# taz.de -- Sprache
(DIR) Bedrohte Minderheitssprache: Neuer Lehramts-Studiengang soll Sorbisch an Schulen fördern
Im brandenburgischen Senftenberg startet ein neuer Lehramts-Studiengang für
das Fach Sorbisch/Wendisch. Das Land spricht auch von einem Experiment.
(DIR) Wolf in Hamburg: Wer das Tier stört
Die Begegnung zwischen Wolf und Mensch in Hamburg wird als Angriff
dargestellt. Das ist falsch – und verdeckt, was aus dem Vorfall zu lernen
ist.
(DIR) Auslassungen über einen Modebegriff: Der Komplexitäts-Komplex
Alle möglichen Sachverhalte sind heutzutage wahlweise „komplex“ oder
„unterkomplex“. Das Wort wird nicht nur inflationär verwendet, sondern
falsch.
(DIR) Die Wahrheit: English for you
Im DDR-Fernsehen gab es einst eine Sprachschulsendung mit zwei jungen
Hauptdarstellern namens Dave und Jenny, die weniger Briten als Ostgoten
waren.
(DIR) Britischer Filmpreis Bafta: Eine Hommage an Manipur
Die indische Filmemacherin Lakshmipriya Devi hat ihren Kinderfilm „Boong“
in der Minderheitensprache Manipuri gedreht. Dafür wird sie jetzt gefeiert.
(DIR) Deutschkenntnisse bei Schülern: Eine Mutter, viele Sprachen
Mehrsprachigkeit wird oft als Problem statt als Chance betrachtet. Das ist
schade, denn in Alltag und Wissenschaft sind wir längst weiter.
(DIR) Marlies Krämer ist tot: Der Feminismus verliert eine „Inhaberin“
Mit Marlies Krämer ist eine Verfechterin der Gendergerechtigkeit gestorben.
Sie hat für weibliche Formulare und männliche Tiefdruckgebiete gekämpft.
(DIR) Faschismus als Kampfbegriff: Goggelmoggels Sprachlektionen
Sprache ist nicht nur ein Mittel zur gegenseitigen Verständigung. Sie wird
mehr denn je zum Machtinstrument und damit auch zur Waffe.
(DIR) Gestoppte Integrationskurse: Mitschwimmen im rechtspopulistischen Strom
Das Bamf zahlt nicht mehr für freiwillige Integrationskurse. Das trifft
nicht nur Geflüchtete und Vereine, es geht auch zulasten der
Sozialstruktur.
(DIR) Flensburgerin über ihre Stadtsprache: „Flütt mal über zu uns“
Wenn Hilke Rudolph dieses Angebot macht, meint sie „Rutsch mal rüber“. Die
Flensburgerin setzt sich für den Erhalt ihrer Stadtsprache Petuh ein.
(DIR) Synchronsprecherin über das Sprechen: „Die Arbeit vitalisiert mich“
Mit 19 Jahren bekam Luise Lunow ihre erste Rolle als Synchronsprecherin.
Heute ist sie 93 und arbeitet immer noch, obwohl sie fast erblindet ist.
(DIR) Nachrichtenplattform für Geflüchtete: Ankommen heißt abholen
Lokaljournalismus auf Augenhöhe: „Amal“ gibt Geflüchteten eine Stimme und
lässt sie in ihre neue Gesellschaft reinhören – in ihrer Muttersprache.
(DIR) Die Wahrheit: Für mich soll’s rote Linien regnen
Vom Verhandlungstisch zur industriellen Verwertung: Die EU will das nächste
große Ding nach KI nicht verpassen und setzt auf neueste Technologie.
(DIR) Verschwindende Sprachen: Und die Welt hebt an zu singen
Eine Ausstellung im Berliner Humboldt Forum widmet sich der Verdrängung der
globalen Sprachenvielfalt.
(DIR) Russisch in der Ukraine: Kyjiw legt den Rückwärtsgang beim Sprachgesetz ein
Die Ukraine streicht Russisch doch nicht von der Europaratsliste zum Schutz
von Minderheitensprachen. Der Schutz ist in der Verfassung festgeschrieben.
(DIR) Ukrainische Theatergruppe aus Lübeck: Der Einkaufswagen als Rednerpult
Das Lübecker Ukrainische Freie Theater bringt Stücke auf Ukrainisch für ein
deutsches Publikum auf die Bühne – etwa „Fluchtgeschichten der Tiere“.
(DIR) Arbeit und Integration: Krieg und Pizza
Für geflüchtete Ukrainer*innen ist der Weg in den Arbeitsmarkt schwer.
Svitlana Kaidashs Weg vom Heizkraftwerk in Donezk in die Pizzeria in
Brandenburg.
(DIR) Erforschung des Niederdeutschen: Moin, Digger!
Die Hamburger Fachstelle Niederdeutsch erforscht Dialekte, Identität und
Sprachvariation und erstellt ein Mittelniederdeutsches Wörterbuch.
(DIR) Neuer Film „Amrum“ von Fatih Akin: Nuurdfresk as en spriak! (Nordfriesisch ist eine Sprache)
In „Amrum“ wird auch Nordfriesisch gesprochen. Damit rückt der Film eine
Minderheitensprache ins Zentrum, die in Deutschland gerne überhört wird.
(DIR) Kafka-Abend am Berliner Ensemble: Das Unentrinnbare verdichtet sich
Barrie Koskys „K. Ein talmudisches Tingeltangel rund um Kafkas ‚Prozess‘“
verknüpft eindrucksvoll Schumann, jiddisches Liedgut und Kafkas Texte.
(DIR) Zum Tod des Philosophen John Searle: Mit Worten etwas tun
Ihm war an der politischen Dimension von Sprache gelegen: Nachruf auf den
US-amerikanischen Philosophen John Searle, der die Sprechakte bekannt
machte.
(DIR) Das Kreuz mit dem Neusprech: Vom Wortmüll zur neuen Perspektive, Digga!
Neue Wörter aus der Jugend-, Management- oder Politsprache nerven. Manche
sind aber auch ganz brauchbar.
(DIR) Kinder fragen, die taz antwortet: Warum heißt Kissen Kissen und Tisch Tisch?
Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche
beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Olivia, 6 Jahre alt.
(DIR) Die Wahrheit: Durchreisende Rentner
Eine einzige treffende Formulierung kann zu einem Anfall von
Versschmiederitis führen, gegen die es aber ein schnelles Heilmittel gibt.
Eine Glosse.
(DIR) Sprache in Social Media: Grammatik immer sauber
„fussballinguist“ Simon Meier-Vieracker klärt online humorvoll und mit
fachlicher Expertise über die Eigenheiten der deutschen Sprache auf.
(DIR) Die Wahrheit: Östrogenesser
Tagebuch einer Frühnackten: Mit einem Fremden Freundschaft zu schließen,
schließt nicht aus, dass es eine gemeinsame Vergangenheit gibt.
(DIR) Offener Brief: Kulturstaatsminister Weimer spaltet, statt zu verbinden
Die Initiative Queer Media Society hat einen offenen Brief an den
Kulturstaatsminister geschrieben. Wolfram Weimers Genderverbot sei
diskriminierend.
(DIR) Ungewohnt verknüpfte Erzählungen: Stell dir vor, dein Körper ist von Fell umhüllt
Autorin Regina Dürig erzählt in ihrem Erzählungsband „Frauen und Steine“
von Bildhauerinnen und Wissenschaftlerinnen. Selbst Sexpuppen kommen vor.
(DIR) Wolfram Weimers Gender-Verbot: Warum ich mich aus meiner Nationalsprache verabschiede
Kulturstaatsminister und Feuilletonisten laufen Sturm gegen das Gendern und
erklären die Gemeinheit zur Staatsräson. Unser Autor sagt: Es reicht.
(DIR) Wolfram Weimers Genderverbot: Weg mit dem Wokismus
Kulturstaatssekretär Wolfram Weimer will gendergerechte Sprache in seinem
Haus verbieten. Damit macht er aus einem Nebenschauplatz einen Kulturkampf.
(DIR) Sprache im Gazakrieg: Das Lexikon der Brutalität
„Humanitäre Zonen“, „freiwillige Migration“, „Kollateralschaden“: Wie
Euphemismen die Tötung von Zivilisten in Gaza akzeptabel erscheinen lassen.
(DIR) Sprache in Zeiten des Kriegs: Soll man das Wort „kriegstüchtig“ verwenden?
Wer kein Voll-Pazifist ist, sollte semantische Vermeidungsstrategien
abstellen: „Kriegstüchtig“ sagt, worum es geht: einen Krieg führen zu
können.
(DIR) Die Wahrheit: Atlas der Tatsachen
Warum gibt es eigentlich nicht längst ein Tatsachenamt? Schließlich
behauptet das Amtsgericht schriftlich, „Tatsachen eingetragen“ zu haben.
(DIR) Belarusische Autorin Tania Arcimovich: Der Garten im Kopf
Sie fand das „Wir“ in der Pandemie und das Glück im Garten. Die
belarusische Autorin Tania Arcimovich erzählt von Unterdrückung und dem
Kampf dagegen.
(DIR) Pfosten im Weinberg: Das härteste K in ganz Franken
Stöcke tragen viele Namen: Prügel, Knüppel, Pflock. In Franken gibt es im
Weinbau den Stickl, der erstaunlich unfränkisch ausgesprochen wird.
(DIR) Loblied auf den Schatten: Erlösung in der Hitze
Wie dankbar man an den heißen ersten Julitagen für schattige Plätze war!
Sie waren Lebensräume und Oasen. Die Sprache hat das noch nicht erfasst.
(DIR) Ingeborg-Bachmann-Preis 2025: Sprachkünstlerin Natascha Gangl gewinnt
14 Autorinnen und Autoren präsentierten in einem Lese-Marathon ihre Texte.
Die Jury hat entschieden. Der renommierte Literaturpreis geht an eine
österreichische Sprachkünstlerin.
(DIR) Sprachenpolitik in Russland: „Entstelltes Russisch“ fliegt aus dem Lehrplan
Ab 1. September wird an Schulen in Russland das Fach Ukrainisch als
Muttersprache abgeschafft. Das betrifft auch die besetzten Gebiete in der
Ukraine.
(DIR) Neues Album von Drangsal: Satanische Fersen
Vieles ist anders auf dem neuen Album von Drangsal. Stärker als früher
mischt der Musiker Genres und findet doch seine eigenwillige Poesie.
(DIR) Ikkimel, SXTN, Shirin David & Co.: Die Fotzen sind da
Was früher Beleidigung war, nutzen Rapperinnen heute zur
Selbstermächtigung. Die Umdeutung von „Fotze“ zeigt das neue Selbstbild
junger Feministinnen.
(DIR) Die Wahrheit: Chodschi Grötschi
Tagebuch einer Versteherin: In der Backzutaten-Abteilung des Supermarkts
erscheint eine Agentin und raunt leise ihr geheimnisvolles Code-Wort.
(DIR) Gender-Trouble bei der „Welt“: Hauptsache Hitler
Gendern? Geht gar nicht! Denn Adolf Hitler hat's erfunden! Oder, halt –
doch nicht? Na dann. Arbeiten wir die Sache doch mal seriös auf, ok?
(DIR) Ukrainische Literatur im Deutschen: Die Ukraine als Subjekt
In der BRD und in der DDR hatte Literatur aus der Ukraine lange einen
schweren Stand. Die Geschichte ihrer Übersetzung ist eine mit vielen
Leerstellen.
(DIR) Sprachenpolitik in der Ukraine: Ohren auf am Karpatenrand
In Iwano-Frankiwsk schickt der Bürgermeister „Sprachinspektoren“ auf die
Straße. Sie sollen prüfen, wie viel Russisch in der Stadt gesprochen wird.
(DIR) Akzente und Rassismus: Sexy, kompetent oder ungebildet
Welches Vorurteil Menschen über einen haben, hängt oft davon ab, ob man
akzentfrei spricht. Und davon, woher der Akzent stammt.
(DIR) Leipziger Buchmesse: Die Metapher ist ein Arschloch
Die Philosoph:innen Tim Henning, Nikola Kompa und Christian Nimtz
leuchten Abgründe der Alltagskommunikation aus. Ja, Sprache kann
ausgrenzen.
(DIR) Schau mit Künstlerin Lenora de Barros: Der Bindestrich ist subversiv
Die brasilianische Künstlerin Lenora de Barros ist in einer Karlsruher
Schau zu sehen. Sie ist so spielerisch wie poetisch der Sprache auf der
Spur.
(DIR) Käthe Kruse in der Berlinischen Galerie: Von A wie „Abstiegsangst“ bis Z wie „Zuwanderungsrekord“
Als Künstlerin ordnet Käthe Kruse die Welt. Das zeigt auch die große
Werkschau des einstigen Mitglieds der Anarcho-Musikgruppe „Die tödliche
Doris“.
(DIR) Anthologie russischer Exilautoren: Nein zum Krieg und zur Zombie-Sprache
Sergej Lebedew hat eine Anthologie neuer russischer Literatur
herausgebracht. Sie zeigt, dass die versprengte Exilintelligenzija viel zu
sagen hat.
(DIR) Schriftstellerin Yoko Tawada: „Und dazwischen das Unreine, das gefällt mir auch“
Yoko Tawada ist Meisterin im Spiel mit der Sprache. Ein Gespräch über die
Unwägbarkeit der Worte und warum man sich Identität erarbeiten muss.