# taz.de -- Afrikanischer Blick auf Klimawandel: Warum bei Hitze in Uganda die Sauna voll ist
       
       > In Afrika sind Überschwemmungen und Dürre schon lange das „neue Normal“.
       > Auch Viren übertragen sich schneller. Die neueste Lösung:
       > Dampfbadbesuche.
       
 (IMG) Bild: Extremwetter: überflutete Felder infolge von Überschwemmungen durch heftige Regenfälle in Kampala, Uganda, am 26. März 2025
       
       Mit ein wenig Schadenfreude schaut man dieser Tage aus Afrika gen Europa,
       wo Wälder in Flammen stehen und die Zahl der Hitzetoten steigt. Denn
       bislang waren vor allem afrikanische Regionen vom zunehmenden Klimawandel
       enorm betroffen: von extremer Dürre, die zu Ernteausfällen, Cholera und
       Hungertod führen – wie derzeit in Ugandas nordöstlicher Region Karamoja –
       bis zu Starkregen und Überschwemmungen, die ganze Großstädte unter Wasser
       setzen. In Afrika ist dies seit vielen Jahren das „neue Normal“, auf
       welches sich die Menschen einstellen müssen.
       
       Nun also wachen auch die Europäer endlich auf und erkennen, dass sie ebenso
       dringend etwas an ihrem Lebens- und Konsumstil ändern müssen, um nicht
       selbst an den Folgen des Klimawandels zu sterben. „Warum bringen die
       CO2-Zertifikate aus den Landnahmen in Afrika nichts?“, postet der
       kenianische Umwelt- und Artenschützer Mordecai Ogada auf der
       Onlineplattform X. „[1][Reduziert die Emissionen und hört auf mit dem
       Quatsch!]“
       
       Denn in den vergangenen Jahren haben die Europäer enorm viel Geld
       ausgegeben, um den Klimawandel, der vor allem durch westliche
       Industrienationen verursacht wurde, durch Naturschutzanstrengungen in
       Afrika und dem Globalen Süden aufzuhalten.
       
       Dies hat in vielen afrikanischen Ländern zu Landkonflikten geführt – vor
       allem durch die [2][rasante Zunahme von sogenannten CO2-Offset-Projekten],
       die von westlichen Industrienationen und ölproduzierenden Staaten
       präferiert werden. Dass die Europäer und andere westliche
       Konsumgesellschaften endlich anfangen müssen, ihren eigenen Konsum
       drastisch zu reduzieren – das fordern afrikanische Umweltschützer schon
       lange, stoßen aber auf taube Ohren.
       
       ## Hitzewellen als Weckruf für Europa
       
       Die Hitze in Europa sollte nun endlich ein Weckruf sein. In Afrika rüsten
       sich die Gesellschaften derzeit gegen die Folgen [3][des anstehenden
       „Super-El-Niño “, der von Experten für die zweite Jahreshälfte angekündigt
       wird]. Die Anzeichen sind am Äquator bereits spürbar: Die Nächte sind
       ungewöhnlich kalt, die Tage heißer als gewöhnlich. Über dem gewaltigen
       Victoriasee in Ostafrika ballen sich dieser Tage dunkle Gewitterwolken. Sie
       lassen bereits jetzt erahnen, dass die nächsten Regenfälle das ganze Land
       fluten können.
       
       Klimaexperten der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) kalkulieren
       bereits, dass das Extremwetter den Kontinent 10 bis 20 Milliarden US-Dollar
       allein in diesem Jahr kosten könnte. „Allein dieses Ereignis wird das BIP
       der stark betroffenen Länder im Durchschnitt um 1 bis 2 Prozent
       reduzieren“, so AfDB-Klimaexperte Anthony Nyong.
       
       Besonders betroffen seien vor allem die Krisenländer wie Südsudan, DR
       Kongo, Somalia, Nigeria und Sudan. „[4][Wenn El Niño kommt], wird es zu
       einer Massenmigration kommen“, warnt Nyong. Doch statt den Klimawandel
       drastisch anzugehen, hätten die Europäer entschieden, einen Zaun um ihren
       Kontinent zu errichten, um Migranten fernzuhalten. „Es ist für sie
       billiger, einen Zaun zu bauen“, so Nyong.
       
       ## Zahl der Kranken steigt bei Hitze
       
       In den Tropen macht sich das Extremwetter dieser Tage bereits in den
       Krankenhäusern bemerkbar. Denn bei Trockenheit, Hitze und dem damit
       einhergehenden starken Wind verbreiteten sich in diesen äquatornahen
       Breitengraden Viren deutlich stärker als sonst. Die Schleimhäute der
       Menschen sind aber durch die Trockenheit nicht in der Lage, diese Viren
       abzuwehren. Das zeigt sich deutlich daran, dass in Ostafrika schon seit
       Wochen eine starke Grippewelle grassiert.
       
       So kommt es, dass in Ugandas Hauptstadt Kampala dieser Tage die zahlreichen
       Saunen und Dampfbäder überfüllt sind. Denn dort findet sich die
       Mittelklasse ein, um der Trockenheit zu entfliehen und damit der Grippe
       vorzubeugen. In Anbetracht der derzeitigen Hitzewelle hat ein Saunagang bei
       90 Grad zudem einen weiteren positiven Effekt: Hinterher fühlen sich 30
       Grad plus auf der Straße geradezu erfrischend an.
       
       30 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/m_ogada/status/2081350145816318386
 (DIR) [2] /CO2-Kompensation-durch-Zertifikate/!6123059
 (DIR) [3] /Rekordtemperaturen-in-den-Meeren-steigern-die-Angst-vor-El-Nino/!6192361
 (DIR) [4] /Weltwetterorganisation-warnt-vor-El-Nino/!6183702
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
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