# taz.de -- Vetternwirtschaft in der AfD: Rechtsextreme Beutegemeinschaft
       
       > Verwandte und Vertraute von AfD-Politikern arbeiten auf Staatskosten bei
       > Abgeordneten – laut einem Insider gängige Praxis, auch wegen „mangelnder
       > Führung“.
       
 (IMG) Bild: Hat sich in die AfD-Affäre um Vetternwirtschaft eingeschaltet: Bundeskanzler Friedrich Merz
       
       Jetzt hat sich sogar der Bundeskanzler in die AfD-Affäre um
       Vetternwirtschaft eingeschaltet. Friedrich Merz (CDU) denkt in einem
       Interview mit der Rheinpfalz über strengere Gesetze gegen Vetternwirtschaft
       nach: „Ich würde uns eine gesetzliche Regelung gerne ersparen. Angesichts
       des Ausmaßes des Missbrauchs werden wir aber möglicherweise nicht darum
       herumkommen“, so Merz. Der extrem rechten Partei attestierte er, „von einer
       tief verankerten Filz- und Vetternwirtschaft“ geprägt zu sein. Die Linke
       hatte zuletzt sogar den Begriff „Clan-Kriminalität“ genannt.
       
       Die AfD kämpft seit Wochen mit Vorwürfen um die Versorgung von Verwandten
       und Nahestehenden mit lukrativen Jobs in Abgeordnetenbüros. Auch wenn
       einige Teile der AfD von einer „schmutzigen Medienkampagne“ sprechen,
       [1][lässt sich „ein Geschmäckle“ (Parteichef Chrupalla) derzeit schwer
       abstreiten].
       
       Zumal es häufig AfD-Politiker selbst sind, die Medien in parteiinternen
       Schlammschlachten mit Infos gegen ihre Widersacher und Parteifreunde
       beliefern. Selbst [2][Teile des rechtsextremen Vorfelds geben sich
       geschockt] und fordern Konsequenzen. Die Erzählung der „Altparteien, die
       sich den Staat zur Beute machen“ – sie verkehrt sich gerade ins Gegenteil.
       
       Laufend kommen neue Fälle ans Licht. Allein diese Woche: Die Frau des
       niedersächsischen AfD-Landeschef Ansgar Schledde ist beim
       Bundestagsabgeordneten aus seinem Wahlkreis, Danny Meiners, angestellt. Und
       mitten im Landtagswahlkampf in Rheinland-Pfalz wurde nun bekannt, dass die
       Mutter des parlamentarischen Geschäftsführers Damian Lohr bei der
       Landtagsfraktion beschäftigt ist, sein Stiefvater zudem Büroleiter der
       AfD-Rathausfraktion in Wiesbaden. Über die Fälle [3][berichtete zuerst
       „T-online“].
       
       ## Steuergelder für Ehemann, Schwager und Fußballkumpels
       
       Am krassesten ist es aber immer noch in Sachsen-Anhalt, wo sich diese Woche
       herausstellte, dass der dortige Parlamentarische Geschäftsführer Tobias
       Rausch nicht nur seinen Schwager, sondern auch vier Fußballkumpels aus
       seinem Verein [4][geringfügig angestellt haben soll] – seine drei
       Geschwister wiederum arbeiten für eine Bundestagsabgeordnete.
       
       Vor allem in Sachsen-Anhalt scheint die Praxis weit verbreitet, teilweise
       als sogenannte Überkreuzanstellungen, die zwar offiziell nicht verboten,
       aber umstritten sind. Weitere Fälle in der Bundestagsfraktion und im
       EU-Parlament sind in den letzten Wochen bekannt geworden. Aber auch der
       baden-württembergische Spitzenkandidat Markus Frohnmaier, dessen Frau bei
       einem Fraktionskollegen arbeitet, steht im Fokus.
       
       Offene Kritik kam zuletzt vor allem aus Thüringen, dem besonders radikalen
       Landesverband von Björn Höcke. Der hatte bereits einen Text von seinem
       engen Vertrauten Götz Kubitschek geteilt, in dem es hieß, dass man
       angesichts der „Verhausschweinung“ in der Partei „aufräumen“ müsse.
       
       Sein Co-Landeschef Stefan Möller – Höckes rechte Hand in Berlin – sprach
       von einem „Problem für unsere Glaubwürdigkeit“ und forderte Konsequenzen,
       etwa eine Satzungsänderung mit schärferen Verhaltensregeln: „Unser Anspruch
       als AfD war immer, dass wir sauberer agieren als die anderen Parteien. Auch
       wenn die Anstellungen legal sind, bedeuten sie ein Problem für unsere
       Glaubwürdigkeit“, [5][sagte Möller dem Stern]. Überkreuzanstellungen
       reichten über Sachsen-Anhalt hinaus, die Bundespartei müsse das Thema
       insgesamt klären – „am besten mit einer Anpassung der Satzung auf dem
       nächsten Bundesparteitag“, forderte er.
       
       Blöd nur, dass die Thüringer selbst keine weiße Weste haben: Die
       Landtagsabgeordnete Wiebke Muhsal hatte bereits 2014 den Arbeitsvertrag
       einer ehemaligen Mitarbeiterin vordatiert, um zusätzliche Gelder
       abzugreifen, [6][woraufhin sie ein Gericht zu 80 Tagessätzen à 100 Euro
       verurteilte]. Mittlerweile ist sie Höckes Parlamentarische
       Geschäftsführerin. Diese Woche [7][recherchierte „Politico“], dass ihr Mann
       beim Bundestagsabgeordneten Stefan Schröder arbeitet, ebenfalls aus
       Thüringen. Dazu wiederum wollte sich Möller auf Anfrage bislang nicht
       äußern.
       
       ## „Das Schweigen ist ohrenbetäubend“
       
       Er ist damit nicht allein: Die taz hat sich in den letzten Tagen bei
       verschiedenen Bundestagsabgeordneten und in der Mitarbeiterschaft umgehört.
       Nur die wenigsten beantworten Fragen oder wollen sich offiziell äußern.
       
       Eine Anfrage an den Bundestagsabgeordneten Thomas Korell, der den Vater von
       Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, für rund 5.500 Euro
       beschäftigt (zeitweise gar für bis zu 7.700 Euro), beantwortet dieser
       nicht. Stattdessen hat er die Anfrage an seinen Landesverband
       weitergeleitet, von wo aus die taz aber nur die schmallippige
       Standardantwort der letzten Wochen erhält: Zu Anstellungsverhältnissen,
       Vergütungen, Vertragsdetails sowie zu Beziehungsverhältnissen könne man
       keine Angaben machen, weil es sich um schützenswerte personenbezogene Daten
       handele.
       
       Hinter den Kulissen ist das anders, dort ist man fassungslos bis
       stinksauer. Dutzende Mitglieder fordern in Sachsen-Anhalt [8][einen
       außerplanmäßigen Parteitag bis Ende März], während in der
       Bundestagsfraktion ein Gefühl von Ohnmacht herrscht.
       
       Ein mit anderen Abgeordneten weder verwandtes noch verschwägertes
       AfD-Mitglied, selbst tätig bei einem Abgeordneten, sagte der taz: „Das
       Schweigen ist ohrenbetäubend – man merkt, dass sich was zusammenbraut. Das
       kommt vor allem bei den Mitgliedern nicht gut an, die sich an Infoständen
       beschimpfen lassen und dann erfahren, dass einer hier im Bundestag den Hals
       nicht voll kriegt.“ Den meisten Abgeordneten sei klar, dass man
       mittlerweile im System angekommen sei: „Jeder nutzt gerne den Fahrdienst,
       will Vizepräsident sein und in die Parlamentarische Gesellschaft
       aufgenommen werden, aber man zeigt das nicht nach außen.“
       
       Er sagt: „Das strategische Einsetzen von Parteifreunden auf Posten ist weit
       verbreitet.“ Es sei gängige Praxis, dass etwa Kreisvorstände einen Job
       bekämen, um bei der nächsten Listenwahl Stimmen abzusichern. „Das läuft so:
       Ich leite den Kreisverband XY und bringe acht Delegierte zum Parteitag mit,
       die dann für dich stimmen – dafür möchte ich aber vier Jahre Gehalt.“
       Problematisch sei das aus seiner Sicht aber nur, wenn es reine
       Versorgungsposten seien, also jemand nur Geld kassiere, aber nicht arbeite.
       
       Eine Grenze sei für ihn überschritten, wenn man die Ehefrau noch mal für
       mehrere tausend Euro in einem Fraktionsbüro beschäftigen ließe – „das ist
       schlicht Missbrauch, da wird versucht, alles abzugreifen, was geht“. Den
       Vater von Siegmund habe er im Übrigen noch nie auf den Fraktionsfluren
       gesehen.
       
       Vorwürfe macht er vor allem in Richtung der Parteispitze: „Weil es seit
       Jahren keine richtige Führung gab, haben wir jetzt keinen Mechanismus, um
       Exempel statuieren zu können oder durchzugreifen.“ Hier zeige sich die
       Schwäche und das Chaos innerhalb der AfD. „Alice Weidel kann nicht den
       Telefonhörer in die Hand nehmen, in Sachsen-Anhalt anrufen und drohen.“
       
       Das nächste Mal soll die Vetternwirtschaft in Sachsen-Anhalt am Montag
       Thema im Bundesvorstand sein. Zuletzt hatte Vize-Parteichef und
       Bundesvorstand Kay Gottschalk versucht, zwischen den Fronten zu vermitteln,
       und nach sehr kurzer Zeit direkt wieder aufgegeben – mit den Worten: „In
       der jetzigen Lage könnte selbst der Papst nicht vermitteln.“ Die
       Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla sind seit Tagen abgetaucht und
       äußerten sich auf taz-Anfrage nicht.
       
       19 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Vetternwirtschaft-bei-der-AfD/!6150992
 (DIR) [2] /Vorwuerfe-von-Vetternwirtschaft-in-AfD/!6152612
 (DIR) [3] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101131308/afd-landeschef-schledde-in-erklaerungsnot-steuergeld-fuer-ex-und-ehefrau.html
 (DIR) [4] https://www.mz.de/mitteldeutschland/sachsen-anhalt/afd-steuergeld-fussball-verein-4200453
 (DIR) [5] https://www.stern.de/politik/deutschland/postenaffaere-in-afd--bjoern-hoeckes-co-chef-fordert-schaerfere-regeln-37131842.html
 (DIR) [6] /AfD-bei-den-Landtagswahlen/!6020600
 (DIR) [7] https://open.spotify.com/show/55RCoJkx8UoenIKGNKvSiL?nd=1&dlsi=063429a3698941ce
 (DIR) [8] https://www.n-tv.de/politik/Die-AfD-Basis-in-Sachsen-Anhalt-hat-Redebedarf-id30374415.html
       
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