# taz.de -- Mitgründerin des Feminist Fight Club: „Allein fünf meiner Freundinnen haben digitale Gewalt erlebt“
       
       > Ein neues Bündnis zeigt sich solidarisch mit Collien Fernandes und
       > fordert Strafen für Deepfakes. Für Sonntag ruft es zur Demo vors
       > Brandenburger Tor.
       
 (IMG) Bild: Bleibt leider aktuell: Aktion am Tag gegen digitale Gewalt vor dem Reichstagsgebäude, Januar 2025
       
       taz: Frau Bönisch, Sie haben am Freitag ein Bündnis namens „Feminist Fight
       Club“ gegründet. Wie kam es dazu? 
       
       Kira Böhnisch: Ich habe am Freitag im Spiegel über Collien Fernandes
       gelesen und dachte: „What the fuck!“ Es war ja bekannt, dass [1][Deepfakes]
       von ihr erstellt wurden, die sie in sexuellen Posen zeigen, und dass eine
       andere Person sich für sie ausgegeben hat und mit anderen Männern
       Sexnachrichten ausgetauscht hat. Fernandes vermutet, [2][dass dahinter ihr
       Ex-Mann steckt], der dies bislang abstreitet, aktuell laufen dazu
       Ermittlungen. Aber ganz egal, wer der Täter war: Dieser Fall ist ein
       weiterer Beleg, wie sehr das Patriarchat uns Frauen gefährdet.
       
       taz: Hat Sie die Nachricht auch persönlich getroffen? 
       
       Bönisch: Ja, das hat mich unfassbar wütend gemacht. Ich selbst bekomme eher
       Hass auf Social Media für meinen Aktivismus. In unserem Bündnis ist eine
       Frau, die eine virtuelle Vergewaltigung hinter sich hat. [3][Sie heißt
       Theresia Crone und hatte das auch öffentlich gemacht]. Und allein fünf
       meiner Freundinnen haben digitale Gewalt erlebt. Wir wollen nicht, dass
       diese Enthüllung folgenlos bleibt – wie so oft bei sexualisierter Gewalt,
       denken wir nur an [4][die Causa Epstein].
       
       taz: Wer ist der Feminist Fight Club und wie viele sind Sie? 
       
       Bönisch: Initiiert hat das [5][die Initiative Nur-Ja-Heißt-Ja]. Wir sind
       ungefähr 20 FLINTA [das steht für Frauen, Lesben, Nicht-binäre, Trans und
       Agender, Anm. d. Red.]. Im Hintergrund helfen auch 3 oder 4 cis-Männer mit.
       
       taz: Was fordern Sie? 
       
       Bönisch: Wir fordern, dass digitale Gewalt klar geregelt wird: Dazu gehören
       Deepfakes, Fake Profile, deren nicht-einvernehmliche Verbreitung und
       Drohungen. [6][Das diskutiert die Politik ja jetzt – und das dürfen keine
       leeren Worte bleiben.]
       
       taz: Kritiker*innen sagen, dass das Strafrecht bei sexualisierter
       Gewalt sowieso wenig nützt – etwa, weil die Beweislage schwierig ist, weil
       oft nicht einmal Anklage erhoben wird, geschweige denn Täter verurteilt
       werden. 
       
       Bönisch: Stimmt, es muss sich das gesamte System ändern. Aber darin leben
       wir gerade nun mal. Deshalb müssen sich hier und jetzt die Gesetze ändern,
       damit man als Betroffene zumindest hoffen kann, dass sich etwas tut, wenn
       man eine Anzeige stellt. Natürlich braucht es noch mehr: Schulbildung
       darüber, was Konsens heißt. Eine Ja-heißt-Ja-Reglung online wie offline. Es
       braucht Strukturen, die Betroffene schützen, Weiterbildungen für eine
       sensiblere Polizei und Justiz sowie Konsequenzen, die die Täter wirklich in
       die Verantwortung nehmen.
       
       taz: Der Bündnis-Name rekurriert auf den Film „Fight Club“, bei dem Männer
       sich im Untergrund gegenseitig verprügeln. Wollen Sie damit sagen, dass
       auch Kampfsport ein sinnvolles feministisches Mittel ist? 
       
       Bönisch: Ich muss gestehen, ich habe den Film nicht einmal geguckt [lacht].
       „Fight“ ist bei uns eher metaphorisch zu verstehen. Mit „Feminist Fight
       Club“ meinen wir, dass wir gemeinsam für unsere Rechte kämpfen, zum
       Beispiel bei Demos auf der Straße wie [7][heute Nachmittag am Brandenburger
       Tor] in Berlin.
       
       22 Mar 2026
       
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