# taz.de -- Männer am Vatertag: Manchmal reicht es, die kleinen Siege zu feiern
       
       > Die Bilder vom 14. Mai machen Hoffnung: Verstehen Männer langsam, dass
       > sie bei sexualisierter Gewalt nicht mehr ruhig bleiben können?
       
 (IMG) Bild: Ein kleines bisschen Erleichterung: Auch Männer demonstrieren am 14. Mai in Berlin gegen sexualisierte Gewalt an Frauen
       
       Vatertag in Berlin. „Nieder mit dem Patriarchat“ ist zu lesen und „Wie gut
       kennst du deine Jungs?“. In Hamburg das gleiche Bild. Tausende
       demonstrieren gegen Gewalt an Frauen. In der Hauptstadt war ich dabei und
       merkte, dass dieser Anblick etwas mit mir macht: ein kleines bisschen
       Erleichterung.
       
       Frauen protestieren von jeher gegen Gewalt, und meistens stehen sie und
       queere Menschen damit ziemlich allein da. Deshalb ist es wichtig, wenn
       Männer jetzt auf die Straße gehen. Nicht weil sie plötzlich die
       feministische Bewegung „retten“. Vielmehr zeigen diese Demonstrationen,
       dass jahrelanger feministischer Widerstand Wirkung zeigt. Frauen haben die
       Männer nicht „mitgenommen“: Sie haben Druck gemacht, waren immer wieder
       laut, nervig und konsequent, bis irgendwann [1][auch manche Männer
       anerkennen mussten, dass Gewalt gegen Frauen eben kein „Frauenthema“ ist],
       sondern ein gesellschaftliches.
       
       Und trotzdem reicht eine Demonstration noch lange nicht aus. Es reicht
       nicht, einmal im Jahr am Vatertag ein Schild hochzuhalten und danach wieder
       in den Alltag zurückzukehren, in dem sexistische Sprüche unkommentiert
       bleiben, Freunde ihre Freundinnen kontrollieren oder Gewalt relativiert
       wird. Männer müssen nicht nur gegen Gewalt demonstrieren, sie müssen andere
       Männer stoppen, und das genau dort, wo Gewaltkultur entsteht und geschützt
       wird: im Freundeskreis, im Büro, in der Familie – im Alltag.
       
       Vielleicht liegt darin auch die eigentliche Hoffnung dieser Proteste: dass
       manche Männer langsam verstehen und aussprechen, dass Neutralität eben
       keine Neutralität ist. Dass ein „ich würde so was nie tun“ [2][nicht genug
       ist in einer Gesellschaft, in der fast jeden Tag ein Mann versucht, seine
       (Ex-)Partnerin zu töten].
       
       Ich habe oft das Gefühl, dass wir gesellschaftlich abstumpfen. Wieder ein
       Femizid, wieder Gewalt, wieder eine Frau tot … Die Nachrichten ziehen
       vorbei wie schlechtes Wetter. Aber dann sieht man die Bilder vom Vatertag
       und von Männern, die sich öffentlich gegen patriarchale Gewalt
       positionieren. Vielleicht bewegt sich ja doch etwas. Viel zu langsam, aber
       immerhin genug, um Hoffnung nicht komplett lächerlich wirken zu lassen. Aus
       Prinzip Hoffnung zu haben, bedeutet manchmal nicht, große Siege zu feiern,
       sondern kleine Verschiebungen ernst zu nehmen. Auch wenn sie längst
       überfällig sind.
       
       17 May 2026
       
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