# taz.de -- Ein Jahr schwarz-rote Bundesregierung: Koalition der Missgunst
       
       > Merz kritisiert die SPD für ihre angeblich fehlende
       > Kompromissbreitschaft. Das ist unklug – und dürfte für den Kanzler nach
       > hinten losgehen.
       
       Friedrich Merz ist am Mittwoch [1][ein Jahr als Kanzler im Amt] und die
       Lage ist schlecht: Die Zustimmungswerte zur schwarz-roten Koalition sind
       mies, [2][Merz’ eigene Beliebtheitswerte noch mieser], und Union und SPD
       gönnen sich „das Schwarze unter den Fingernägeln nicht“, wie
       Bildungsministerin Karin Prien (CDU) jüngst auf dem taz.lab beklagte.
       
       Und was macht der Kanzler am Sonntagabend zur besten Sendezeit? Er zeigt
       mit dem Finger auf die SPD und ihre angeblich fehlende
       Kompromissbreitschaft und heizt damit die Missgunst in der Koalition weiter
       an. Das ist unklug – und dürfte für Merz nach hinten losgehen.
       
       Nun ist das SPD-Bashing, das der Kanzler da bei Caren Miosga betrieb, genau
       das, was ein Teil der Union seit Längerem von ihm erwartet hat. Genau jener
       Teil der Union, der ihn bislang besonders unterstützte. Diesem Druck
       nachzugeben, ist verführerisch, falsch ist es trotzdem. Und zeigt zudem,
       wie schwach Merz gerade auch innerhalb der CDU ist.
       
       Denn Merz bestärkt damit jene in seiner Partei, die sich mit dem
       Koalitionspartner ohnehin schwertun und noch immer nicht verwunden haben,
       dass das im Wahlkampf versprochene „CDU pur“ in einer schwarz-roten
       Koalition eben nicht zu machen ist. Ihnen die Grenzen aufzuzeigen, wäre die
       bessere Strategie. Und deutlich zu machen: Kurzfristige Gewinne der einen
       oder anderen Seite sind nicht das, worum es jetzt geht. Aufgabe dieser
       Koalition ist vielmehr, das Vertrauen in die politische Mitte
       zurückzugewinnen – und nicht weiter zu verspielen.
       
       ## SPD musste schmerzhafte Kompromisse eingehen
       
       Wobei auch gar nicht stimmt, was Merz nahelegt: dass die Union im ersten
       Jahr so viel kompromissbereiter als der Koalitionspartner war. [3][Die SPD
       hat ein paar für sie wirklich fette Kröten schlucken müssen]: beim Thema
       Migration etwa, beim Bürgergeld und bei der Rente.
       
       Mit seinen Anschuldigungen dürfte Merz zudem genau das Gegenteil von dem
       bewirken, was er eigentlich will: Statt die Bereitschaft zum Kompromiss zu
       stärken, wird er die Gegenwehr der Sozialdemokraten weiter anstacheln. Was
       eine weitere Gegenwehr in den eigenen Reihen nach sich ziehen wird. Eine
       Eskalationsspirale, die gefährlich ist.
       
       Denn wer so regiert, [4][endet wie die Ampel]. So schwer es ihm fallen
       dürfte: Merz sollte sich lieber ein Beispiel an den CDU-Ministerpräsidenten
       von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, Daniel Günther und Hendrik
       Wüst, nehmen. Die regieren auch deshalb so geräuschlos und halbwegs
       erfolgreich, weil sie ihren Koalitionspartnern Erfolge zugestehen. „Gönnen
       können“, das muss die Koalition in Berlin dringend lernen.
       
       4 May 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sabine am Orde
       
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