# taz.de -- Der Fall Fernandes/Ulmen: Seid leise, Männer!
> Die Debatte über die Vorwürfe virtueller Vergewaltigung kreist auch
> darum, ob und wie sich Männer verhalten sollen: Klappe halten oder
> solidarisieren?
(IMG) Bild: Soll Mann dahin gehen? Demonstration gegen sexuelle Gewalt und in Solidarität mit der Schauspielerin Collien Fernandes am Sonntag
Uff. Zum Glück waren am Sonntag Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz. Da
konnte man sich als nachrichtenorientierter Journalist mit – ja, wie so oft
– [1][Männern in der Politik] beschäftigen und vor der Beantwortung der
anderen Frage drücken: Geht man, gehe ich, oder, präziser gesagt, geht Mann
[2][zur Demo ans Brandenburger Tor]? Da wo dann Tausende protestierten.
Gegen [3][sexualisierte Gewalt im Netz].
Denn ehrlich gesagt, die Beantwortung der Frage ist nicht einfach. Geht man
da hin als Mann, bestünde die Gefahr, dass ein Teil der dort
Demonstrierenden das als zwar solidarische Unterstützung sehen würde,
vielleicht sogar vorher eingefordert hatte. Ein anderer Teil aber würde
einen solchen Akt des solidarischen Beistehens als Übergriff sehen.
Wobei ich als Erstes mal das Wort „Gefahr“ wieder streichen sollte. Es ist
in diesem Zusammenhang völlig unangemessen. Die Eventualität, von einer
Frau die Meinung gegeigt zu bekommen, als Gefahr zu bezeichnen, kann
tatsächlich nur von einem Mann kommen.
Noch wichtiger aber ist, damit hier erst gar kein falscher Eindruck
entsteht: Es ist absolut kein Fehler „der Frauen“, dass die sich mal wieder
uneinig sind. Im Gegenteil. Denn es ist völlig nachvollziehbar, dass jede
einzelne ihre eigenen Konsequenzen aus diesen männlichen Übergriffen zieht.
Und dass Männer, also wir, also ich, eine eigene Antwort suchen. Müssen.
Müssen?
Die Scham ist auf unserer Seite. Auch wenn wir, wenn ich, weit davon
entfernt bin, meine Partnerin – ob nun real oder virtuell – vor allem aber
gegen ihren Willen für die sexuellen Triebe anderer Menschen zur Verfügung
zu stellen.
## Männer versuchen sich an einer Haltung
Aber wir sind, ich bin, Teil einer männlich dominierten Gesellschaft, die
Pornoindustrie zum lukrativen Geschäft macht. Die Frauen immer wieder zum
Objekt sexueller Begierden degradiert, sodass sie Angst haben müssen, wenn
sie in einsamen Ecken einem Mann begegnen. Oder auch nur: Die den
Gesprächston ändert, wenn keine Frauen im Raum sind. Zuletzt etwa auch
[4][in der taz-Redaktion beim Frauenstreik]. Nicht der verunsicherte Mann
ist das Problem, sondern der verunsichernde.
Und was heißt das jetzt?
Seit der Spiegel seine Recherchen [5][über Christian Ulmen und seine
Ex-Frau Collien Fernandes] veröffentlicht hat, haben zahlreiche Männer sich
an einer Haltung dazu versucht.
Exemplarisch genannt sei hier Benjamin von Stuckrad-Barre. Der hat sich am
Wochenende [6][in einem Statement] lang und breit von seinem Freund
Christian Ulmen distanziert. Richtig so? Auch, wenn sich der Text des
Meisters der Popliteratur liest, als sei er mit KI zusammengestöpselt?
Geschenkt.
Was auffällt, ist, wie oft er das Wort „müssen“ verwendet. Wir müssen
anerkennen, wir müssen als bekannt voraussetzen, wir müssen uns abgewöhnen.
Aber wenn ein Mann nur tun muss, was ein Mann tun muss, dann kommt selten
Gutes dabei raus. Selbst wenn es noch so gut gemeint ist.
Wir Männer müssen gar nichts. Wir könnten aber einiges, wenn es denn
wirklich einer Einsicht entspringt. Vielleicht sollte Mann als Erstes
lernen, gelegentlich mal ganz dezent die Klappe zu halten.
Für [7][die feministaz], die zum Frauenkampftag am 8. März erschienen ist,
wurden [8][Männer aus der taz-Redaktion zum Gespräch] gebeten. Auch zur
Frage, wann ein Mann ein guter Feminist ist. Daneben lieferte ein Text von
Jacinta Nandi die Antwort: [9][Seid Feministen, aber bitte leise!]
Ich finde, sie hat Recht und Mann sollte sich das zu eigen machen – und in
einem taz-talk in gewohnt breitbeiniger Manier in die Welt hinausposaunen?
Leise sein, fällt Männern schwer. Uff.
23 Mar 2026
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(DIR) [7] /Feministaz/!t6156438
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(DIR) [9] /Maenner-und-Feminismus/!6154330
## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
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