# taz.de -- Bedrohte Minderheitssprache: Neuer Lehramts-Studiengang soll Sorbisch an Schulen fördern
> Im brandenburgischen Senftenberg startet ein neuer Lehramts-Studiengang
> für das Fach Sorbisch/Wendisch. Das Land spricht auch von einem
> Experiment.
(IMG) Bild: Sorben haben eine reiche kulturelle Tradition mit zahlreichen Bräuchen
dpa/bb | Das Land Brandenburg will erstmals Grundschullehrkräfte für das
Fach Sorbisch/Wendisch ausbilden und die Minderheitensprache in der
Niederlausitz vor dem Aussterben bewahren. Der neue Studiengang startet im
Herbst an der Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) in
Senftenberg.
„Niedersorbisch/Wendisch ist [1][eine vom Aussterben bedrohte Sprache], die
dringend der Vermittlung in den Schulen bedarf“, sagte die
bildungspolitische Sprecherin des Rats für Angelegenheiten der
Sorben/Wenden, Delia E. Münch, angesichts der Vorstellung des Studiengangs
im Landtag in Potsdam. Laut Hochschule sind zwölf Studienplätze jährlich
geplant.
## Neuer Studiengang ein „Experiment“
„Es ist ein Experiment, wo wir alles dafür tun, dass es gelingt“, sagte
Kultur-Staatssekretär Tobias Dünow (SPD), der Beauftragter des Landes
Brandenburg für die Angelegenheiten der Sorben/Wenden ist. „Es kann aber
sein, dass es nicht funktioniert.“
Aber selbst wenn die Nachfrage gering bleibe, sei der neue Studiengang
sinnvoll, so Dünow. Er verwies darauf, dass es sich um einen klaren
Verfassungsauftrag handelt, die sorbische/wendische Sprache und [2][Kultur]
zu fördern. Aber nicht viele Menschen sprechen noch die alte westslawische
Sprache.
## Sprache der Minderheit wird an fast 30 Schulen unterrichtet
In Brandenburg lernen derzeit mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche
regelmäßig die sorbische Sprache, wie es hieß. An sechs Schulen wird
bilingualer Unterricht ermöglicht, die Sprache also auch in Fächern wie
Mathematik, Sachkunde, Musik oder Kunst gesprochen. An 22 weiteren Schulen
wird Sorbisch/Wendisch als Sprache unterrichtet. Bislang werden Lehrkräfte
am Institut für Sorabistik der Universität Leipzig ausgebildet.
## Was hat es mit der Sprache auf sich?
Die Sorben sind eine [3][anerkannte slawische Minderheit] in Deutschland.
In der Region Lausitz im Süden Brandenburgs und in Sachsen leben um die
60.000 Sorbinnen und Sorben. Sie haben eine reiche kulturelle Tradition mit
zahlreichen Bräuchen. Im Spreewald etwa gibt es zweisprachige Ortsschilder
und Wegweiser. Lübben heißt auf sorbisch „Lubin“ und Burg: „Bórkowy“.
Im Land Brandenburg werden die Begriffe „Sorben“ und „Wenden“ gleichrangig
verwendet. Es handelt sich um dieselbe Volksgruppe. Die Bezeichnung
„Wenden“ ist im Deutschen der ältere Name. Die Minderheitensprache ist mit
Polnisch und Tschechisch verwandt.
## Bewerbungen an Hochschule bald möglich
Das neue Lehramtsangebot der BTU am Standort Senftenberg im Kreis
Oberspreewald-Lausitz sieht vor, dass Studierende zwischen den
Fächerkombinationen Mathematik und Sorbisch/Wendisch oder Deutsch und
Sorbisch/Wendisch wählen können.
Bewerbungen um einen Studienplatz sind ab 27. April möglich. Auch eine
Juniorprofessur wird ausgeschrieben. „Wir müssen erst mal in Gang kommen
und den Start gut hinkommen“, sagte BTU-Vizepräsident Peer Schmidt.
10 Apr 2026
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