen und Demonstranten waren auch
bekannte Politikerinnen wie Saskia Esken (SPD), Ricarda Lang, Lisa Paus und
Katrin Göring-Eckardt (alle Grüne).
## Luisa Neubauer: Personenschutz wegen Bedrohung durch Männer
Die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer sagte in ihrer Rede: „Es ist ein
so entscheidendes Zeichen, dass wir keine Sekunde Ruhe geben.“ Mehrfach
betonte sie: „Ich würde mich gerne nur ins Klima kümmern. Aber es geht
nicht. Nicht in dieser Gesellschaft und dieser Zeit und [1][bei diesen
Männern].“
Seit fünf Jahren brauche sie Personenschutz der Polizei, wenn sie zu
Demonstrationen gehe, weil es Bedrohungen von Männern gebe, sagte Neubauer.
Immer wieder melde sich das LKA bei ihr, weil es Stalker gebe, real und im
Internet. Eine Hilfsorganisation berichte ihr, dass das Internet voll sei
mit [2][sexualisierten Fakebildern] von ihr. Erstellt offenbar von Männern,
die Gewaltfantasien hätten, die eine Sucht hätten nach Kontrolle und
Abwertung von Frauen. „Solange diese Gewalt herrscht, kämpfen wir für
Gesetze, die die Täter nicht länger schützen, sondern die Opfer.“
## Gewalt „bleibt in den Suchmaschinen in den Köpfen“
Theresia Crone, eine weitere Klimaschutzaktivistin, sagte: „Digitale Gewalt
endet nicht so richtig. Sie bleibt in den Suchmaschinen in den Köpfen.“ Sie
berichtete von einem Fake-Profil mit ihrem Namen und Gesicht und Fotos von
sexuellen Situationen und Gewalt. Sehr lange habe es gedauert, bis ein
Täter bestraft worden sei. Und so etwas passiere tausendfach.
Die Kundgebung am Brandenburger Tor fand nach Angaben der Veranstalter
wegen der aktuellen Diskussion in Solidarität mit der Moderatorin und
Schauspielerin Collien Fernandes (44) statt. Hintergrund sind schwere
[3][Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler
Christian Ulmen], über die zuerst der „Spiegel“ berichtet hatte. Ulmens
Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die
Berichterstattung an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige
Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen
aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“.
## Cyberstrafrecht soll reformiert werden
Fernandes warb ebenfalls für die Demonstration und schrieb bei Instagram:
„Sexuelle Gewalt, physische und psychische Gewalt sind weiter verbreitet,
als man ahnen mag. Sie finden statt, in der Mitte unserer Gesellschaft.“
Auf Bundesebene hatten Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart,
das Cyberstrafrecht zu reformieren und Strafbarkeitslücken zu schließen,
etwa „bei bildbasierter sexualisierter Gewalt. Dabei erfassen wir auch
Deepfakes“, heißt es darin. Bundesjustizministerin [4][Hubig hatte
angekündigt, noch im Frühjahr einen Gesetzentwurf vorzulegen].
22 Mar 2026
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