# taz.de -- Zivilgesellschaft in Ostdeutschland: Es bewegt sich was
       
       > Rechtsruck und Unterfinanzierung: Die Zivilgesellschaft in
       > Mecklenburg-Vorpommern steht unter Druck. Nun vernetzen sich Initiativen
       > im ganzen Land.
       
 (IMG) Bild: Eine Regenbogenfahne auf dem Christopher Street Day in Neubrandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, 2025
       
       Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern macht kein Geheimnis daraus, dass sie
       nach der Landtagswahl in sieben Monaten in Schwerin an die Schalthebel der
       Macht möchte. Und dass sie im Anschluss [1][aufräumen will bei der
       Förderung von Projekten], die sich für Demokratie und Vielfalt einsetzen.
       In der Mitte Januar von den ostdeutschen AfD-Fraktionschefs verabschiedeten
       „Schweriner Erklärung“ ist die Rede von der „Brechung der Macht der NGOs“.
       
       Nun hat es die Zivilgesellschaft im dünn besiedelten und strukturschwachen
       Flächenland Mecklenburg-Vorpommern ohnehin nicht leicht. Zwar gibt es
       Tausende Organisationen, Vereine und Initiativen im sozialen, kulturellen
       oder sportlichen Bereich. Zugleich stehen viele Projekte finanziell unter
       Druck. Nachwuchsprobleme insbesondere im ländlichen Raum tun ihr Übriges.
       Vom [2][allgegenwärtigen Rechtsruck] ganz zu schweigen.
       
       Das neue landesweite Bündnis „Zusammen bewegen“ will dieser Entwicklung
       etwas entgegensetzen. „Nicht zuletzt im Wahljahr 2026 müssen wir als
       demokratische Zivilgesellschaft sichtbarer werden und stärker geschlossen
       nach außen auftreten“, sagt Bündnis-Sprecherin Ina Groß zur taz. Das gehe
       nur über Vernetzung. Und das Ziel ist klar: „Wir wollen die politische
       Debatte mitbestimmen – auch weit über den Wahltag hinaus.“
       
       „Zusammen bewegen“ versteht sich als Dachorganisation. Die Idee dazu
       entstand bereits im vergangenen Jahr. Und sie kommt offenkundig gut an.
       Bislang haben sich mehr als 500 Initiativen, Vereine, Gruppen und
       Einzelpersonen in dem Bündnis zusammengeschlossen. Geht es nach Ina Groß,
       ist das erst der Anfang. Sie spricht von einem „riesigen Zulauf“.
       
       ## Landesweiter Aktionstag am Samstag
       
       Einen ersten großen öffentlichen Aufschlag plant das Bündnis für diesen
       Samstag mit [3][einem landesweiten Aktionstag]. Über ganz
       Mecklenburg-Vorpommern verstreut sind zahlreiche Veranstaltungen
       angekündigt – vom Stadtspaziergang durch Schwerin über den
       Siebdrucknachmittag im Kulturwohnzimmer Wismar bis zum Handballmatch nebst
       Schnitzeljagd in der Kleinstadt Laage bei Rostock. Zusammen bewegen eben.
       
       Ina Groß betont, dass „Zusammen bewegen“ parteiunabhängig agiere und offen
       sei „für alle, die demokratische Werte vertreten und menschenverachtendes
       Verhalten ablehnen“. Gleichwohl, so Groß weiter, wolle sich das Bündnis
       inhaltlich gar nicht an der AfD abarbeiten: „Man bekommt ja häufig das
       Gefühl vermittelt, dass das die Mehrheit wäre. Aber die Mehrheit ist immer
       noch demokratisch. Und diese Kräfte müssen mobilisiert werden.“
       
       Was auch Groß weiß: Die demokratische Mehrheit im Land schwächelt. So ist
       die AfD in Mecklenburg-Vorpommern von der [4][von ihr propagierten
       Alleinregierung] faktisch nur wenige Prozentpunkte entfernt. Eine vor
       wenigen Tagen veröffentlichte Umfrage im Auftrag der Ostsee Zeitung sieht
       die extrem rechte Partei in dem Bundesland bei 37 Prozent und damit
       unverändert auf dem hohen Niveau der Vormonate.
       
       Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig käme demnach auf gerade
       mal 23 Prozent, gefolgt von der CDU mit 13 und der mitregierenden Linken
       mit 11 Prozent. Die Grünen würden [5][mit 4 Prozent den Wiedereinzug in den
       Landtag verpassen]. Auch mit der im Nordosten bei der Bundestagswahl noch
       außerordentlich erfolgreichen Wagenknecht-Partei BSW geht es bergab.
       Aktuell wird sie nur noch auf 5 Prozent taxiert.
       
       Sollte Schwesigs SPD bis zum Wahlabend am 20. September nicht noch eine
       große Aufholjagd hinlegen, droht dem Land damit die Un- oder zumindest
       Schwerregierbarkeit – mit nicht absehbaren Folgen auch für
       zivilgesellschaftliche Initiativen.
       
       27 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Rechtsextreme-gegen-Zivilgesellschaft/!6156330
 (DIR) [2] /Landtagswahlen-2026-in-Ostdeutschland/!6124267
 (DIR) [3] https://zusammenbewegen.org/
 (DIR) [4] /Landtagswahlen-in-Ostdeutschland/!6140934
 (DIR) [5] /Gruene-in-Mecklenburg-Vorpommern/!6141955
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rainer Rutz
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Zivilgesellschaft
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Mecklenburg-Vorpommern
 (DIR) Demokratieprojekte
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Schwerpunkt AfD
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Rechtsextreme gegen Zivilgesellschaft: AfD will mit Leitfaden Demokratie-Programm lahmlegen
       
       Die AfD wirbt per Leitfaden dafür, das Programm „Demokratie Leben“
       auszutrocknen oder für sich zu nutzen. Vorbild: eine Blockade in
       Bitterfeld-Wolfen.
       
 (DIR) Deutschland-Monitor 2025: Fast jeder fünfte Ostdeutsche offen für eine Diktatur
       
       In einer Studie sind rund 8.000 Menschen zu Demokratie und Diktatur befragt
       worden. Eine Einheitspartei oder einen starken Anführer fänden viele gut.
       
 (DIR) Landtagswahlen in Ostdeutschland: Mecklenburger Schlachteplatte
       
       Die regierende SPD im Umfragetief, die AfD auf Allzeithoch: Droht
       Mecklenburg-Vorpommern nach der Landtagswahl 2026 die rechte
       Machtübernahme? Ein Ausblick.