# taz.de -- Sommerhitze in Japan: „Grausam heiße Tage“ über 40 Grad
> Kein Land entwickelt so viele kreative Ideen wie Japan, um mit der Hitze
> klarzukommen. Ein Überblick über japanische „Hitze-Gadgets“.
(IMG) Bild: Ein klassischer und doch ebenso effektiver Weg, mit der Hitze umzugehen: sich einfach mal in den Schatten legen
Wenn in der zweiten Julihälfte die Regenzeit zu Ende geht, die Hortensien
verwelken und die Zikaden anfangen zu zirpen, dann beginnt in Japan der
ultraheiße Sommer. Schon bald kippen dann die ersten Menschen wegen
extremer Hitze um.
Das Wetteramt führte in diesem Jahr extra die Bezeichnung „grausam heiße
Tage“ ein, wenn die Temperaturen über 40 Grad steigen, nachdem die
Inselnation im Vorjahr den heißesten Sommer aller Zeiten erlebt hatte. Die
hohe Luftfeuchtigkeit gefährdet die Gesundheit zusätzlich. Vergangene Woche
verzeichneten sechs Städte fünf „grausam heiße Tage“ hintereinander.
[1][Über 11.000 Menschen mussten in Notambulanzen versorgt werden].
Klimaanlagen in Wohnungen, Häusern, Büros und Geschäften sind in Japan weit
verbreitet. Aber wenn die Stadtbewohner ihre Wohnungen verlassen, lassen
sie sich alles Mögliche einfallen, um den urbanen Glutofen zu überleben. Zu
ihrem Glück stehen zahllose Anti-Hitze-Gadgets bereit, die sie kühl halten
oder ihnen zumindest für einen kurzen Moment Erleichterung von der Hitze
verschaffen.
## Tiefgefrorene Stofftücher und „Cool Biz“ im Büro
Viele tragen zum Beispiel einen Plastikring mit gefrorenem Gel um den Hals,
wischen sich mit einem Kühltuch den Schweiß von der Stirn und blasen sich
mit einem Taschenventilator Wind ins Gesicht. Geschäfte verteilen
Plastikfächer und tiefgefrorene Stofftücher.
Unter dem Motto „Cool Biz“ dürfen Büroarbeiter von Mai bis September auf
Anzugjacke und Krawatte verzichten, kurzärmlige Hemden und neuerdings auch
Shorts tragen. Man will Energiekosten sparen, weil Büro- und Geschäftsräume
so weniger gekühlt werden müssen.
[2][Aber Arbeitgeber stehen auch in der Pflicht, gegen Hitze vorzusorgen].
Seit Juni 2025 müssen sie Mitarbeiter über die Gefahren einer Hyperthermie
aufklären, Warnsysteme einrichten und Notfallpläne aufstellen. Unter die
Vorschriften fallen alle Unternehmen, deren Mitarbeiter mehr als eine
Stunde am Stück oder mehr als vier Stunden täglich bei über 31 Grad
Außentemperatur arbeiten müssen.
## In Kleidung eingenähte Ventilatoren
Weit verbreitet sind „klimatisierte Textilien“: Ein eingenähter Ventilator
bringt die Luft in Hemden, Jacken und Hosen zum Zirkulieren. Das
funktioniert gerade im feuchtheißen Klima von Japan gut, weil der Luftstrom
den Schweiß auf der Haut rascher trocknet und der Körper dann mehr Wärme
abführen kann.
Die Batterieladung reicht auf stärkster Stufe für einen Achtstundentag. Das
Unternehmen Kuchofuku – wörtlich „Klimaanlagen-Kleidung“ – erfand solche
Textilien bereits vor über zwanzig Jahren für Bauarbeiter, Auslieferer und
andere Beschäftigte, die im Freien in glühender Hitze arbeiten müssen.
„Wenn wir die Hitzewelle mit Klimaanlagen bekämpfen, dann verbrauchen wir
mehr Energie“, erklärte Firmenchef Hiroshi Ichigaya. „Daher ist es
vernünftiger, wenn wir die Kühlung nur für die Stellen verwenden, wo wir
sie brauchen.“ Diese „Klima-Kleidung“ erobert mittlerweile auch den
Freizeitsektor.
Erfinder Kuchofuku baut die kleinen Gebläse auch in Sitzkissen, Rucksäcke
und Betten ein. Die Kehrseite dieser simplen Technik besteht darin, dass
die Gebläseluft die Kleidung aufplustert und ihre Träger die klobige und
unförmige Gestalt eines Michelin-Männchens annehmen lässt.
## Kältespray sogar auf der Bettwäsche
Die Textilkette Uniqlo vermarktet unter dem Namen „Airism“ Kleidungsstücke
aus einem besonders schnell trocknenden Textilstoff des
Kunststoffspezialisten Toray. Das Material und seine Verarbeitung
vermitteln der Haut einen kühlenden Eindruck. Den Erfolg von Uniqlo
konterten seine Textilrivalen in Japan mit Unterhemden, Unterhosen und
Socken aus anderen Wunderstoffen.
Inzwischen sind diese Materialien sogar ins Schlafzimmer einzogen – von
Matratzenauflagen bis hin zu Bettlaken und Kissenbezügen versprechen sie
ein kühleres Schlaferlebnis. Alternativ besprühen die Japaner ihre normale
baumwollene Kleidung aus Dosen mit einer Chemikalie, die auf dem Stoff
verdunstet und dabei ein Kältegefühl erzeugt.
17 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Martin Fritz
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