# taz.de -- Britischer Filmpreis Bafta: Eine Hommage an Manipur
       
       > Die indische Filmemacherin Lakshmipriya Devi hat ihren Kinderfilm „Boong“
       > in der Minderheitensprache Manipuri gedreht. Dafür wird sie jetzt
       > gefeiert.
       
 (IMG) Bild: Die indische Regisseurin Lakshmipriya Devi gewann für ihren Kinderfilm „Boong“ einen Bafta
       
       Als Lakshmipriya Devi mit ihrem Team [1][in London die Bühne betritt],
       sieht man ihr nicht unbedingt an, dass sie gerade Filmgeschichte
       geschrieben hat. Stattdessen spricht sie über die Situation in ihrer
       Heimat: „Wir beten dafür, dass der Frieden nach Manipur zurückkehrt.“
       
       Während im Saal der 79. British Academy Film and Television Awards (Bafta)
       applaudiert wird, spricht sie vom Konflikt im indische Bundesstaat Manipur:
       „Wir beten dafür, dass alle Binnenvertriebenen, insbesondere die Kinder,
       darunter auch die Darsteller unseres Films, ihre Freude, ihre Unschuld und
       ihre Träume wiederfinden.“ Damit bezieht sie sich auf ihr Spielfilmdebüt
       „Boong“, für das sie den Award als besten Kinder- und Familienfilm erhielt
       – als erster indischer Film überhaupt.
       
       Doch Devi nutzt die Gelegenheit nicht für Triumph, sondern zur Erinnerung.
       „Boong“ wurde in Manipuri gedreht – einer Sprache, die im indischen
       Mainstream wenig präsent ist. Der Film erzählt die Geschichte des jungen
       Brojendro „Boong“ Singh, der mit seiner Mutter im Nordosten Indiens in der
       Hauptstadt von Manipur, Imphal, lebt. Sein Vater ist auf mysteriöse Weise
       nahe der Grenze zu Myanmar verschwunden. Doch Boong will das nicht
       hinnehmen und macht sich mit seinem besten Freund auf die Suche nach ihm.
       Die beiden wagen sich bis nach Myanmar.
       
       ## Politischer als gedacht
       
       Die Dreharbeiten fanden kurz vor dem Gewaltausbruch im Mai 2023 statt und
       wirken heute politischer als wohl ursprünglich gedacht. Damals eskalierte
       der [2][Konflikt zwischen der Meitei-Mehrheit und den
       Kuki-Zo-Gemeinschaften] um Identität, Landrechte und politische Vertretung.
       Dabei kamen [3][etwa 260 Menschen ums Leben, mehr als 70.000 wurden
       vertrieben]. Seitdem leben die Gemeinschaften weitgehend getrennt
       voneinander; die Rehabilitationsbemühungen dauern an.
       
       Devi, deren Alter öffentlich nicht bekannt ist, arbeitete fast zwei
       Jahrzehnte als Assistenzregisseurin im Hindi-Kino, unter anderem bei
       Produktionen wie „PK“. Nun steht sie selbst im Rampenlicht. Dass ihr Debüt
       aus Manipur kommt, ist kein Zufall. „Boong“ nennt sie eine „Hommage“ an
       ihre Heimat.
       
       In der Manipuri-Gemeinschaft gilt der Film als Signal. Menschen
       unterschiedlicher ethnischer Herkunft arbeiteten zusammen: Hauptdarsteller
       Gugun Kipgen, selbst aus der Kuki-Zo-Community, spielt einen Meitei-Jungen.
       Devi sagte [4][in einem Interview], ihre Leidenschaft fürs Erzählen habe
       sie von ihrer Großmutter. In den politisch unruhigen 70er- und 80er-Jahren
       habe sie Geschichten als Trost gesponnen. „Dieser Film ist meine
       Interpretation davon“, sagt sie, verwoben mit den Geräuschen und Gerüchen
       Manipurs.
       
       ## Selbst Premier Modi gratuliert
       
       Nach der Preisverleihung gratulierten Politiker:innen
       parteienübergreifend: Von Opposition bis Regierung wurde die Auszeichnung
       als nationaler Triumph gefeiert. „An alle meine Brüder und Schwestern aus
       dem Nordosten: Lasst euch nicht von rassistischen Hassern entmutigen“,
       schrieb Mahua Moitra (TCM) aus Westbengalen auf X.
       
       Auch Indiens Premierminister Narendra Modi (BJP) gratulierte am Montag und
       nannte den Erfolg „einen Moment großer Freude“, der das „Talent der Nation“
       unterstreiche. Doch jenseits der Glückwünsche steht eine andere Tatsache:
       Ein Film aus dem Nordosten Indiens hat es auf die große Bühne geschafft.
       Lakshmipriya Devi hat mit einem „kleinen Film mit großer Seele“ nicht nur
       einen Preis gewonnen. Sie hat Manipur sichtbar gemacht.
       
       25 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/shorts/D4M0cvH8OcM
 (DIR) [2] /Gewalt-im-Nordosten-von-Indien/!5930230
 (DIR) [3] https://timesofindia.indiatimes.com/city/imphal/two-years-of-manipur-conflict-thousands-wait-to-go-home/articleshow/120842226.cms
 (DIR) [4] https://nenow.in/entertainment/manipur-filmmaker-lakshmipriya-devis-debut-film-boong-premiered-at-toronto-film-fest.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Indien
 (DIR) Minderheiten
 (DIR) Sprache
 (DIR) Film
 (DIR) Regisseurin
 (DIR) Filmpreis
 (DIR) Schwerpunkt Berlinale
 (DIR) Actionfilm
 (DIR) Spielfilmdebüt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Feministischer Film aus Kasachstan: „Ich habe Hoffnung, dass sich Dinge ändern“
       
       „River Dreams“ ist der erste kasachische Dokumentarfilm auf der Berlinale.
       In ihm inszenieren Kristina Mikhailova und Dana Sabitova Frauen als Flüsse.
       
 (DIR) DVD „Kill“ von Nikhil Nagesh Bhat: Die Kamera schneidet messerscharf mit
       
       Heimliche Liebe und indischer Action-Splatter: in „Kill“ erzählt Regisseur
       Nikhil Nagesh Bhat ganz ohne Singen und Tanzen über einen Überfall im Zug.
       
 (DIR) „All We Imagine as Light“ Regisseurin: „Mumbai ist die Sauce, die alles andere zusammenhält“
       
       Die Regisseurin Payal Kapadia porträtiert in ihrem Spielfilm „All We
       Imagine as Light“ drei Frauen in Mumbai. Filmemachen vergleicht sie mit
       Kochen.