# taz.de -- Wasserknappheit in den Niederlanden: Wenn jeder Tropfen zählt
       
       > Nie war es in der Provinz Limburg so früh im Sommer so trocken. Der
       > Wasserzugang wird nun regional beschränkt, doch eine Verbesserung ist
       > nicht in Sicht.
       
 (IMG) Bild: Eine Drohnenaufnahme zeigt den niedrigen Wasserstand des Flusses Het Meertje in Nimwegen, Niederlande
       
       Ockerland. So präsentiert sich Limburg aus dem Zugfenster. Dürres Gelb in
       allerlei Schattierungen, die Felder abgeerntet. Unweigerlich denkt man an
       die Worte von Saskia Borgers, Deichgräfin in der südöstlichen Provinz der
       Niederlande, die zwischen Nordrhein-Westfalen und Belgien liegt. „Jeder
       Tropfen zählt“, sagte sie neulich dem Regionalsender L1. Kurz zuvor hatte
       ihre Wasserbehörde „Code rood“ ausgerufen, die höchste Warnstufe. „Eine
       kritische Situation mit schwerwiegendem Wassermangel“, so hieß es.
       
       In den gesamten Niederlanden gilt seit Mitte Juli offiziell
       Wasserknappheit. Ausgerufen hat sie die landesweite Wasserbehörde
       Rijkswaterstaat, Gegenmaßnahmen auf regionaler Ebene folgten unmittelbar.
       In Limburg darf schon seit Anfang Juli [1][kein Wasser aus Flüssen mehr
       entnommen werden], um Gärten oder Sportplätze zu beregnen. Dazu gilt nun
       ein [2][Entnahmeverbot für Oberflächengewässer]. Ausgenommen: das Löschen
       von Bränden und Bewässern von Obstbäumen, auch Vieh darf noch aus
       Wasserläufen seinen Durst stillen.
       
       Die Kuhherde, die oberhalb des Vlootbeek im verdorrten Gras steht, würde
       das wohl gerne. Doch von dem Bach, der knapp 20 Kilometer entfernt [3][im
       deutschen Heinsberg entspringt], ist nichts mehr übrig. Von einer hölzernen
       Brücke in den Feldern fällt der Blick auf die Häuser von Linne, einem Dorf
       bei Roermond. Zwischen grobem Gestein liegt Erde, hier und da noch
       restfeucht. Zur anderen Seite mäandriert das knochentrockene Bachbett, mit
       kleinen Kieseln gefüllt, durch die Felder der nahen Maas entgegen.
       
       ## Gewohnheit und Erschrecken
       
       Es ist früher Abend. Eine drückende Stille liegt über der Landschaft. Nach
       einer Woche, die kühler und bedeckt war, ist spürbar, wie sich die Luft
       wieder mit Wärme auflädt. Peter Janssen, Bademeister im nahen Freibad
       Weerderhof, schließt gerade das Tor. „Ich wohne nun fast zehn Jahre hier.
       
       In dieser Zeit war der Bach schon drei-, viermal ausgetrocknet“, berichtet
       er. Allzu viele Gedanken mache er sich nicht darum. „Ich habe mich daran
       gewöhnt.“ Dass es trockener wird, in diesem Land, das gerade bei
       ausländischen Besucher*innen für seinen Überfluss an Wasser bekannt
       ist, steht für den Bademeister freilich fest.
       
       Eine junge Mutter, die mit Hund und zwei kleinen Kindern im nahen
       Naturgebiet gerade spazieren geht, ist hingegen besorgt. „Man erschreckt
       sich schon, wie weit es geht. Und ich frage mich dann, wie trocken es noch
       werden soll in den Niederlanden.“
       
       ## Nie dagewesene Trockenheit
       
       Die Antwort darauf hat auch Saskia Borgers, die Deichgräfin, nicht. Was sie
       weiß: „Wir haben hier mit einer extremen Trockenheit zu tun, wie wir sie
       noch nicht erlebt haben.“ Zudem sei dieser Zustand besonders früh im Sommer
       eingetreten. Borgers ist in diesen Tagen viel unterwegs. Unlängst
       begleitete sie den Inspekteur ihrer Behörde auf seiner Tour durch die
       Provinz, um festzustellen, ob Pumpen für Grund- und Oberflächenwasser
       vorschriftsmäßig registriert sind.
       
       Nun ist sie auf dem Weg in die Provinzhauptstadt Maastricht. Telefonisch
       skizziert sie die besondere Problematik in Limburg: relativ hohe
       Temperaturen durch das Kontinentalklima, Sand- und Lössböden, die kaum
       Wasser speichern, zu wenig Wasser, das aus Belgien und Deutschland kommend
       über die Maas zugeführt wird. „Dazu kommt unser Wassersystem in den
       Niederlanden: Es basiert darauf, Wasser so schnell es geht abzuführen.“
       
       ## 34 Risse im Torfdeich
       
       Am anderen, westlichen Ende des Landes schlugen Borgers Kolleg*innen
       kürzlich Alarm. Die Wasserbehörde Delfland fand in ihren Deichen 34 Risse,
       die durch Trockenheit verursacht sind. In Limburg droht diese Gefahr nicht,
       erklärt Borgers. „In Delfland gibt es viele Torfdeiche, die solche Risse
       bilden. Wir haben Lehmdeiche, mit Gras bewachsen.“
       
       [4][Das Entnahmeverbot müsse dennoch in Kraft bleiben] – und zwar so lange,
       bis es ausreichend geregnet habe. „Das bedeutet nicht, einige Tröpfchen
       oder ein paar Stunden. Es muss substanziell mehr regnen, damit sich unser
       System wieder füllen kann.“
       
       27 Jul 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Müller
       
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