# taz.de -- Vergewaltigernetzwerke bei Telegram: „Deliktstypisches Dunkelfeld“
> Im Internet teilen Männer aus der ganzen Welt Videos, in denen Frauen
> betäubt und vergewaltigt werden. Warum ist es so schwer, das zu
> verhindern?
(IMG) Bild: Schwer zu überprüfen: die App Telegram. Der Plattformbetreiber ist aber gesetzlich verpflichtet, Gewaltdarstellungen zu löschen
Berlin taz | Die Dimensionen, die diese Art von Verbrechen hat, machen
fassungslos, egal welchen Fall man sich anschaut: [1][Gisèle Pélicot], die
Französin, wurde über mindestens zehn Jahre von ihrem Ehemann betäubt,
mindestens 82 Männer haben sie im bewusstlosen Zustand vergewaltigt.
Eine [2][Gruppe von acht Männern], denen in den vergangenen Monaten vor
deutschen Gerichten der Prozess gemacht wurde und wird, hat rund ein Jahr
lang in [3][einem kleinen geschlossenen Chat] Videos und Fotos
ausgetauscht, die zeigen, wie die Männer sedierte Frauen zum Teil brutal
vergewaltigen. Auf den Handys der Männer fanden die Ermittler mehrere
solcher Chatgruppen. Teilweise hatten sie 4500 Mitglieder.
Angesichts dieser Dimensionen ist es schwer nachzuvollziehen, wie solche
Verbrechen so lange fast unbemerkt bleiben können. Das Bundeskriminalamt
verweist auf taz-Anfrage auf das „deliktstypische Dunkelfeld“: Die meisten
dieser Übergriffe fänden vor allem im familiären Umfeld oder im
Bekanntenkreis statt. Weil die Opfer sediert sind, bekommen sie von den
Straftaten häufig nichts mit – oder können mögliche Anzeichen nicht
interpretieren. Die Polizei brauche aber Hinweise auf mögliche Straftaten,
um reagieren zu können.
Was die Strafverfolgung zusätzlich erschwert, ist, dass die Chatgruppen
häufig international organisiert sind. Das BKA arbeitet in diesen Fällen
auch mit Europol zusammen.
## Telegram löscht täglich
Der Plattformbetreiber Telegram ist gesetzlich verpflichtet,
Gewaltdarstellungen zu löschen. Auf taz-Anfrage schreibt ein Sprecher, dass
Telegram-Moderator:innen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die
öffentlichen Inhalte der App beobachten und jeden Tag „Millionen
schädlicher Inhalte“ löschten – einschließlich solcher, die zu
sexualisierter Gewalt aufriefen. Auch Nutzer:innen können strafbare
Inhalte bei Telegram melden. Nur dürften die zumeist männlichen Mitglieder
solcher Vergewaltigerchats selten ein Interesse daran haben, dass sie
auffliegen.
Die Chatgruppe des Mannes, der nun in München verurteilt wurde, hat
Telegram jedenfalls nicht aufgespürt. Sie ist aufgeflogen, weil sich einige
Opfer an die Polizei gewandt hatten. Das Landeskriminalamt Hessen gründete
daraufhin eine 40-köpfige Ermittlergruppe mit dem Namen „EG Inserat“, die
die Chats ausgewertet und Kolleg:innen im Rest von Deutschland über die
weiteren Verdächtigen informiert hat. Der Ermittlungsaufwand in diesem Fall
war außergewöhnlich hoch.
Wie verbreitet diese Art von Verbrechen ist, lässt sich schwer sagen. Das
Bundeskriminalamt hat keine konkreten Zahlen zu Chatgruppen oder
Betroffenen. Die niedersächsische Justizministerin, Kathrin Wahlmann (SPD)
sprach kürzlich davon, dass „Hunderte“ Männer ihre Partnerinnen betäubten,
vergewaltigten und die Videos in Chatgruppen teilten.
Auf der letzten Justizministerkonferenz im November forderte Wahlmann
daher, das Verbreiten von Vergewaltigungsvideos härter zu bestrafen. Die
Beschlussvorlage wurde einstimmig angenommen. Nun muss der Bund ein
entsprechendes Gesetz ausarbeiten.
14 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anne Fromm
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