# taz.de -- Digitale Gewalt gegen Frauen: Parteiübergreifend ein schärferes Vorgehen gefordert
> Fraktionsübergreifende Initiative unterstützt das Vorhaben von
> Justizministerin Hubig. Feministinnen rufen zum Protest am Sonntag am
> Brandenburger Tor.
(IMG) Bild: Will mit einem neuen Gesetz Strafbarkeitslücken bei digitaler Gewalt schließen: Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD)
afp/taz | Abgeordnete aus unterschiedlichen Parteien unterstützen das von
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) angekündigte schärfere Vorgehen
gegen digitale Gewalt. Es müsse darum gehen, ein entsprechendes Gesetz
„zügig, wirksam und lückenlos“ zu verabschieden, heißt es laut einem
Bericht des Portals „t-online“ in einem Aufruf der fraktionsübergreifenden
Initiative „Brand New Bundestag“. Beteiligt sind Abgeordnete von CDU, SPD,
Grünen und Linken.
Für Sonntag ab 16 Uhr rufen zudem [1][das neu gegründete Bündnis „Feminist
Fight Club“] und die Initiative „Nur Ja heißt Ja“ ab 16 Uhr am
Brandenburger Tor in Berlin. Das Bündnis kritisiert strukturelle Missstände
und Gesetzeslücken im Kontext von digitaler und analoger sexualisierter
Gewalt in Deutschland. Bei der Kundgebung werden Betroffene wie Luisa
Neubauer und Theresia Crone, politische Stimmen (Aaliyah Osuman), NGOs
(Josephine Ballon von Hateaid) als auch Initiativen (Nur Ja heißt Ja!)
sprechen und Musikerinnen auftreten.
Anlass für den Protest und die Diskussion um Gesetzesverschärfung wie sind
nach Angaben der Unterstützerinnen und Unterstützer neben der Ankündigung
Hubigs, Strafbarkeitslücken bei digitaler Gewalt zu schließen, auch
aktuelle Fälle digitaler Gewalt gegen Frauen. Genannt wurden die
[2][jüngsten Vorwürfe der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes
gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen], den sie beschuldigt, KI-generierte
pornografische Aufnahmen von ihr ins Netz gestellt zu haben. Ulmen
bestreitet die Anschuldigungen.
Hubig hatte am Freitag angekündigt, sie wolle mit einem neuen Gesetz
Strafbarkeitslücken im Fall von digitaler Gewalt schließen. „Wir wollen
dafür sorgen, dass sich Täter nicht mehr sicher fühlen können“, sagte sie
RTL und ntv. Für gefälschte Pornos, heimliche Sex-Fotos oder heimliche
digitale Überwachung sollen laut einem Bericht der Bild-Zeitung künftig bis
zu zwei Jahre Haft drohen.
[3][Digitale Gewalt] sei kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines
strukturellen Problems, das sich im Netz verschärfe, heißt es laut
„t-online“ in dem gemeinsamen Aufruf der Abgeordneten. Unterzeichnet wurde
dieser demnach von Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD)
sowie den Abgeordneten Sascha van Beek (CDU), Schahina Gambir (Grüne),
Rasha Nasr (SPD), Kassem Taher Saleh (Grüne) und Donata Vogtschmidt
(Linke). Weitere Politikerinnen und Politiker unterstützen dies demnach.
## „Erhebliche Strafbarkeitslücken im Bereich von Deepfakes“
Ein Schwerpunkt liege auf der Bekämpfung neuer Formen digitaler Übergriffe,
darunter [4][Deepfakes] oder KI-generierte Inhalte. Diese dürften keine
„juristische Grauzone“ bleiben, heiße es in dem Aufruf. Neben strengeren
gesetzlichen Regelungen fordern die Beteiligten auch eine bessere
Ausstattung für Ermittlungsbehörden und Beratungsstellen. „Brand New
Bundestag“ ist ein Netzwerk jüngerer Bundestagsabgeordneter.
„Es reicht nicht, nur betroffen zu sein – wir brauchen jetzt klare
Straftatbestände, effektive Ermittlungen und endlich die Ressourcen“,
zitierte „t-online“ die beteiligte Grünen-Abgeordnete Schahina Gambir. Der
CDU-Abgeordnete Sascha van Beek sagte demnach: „Deep-Fake-Pornos sind
digitale Gewalt und ein Angriff auf die Würde von Menschen.“ Die
SPD-Abgeordnete Rasha Nasr machte deutlich: „Wenn Frauen aus Angst vor
digitaler Gewalt verstummen, ist das ein Angriff auf ihre Würde und auf
unsere Demokratie.“
Es gebe „[5][erhebliche Strafbarkeitslücken im Bereich von Deepfakes]“,
sagte die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) der
Rheinischen Post. „Gesetzgeberisch gehen wir aktuell noch nicht voran,
sondern rennen hinterher“, drang auch sie auf ein entschiedeneres Vorgehen.
Wer ein gefälschtes, sexualisiertes Bild einer Frau ins Netz stelle,
zerstöre Würde und Sicherheit – oft mit denselben Folgen wie physische
Gewalt. „Strafrecht muss das abbilden. Wir wollen deshalb das
Sexualstrafrecht dahingehend reformieren, dass digitale und physische
Gewalt gleichgestellt werden“, sagte die Grünen-Politikerin.
„Ich bin sehr froh, dass wir da jetzt auf der Zielgeraden sind und bald
auch das Digitale Gewaltschutzgesetz in Deutschland sehen werden“, sagte
die SPD-Rechtsexpertin Carmen Wegge am Samstag dem WDR. Deutschland habe
ein „massives, strukturelles Problem mit Gewalt gegen Frauen“, warnte sie.
Dabei gehe es nicht nur um Deepfakes, sondern auch um Voyeurismus und um
das Verfolgen von Frauen mithilfe von Apps oder bei ihnen untergebrachten
Trackern.
22 Mar 2026
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