# taz.de -- Rechtsextreme gegen Zivilgesellschaft: AfD will mit Leitfaden Demokratie-Programm lahmlegen
> Die AfD wirbt per Leitfaden dafür, das Programm „Demokratie Leben“
> auszutrocknen oder für sich zu nutzen. Vorbild: eine Blockade in
> Bitterfeld-Wolfen.
(IMG) Bild: AfD-Mann Daniel Roi bei einer Rede im Landtag: Seit Wochen macht er gegen das Programm „Demokratie Leben“ mobil
Seit Wochen macht die AfD in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) Stimmung
gegen die städtische Beteiligung am [1][Bundesprogramm „Demokratie Leben“].
Das Programm fördere linke NGOs, sei intransparent und eine
„Steuergeldverschwendung“, wettert die Partei. Im Stadtrat sorgte sie
Partei zu Jahresbeginn dann mit einem Antrag tatsächlich für einen
Sperrvermerk für das Programm – und später für eine Kürzung des Personals
in der zuständigen Fachstelle und mehr politische Einflussnahme für die AfD
und andere Parteien.
Nun zeigt sich: Das Vorgehen ist konzertiert – und soll auch andernorts zur
Anwendung kommen. Der taz liegt ein Leitfaden der [2][AfD
Bitterfeld-Wolfen] vor, der auch AfD-Fraktionen in anderen
Kommunalparlamenten aufzeigen soll, wie sie das Programm „Demokratie Leben“
attackieren oder zu ihren Gunsten umwidmen können. Das Programm sei
„politisch einseitig“, die geförderten Projekte seien „häufig gegen die AfD
gerichtet“, heißt es darin. „Jetzt ist die Gelegenheit, den Sumpf
auszutrocknen.“ Man müsse in den Kommunalparlamenten „auf Mitentscheidung
bei der Projektvergabe drängen“ und „verhindern, dass Geld in inhaltlich
fragwürdige, sich gegen die AfD richtende Projekte fließt“.
Benannt werden in dem Leitfaden konkrete Schritte, wie dies zu tun sei. So
solle etwa herausgefunden werden, ob „linke oder grüne Personen“ als
Mitarbeitende in der Verwaltung für das Programm zuständig seien und wie
viel Geld sie bekämen. Oder wer in dem Gremium sitzt, das über die
Projektvergabe entscheidet. Dies müsse man offenlegen und öffentlich
infrage stellen. Angegeben werden auch konkrete Fragen, die an die
Verwaltung gestellt werden könnten, oder ein vorformulierter Antrag auf
Akteneinsicht. „Da zu vermuten ist, dass vielerorts Mittel zur Anschaffung
von Flyern oder Spruchbannern gegen die AfD verwendet werden, solltet ihr
auch hier konkret nachfragen“, heißt es dazu.
## Ob und wohin noch Gelder fließen, ist unklar
Der Leitfaden ist unterzeichnet vom Landtagsabgeordneten Daniel Roi und dem
Bundestagsabgeordneten Kay-Uwe Ziegler, beide aus Bitterfeld-Wolfen. Der
Sperrvermerk, den ihre Partei im Stadtrat zu Jahresbeginn zunächst zusammen
mit „Pro Bitterfeld-Wolfen“ gegen „Demokratie Leben“ durchgesetzt hat,
wurde zwar nach Protesten wieder aufgehoben. Aber nur unter der Maßgabe,
dass der Stellenanteil in der zuständigen Fachstelle auf eine halbe Stelle
zusammengestrichen wird – und die AfD, andere Stadtratsfraktionen und die
Ortsbürgermeister, zu denen auch Roi und Ziegler gehören, mehr
Mitspracherecht bei der Vergabe der zugesprochenen rund 140.000 Euro
erhalten.
Ob und wohin die Gelder künftig fließen, ist seitdem unklar. Mit dem
Programm wurden bisher etwa Theateraufführungen, Integrationskurse oder
Gemeindefeste finanziert. Über die Blockade im Stadtrat hatte der
AfD-Verband auf Social Media gejubelt: „‚Demokratie Leben‘ wird endlich der
Geldhahn zugedreht!“.
Das Vorgehen reiht sich ein in Attacken der AfD auch auf Bundesebene gegen
das Programm. Auch dort kritisiert die Partei dieses scharf, stellte im
Bundestag immer wieder Anfragen dazu. Auch im Landtagswahlkampf in
Sachsen-Anhalt setzt die Partei auf das Thema. Sie kritisiert in einem
[3][Entwurf zum „Regierungsprogramm“], dass die Landesregierung angeblich
„fragwürdige Vereine“ fördere, „die Deutschland ablehnen und Patriotismus
bekämpfen“. Künftig dürfe nur noch gefördert werden, wer sich „glaubhaft“
zur Demokratie und einer „patriotischen Grundhaltung“ bekenne.
## „Die AfD will das Programm aushöhlen“
Steffi Hauck ist Sozialarbeiterin in einem Jugendverein in
Bitterfeld-Wolfen, der das Programm „Demokratie Leben“ zuletzt für die
Stadt koordinierte. Sie sagt, der AfD-Leitfaden mache sie „sprachlos“. „Ich
habe lange gewarnt, dass die AfD das Programm an sich aushöhlen will.“
Dennoch seien vor Ort viele auf die Kampagne der Partei aufgesprungen. Die
Kampagne sei massiv gewesen, erzählt Hauck. „Die AfD hat Lügen über unseren
Verein verbreitet, ohne davon je etwas belegen zu können.“ In den zehn
Jahren, in dem der Verein das Programm koordinierte, habe es von
Behördenseite nie Beanstandungen gegeben.
Zuletzt aber erklärten der Verein und Hauck als zuständige Mitarbeiterin:
Sie werden künftig nicht mehr für die Fachstelle tätig sein. Die Arbeit sei
mit dem zusammengestrichenen Stellenanteil nicht mehr qualitativ sinnvoll
zu leisten.
Das Bundesfamilienministerium von [4][Karin Prien (CDU)], bei dem
„Demokratie Leben“ angesiedelt ist, wollte sich zu der AfD-Kampagne nicht
äußern. Leitfäden „einzelner Kreisverbände“ kommentiere man als Ministerium
nicht, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Die Kritik, dass das Programm
einseitig sei, wies er zurück: Das Programm sei eines „zum Schutz unserer
Demokratie, zur Demokratiebildung und zur Prävention jeder Form von
Extremismus“.
Für [5][David Begrich vom Demokratieverein Miteinander in Magdeburg] ist
der Leitfaden ein weiterer Beleg für die Attacken der AfD auf die
Zivilgesellschaft. Aber er zeige auch einen Strategiewechsel. „Nachdem die
AfD ‚Demokratie Leben‘ jahrelang bekämpft hat, versucht sie nun offenbar
sich dieses zunutze zu machen“, so Begrich zur taz. Interessant sei auch,
dass dieser Kurswechsel nicht von oben, sondern von einem Kommunalverband
kommt.
Gerade Bitterfeld-Wolfen aber zeige, wie realitätsfern die AfD-Attacken
seien, so Begrich. „Denn gerade dort sind doch keine linken Groß-NGOs
unterwegs, sondern einige sehr Engagierte, die sich für die Demokratie
abrackern.“
20 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Konrad Litschko
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