# taz.de -- Keine Klimapolitik in Österreich: Wien im Hitzestau
> Österreich bricht Hitzerekorde, doch beim Klimaschutz herrscht
> Stillstand. Bürgerliche Parteien blockieren. Auch FPÖ-Forderungen sind
> wenig glaubhaft.
(IMG) Bild: Die Klimawelt steht kopf, Abkühlung bei 37 Grad in der Neuen Donau in Wien
Auch Österreich ächzt unter den Hundstagen. Am heißesten ist es wieder mal
im Osten, wo das Thermometer auf 37 Grad und mehr anzeigt. Vor allem in der
Hauptstadt Wien steht die Hitze, und auch die Nächte bringen kaum mehr
Abkühlung. Wer kann, ist in den Urlaub geflüchtet – wo es aber oft kaum
kühler ist.
Zeitungswebsites haben wieder ihre Hitze-Liveticker hochgefahren,
Negativschlagzeilen gibt es schließlich zur Genüge: „Großglockner-Gletscher
droht zu zerreißen“, „Wasserkraftwerke produzieren wegen Trockenheit
weniger Strom“, „Selbst die Donau kühlt nicht mehr ab“. Mehrere kleine
Waldbrände werden gemeldet, andernorts sorgen Sturzfluten und
Schlammlawinen, Muren genannt, für Probleme.
Wenn ausgerechnet die rechtsradikale FPÖ mehr Klimaschutz einfordert,
brennt wirklich der Hut. „Statt immer neuer Betonprojekte [1][braucht Wien
mehr Entsiegelung], großkronige Bäume, Schattenflächen und Begrünung“, sagt
Maximilian Krauss, Fraktionsvorsitzender der Wiener FPÖ. Bemerkenswerter
Sinneswandel, tönte Krauss doch noch 2023: „Klimahysterische Politik geht
an der Lebensrealität der Wiener vorbei“. Damals postete FPÖ-Stadtpolitiker
Dominik Nepp zudem ein [2][Piktogramm eines „Klimaklebers“,] der von einem
Beistehenden angepinkelt wird. „Zeit für ein neues Verkehrszeichen?“,
lautete Nepps Beitext, dazu ein Zwinkersmiley.
## Autofahrerpartei SPÖ
Wo die Kritik stimmt: Klimaschutzverdächtig macht sich das Rote Wien nicht.
Seit jeher ist die SPÖ [3][Autofahrerpartei], will sie es sich doch mit
ihrer größten Wählergruppe, den Pensionisten, nicht verscherzen. Jeder
Parkplatz wird verteidigt, an neuen [4][Autobahn-Zubringern] rigoros
festgehalten. Auch die Erhöhung der Parkscheine, so genannter Parkpickerls
von 10 auf 13 Euro pro Monat ist verschmerzbar – damit bleibt das
Verstellen des öffentlichen Raums immer noch deutlich günstiger [5][als die
stark verteuerte Wiener Öffi-Jahreskarte].
Frühere Versäumnisse rächen sich nun: Mehrere Innenbezirke haben seit jeher
kaum Grünflächen, praktisch jeder Quadratmeter ist versiegelt. Vor wenigen
Jahren gebaute, prestigeträchtige Stadtteile werden für Millionen wieder
aufgerissen und nachbegrünt, weil man auf den Klimawandel „noch nicht so
geachtet“ habe.
Zentrale Radwege, oft chaotisch geführt und knapp dimensioniert, sind
überfüllt. Neue entstehen vor allem am Stadtrand, oft nur als Radspur in
Einbahnstraßen, die sich gut in der Jahresstatistik machen. Den Anteil an
PKW-Fahrten drückt man so nicht, wie die Statistik gnadenlos zeigt. Die
vielen Öffi-Baustellen helfen da nicht, auch nicht die ausgedünnten
Intervalle. Ebenso wenig, dass der U-Bahn-Ausbau aus Spargründen künstlich
verlangsamt wurde.
## Keine Verkehrswende, keine Klimaschutz-Politik
Als Hitze-Sofortmaßnahmen fiel der Stadt vor allem ein, ihre Freibäder
abends länger offenzuhalten und mehr Wassersprüher aufzustellen, die jedoch
vor allem kosmetisch wirken. Autofreie Innenstädte, flächendeckend Tempo 30
oder eine Neuverteilung des Straßenraums gibt es anderswo, nicht im
gemütlichen Wien.
Nicht besser ist die Kanzlerpartei ÖVP, die seit Jahren an üppigen
Pendlerpauschalen und Diesel-Steuerprivilegien festhält und sich mit allen
Kräften gegen das Verbrenner-Aus 2035 gestellt hat. Zudem hat die
Bundesregierung den Klimabonus gestrichen, [6][das Klimaticket zweimal
teurer gemacht], Heizungstausch- und Sanierungsförderungen gekürzt.
Seit dem Regierungswechsel gibt es nicht einmal mehr ein eigenes
Klimaministerium. Erschwerend kommt dazu, dass sich die Österreichischen
Bundesbahnen langsam DB-Zuständen annähern. Allein letzte Woche mussten
zwei Zuggarnituren auf offener Strecke evakuiert werden.
Glücklich schätzen kann sich, wer noch rechtzeitig ein mobiles Klimagerät
ergattert hat. Oder wer aufs Land flüchten kann, wo kühle Badeseen und die
Berge warten. Wobei man mittlerweile hoch hinaus muss: Auf den Brunnenkogel
im Tiroler Ötztal etwa. Auf 3.437 Metern hatte es um 9.50 Uhr 7,6 Grad,
meldet der Standard am 30. Juli. Damit sei es die kühlste Messstation
Österreichs. „Blöd nur: So schnell kommt man dort nicht hin.“
4 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Hitzewelle-in-Oesterreich-Vom-Versuch-aus-der-Hitze-in-Wien-zu-fliehen/!6192797
(DIR) [2] https://www.meinbezirk.at/wien/c-politik/nepp-sorgt-mit-foto-ueber-klima-aktivisten-fuer-aufregung-im-netz_a5809978
(DIR) [3] /Kehrtwende-in-der-Verkehrspolitik/!6125000
(DIR) [4] /Kehrtwende-in-der-Verkehrspolitik/!6125000
(DIR) [5] /Wiener-OePNV-Jahreskarte-wird-teurer/!6109034
(DIR) [6] /Wiener-OePNV-Jahreskarte-wird-teurer/!6109034
## AUTOREN
(DIR) Florian Bayer
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