# taz.de -- Rekordhitze in Nordafrika: Der Hotspot des Klimawandels
> In Tunesien, Algerien und Libyen stieg die Temperatur im Juni auf bis zu
> 50 Grad. Der Strom fiel aus und ganze Wirtschaftszweige standen vor dem
> Bankrott.
(IMG) Bild: Waldbrand in Bordj Okhriss in Algerien am 23. Juli
Die heftigsten Frühjahrsstürme seit Jahrzehnten hatten in ganz Nordafrika
wieder einmal eine der größten Herausforderungen der Gegenwart gezeigt –
den Klimawandel. Entlang der ganzen Küste hatten die Sturzfluten Felder
verwüstet und der Tourismusindustrie schwere Schäden zugefügt.
Aber zumindest einen positiven Nebeneffekt hatte die Katastrophe, [1][durch
die mehr als 1.000 Migranten auf dem Mittelmeer] und Dutzende Menschen an
Land starben: Die nach sieben Dürrejahren fast leeren Speicherseen im
Nordosten Tunesiens waren im Juni fast wieder voll.
Erstmals seit langem schien die Tourismusbranche ohne die manchmal
stundenlange sommerliche Abschaltung der Wasserversorgung auszukommen.
Als Klimaforscher im Juni auf die Folgen des in diesem Jahr sehr starken El
Niño, der Erwärmung des tropischen Pazifikwassers, hinwiesen, winkten die
Behörden in Algerien, Libyen und Tunesien ab. Die Fertigstellung mehrerer
Solarparks, die rekordverdächtigen Wasservorräte – man sei auch für einen
angekündigten extrem heißen Sommer gerüstet, hieß es.
## Hitzewelle mit bis zu 50 Grad im Juni
Ende Juni erreichte eine nie dagewesene Hitze das südliche Mittelmeer.
Viele Firmen und Ministerien verkürzten ihre Arbeitszeit. Schulen sind
zwischen Juli und September sowieso geschlossen, da Temperaturen von über
40 Grad mittlerweile fast der Normalfall sind. Doch weil so viele Menschen
dann [2][bei tatsächlich 50 Grad] zu Hause blieben und ihre Klimaanlagen
voll aufdrehten, kollabierten die Stromnetze. Zuerst lag die libysche
Hauptstadt Tripolis am 5. Juli fast acht Stunden im Dunkeln. Diese
Zeitspanne reichte, dass die kühl gelagerten Lebensmittel von Geschäften
und Hotels verdarben.
Um einen ähnlichen Totalausfall zu verhindern, entschied sich der
staatliche tunesische Stromversorger Steg für die reihenweise Abschaltung
in einzelnen Stadtteilen. Aber dies geschah ohne Ankündigung, und oft fiel
der Strom bis zu einem halben Tag aus. In Krankenhäusern blieben die
Beatmungsgeräte von Patienten aus, weil Notstromaggregate nicht gewartet
worden waren. Auf Fischmärkten fehlte das Eis, um die Ware zu kühlen.
Auf der bis auf die letzten Betten ausgebuchten Ferieninsel Djerba standen
die Gäste vor halbleeren Buffets, weil die Kühlschränke durch wechselnde
Spannung des Stromnetzes irreparabel beschädigt wurden. Die Gäste saßen bei
bis zu 50 Grad in Hotelzimmern ohne Kühlung. Und dann fielen in vielen
tunesischen Tourismuszonen auch noch die Wasserpumpen aus. Und damit auch
die Wasserversorgung.
## Apokalyptischer Großbrand in Tunesien
In Nordtunesien trieb dann die nächste Katastrophe die Besucher an den
Strand: In Sichtweite der zahlreichen Strandrestaurants von Ghar El Melah
und anderen Orten standen ganze Hügel in Flammen. In den sozialen Medien
wurden apokalyptische Bilder verbrannter tunesischer Beachbars geteilt, die
in diesem Jahr wegen der niedrigen Preise besonders viele Touristen
angelockt hatten.
Die Feuerwehr und 150 Freiwillige benötigten 40 Stunden, um das Feuer im
Waldgebiet am Berg Jebel Chahma zu stoppen. Der Großbrand war einer von
Hunderten, die auch in Algerien und Libyen die oft schlecht ausgerüsteten
Zivilschutzeinheiten in Atem hielt.
## Alleingelassen von der Politik
In Nabeul und Kasserine, Tunis und Tripolis brannten dann auch noch
Autoreifen. Besitzer kleiner Läden, die wegen der Stromausfälle sämtliche
Kühlware wegwerfen mussten und mitten in der gut laufenden Tourismussaison
vor dem Bankrott standen, sperrten wütend Ausfallstraßen.
Viele Tunesier fühlen sich an den Sommer 2021 erinnert, als auf den
Parkplätzen der Krankenhäuser Coronapatienten starben. Der Bettenmangel
[3][veranlasste Präsident Kais Saied damals, Regierung und Parlament
abzusetzen]. Nun steht der trotz seines autokratischen Regierungsstils
beliebte Juraprofessor selber in der Kritik. Saied tourt durch verbrannte
Orte, die an Kriegsgebiete erinnern und fordert von den lokalen Behörden
besseres Krisenmanagement.
Doch bei den Menschen kommt eine andere Botschaft an: Nordafrika ist der
Hotspot des Klimawandels.
24 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mirco Keilberth
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