# taz.de -- Waldbrände in Südeuropa: Spanien ruft Notstand aus, Frankreich evakuiert Urlauber
> Frankreich und Spanien kämpfen weiter gegen ausgedehnte Waldbrände.
> Zehntausende Menschen mussten ihre Unterkünfte verlassen. Ein Ende ist
> nicht absehbar.
(IMG) Bild: Dichter Rauch: Strand von Andernos-les-Bains in Frankreich
dpa | Schwere Waldbrände halten Frankreich und Spanien weiter in Atem.
Während bei Madrid und in einer anderen spanischen Region der Notstand
ausgerufen wurde, mussten an der französischen Atlantikküste Zehntausende
weitere Touristen vorsorglich ihre Urlaubsquartiere räumen. In beiden
Ländern sprechen die Behörden von ungünstigen Wetterbedingungen, die die
Löscharbeiten erschweren.
Wegen der sich weiter unkontrolliert ausdehnenden Waldbrände an Frankreichs
Atlantikküste wurden inzwischen insgesamt rund 63.000 Menschen evakuiert.
An der auch bei deutschen Touristen beliebten Küste bei Bordeaux mussten
weitere 20.000 Menschen zehn am Becken von Arcachon gelegene Orte
verlassen, wie Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez sagte.
Rund 20.000 Menschen [1][waren zuvor bereits vor allem von Campingplätzen
und aus Ferienanlagen evakuiert worden]. Von Cap Ferret aus wurden für die
Evakuierung seit dem Morgen auch Schiffe eingesetzt.
Das Feuer habe sich inzwischen auf 10.000 Hektar Fläche ausgedehnt. Das ist
eine Fläche knapp so groß wie Paris. 80 Gebäude wurden von den Flammen
beschädigt und davon 50 zerstört. 1.500 Feuerwehrleute kämpften gegen den
Brand mit dem Ziel, Menschenleben und Gebäude zu retten, sagte der
Minister. Unterstützt würden sie von einer großen Zahl an Löschflugzeugen.
Bislang kam von der Bevölkerung niemand zu Schaden.
## Lieferwagen setzt Wald in Flammen
Wegen eines weiteren Brandes an der Atlantikküste südlich von Bordeaux im
Bereich des Ortes Biscarrosse mussten inzwischen 23.000 Menschen evakuiert
werden. Auch hier waren vor allem Campingplätze und Urlaubsquartiere
betroffen. Der Brand hat sich auf 2.500 Hektar Fläche ausgedehnt, sagte der
Minister.
Dort hatte ein Lieferwagen auf einer durch einen Wald führenden Landstraße
wahrscheinlich wegen eines technischen Defekts Feuer gefangen. Die Flammen
griffen dann schnell auf die Natur über. 100 Häuser wurden durch den Brand
beschädigt, 700 Feuerwehrleute sind im Einsatz.
Wann die Touristen in ihre Urlaubsquartiere zurückkönnen, ist noch
vollkommen offen. Vorläufig kamen die Betroffenen in Notunterkünften und
Ausweichquartieren in angrenzenden Urlaubsorten unter. In Bordeaux wurde
auch eine Messehalle zur Einquartierung evakuierter Touristen geöffnet. Die
Gendarmerie koordiniert die Evakuierungen und bewacht die verwaisten
Campingplätze und Ferienzentren, wo viele Menschen Wohnwagen und Zelte
zurücklassen mussten.
## Lage an Atlantikküste bleibt schwierig
Die Lage zur Eindämmung und Bekämpfung der Brände blieb unterdessen
schwierig. Es wurden erneut Temperaturen von bis zu 39 Grad in der Region
erwartet. Wie die Präfektur des Départements Landes mit Blick auf den Brand
in Biscarrosse am Morgen mitteilte, sei das Feuer noch nicht unter
Kontrolle. Es wehe Wind und die Lage bleibe weiterhin sehr unbeständig und
ungünstig.
Unterstützung bei den Löscharbeiten erhält Frankreich nun auch über den
Hilfsmechanismus der Europäischen Union. Wie Frankreichs Präsident Emmanuel
Macron erklärte, kämen zur Unterstützung unter anderem zwei Löschflugzeuge
aus Kroatien sowie Hubschrauber aus Tschechien und der Slowakei. Außerdem
rüstet Frankreich kurzfristig ein [2][großes Militärtransportflugzeug des
Typs Airbus A400M] für Löscheinsätze um, das schon binnen einiger Tage
einsatzklar sein soll, kündigte das Verteidigungsministerium an.
Die Waldbrände treffen Frankreich in diesem Sommer besonders hart. Wie
Innenminister Nuñez sagte, seien in diesem Jahr bislang bereits 50.000
Hektar Fläche von Waldbränden betroffen worden, dreimal so viel wie im
Vorjahreszeitraum.
## „Besonders ungünstige“ Wetterbedingungen in Spanien
Wegen der schweren Waldbrände hat Spanien für die Umgebung der Hauptstadt
Madrid und eine weitere Region den Notstand ausgerufen. Das
Innenministerium kündigte in der Nacht die Entsendung weiterer Kräfte zur
Bekämpfung der Flammen an. Das operative Kommando übernahm eine
militärische Kriseneinheit, die direkt bei der Regierung angesiedelt ist.
Zudem steht mit der Ausrufung eines „Notstands von nationaler Tragweite“
mehr Geld zur Verfügung.
Nach einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE ist dies das
erste Mal, dass wegen Waldbränden ein solcher Notstand erklärt wird. Wegen
der Brände mussten inzwischen mehr als 20.000 Menschen ihre Häuser
verlassen, die meisten davon im Großraum Madrid. In der nordwestlich davon
gelegenen Region Ávila wurden etwa 1.500 Anwohnerinnen und Anwohner
evakuiert. In mehreren Gemeinden bedrohten die Flammen sogar das Zentrum.
Viele warten nun in Notunterkünften, bei Familienangehörigen oder Freunden
darauf, dass sie zurückkönnen – ohne dass es dafür einen konkreten Termin
gibt. Befürchtet wird, dass noch mehr Menschen evakuiert werden müssen,
weil die Feuer nicht mehr unter Kontrolle gehalten werden können. Das
Innenministerium warnte für Freitag vor „besonders ungünstigen“
Wetterbedingungen: Starke Windböen könnten die Brände weiter anfachen.
Insgesamt sind in Spanien dieses Jahr [3][bereits mehr als 125.000 Hektar
Land] verbrannt.
24 Jul 2026
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