# taz.de -- DGB bestätigt Vorsitzende: Yasmin Fahimi will sich gegen Sozialabbau stemmen
> Der DGB-Bundeskongress wählt Yasmin Fahimi erneut zur Vorsitzenden. Seit
> ihrer ersten Amtszeit hat sich der Wind jedoch gedreht.
(IMG) Bild: Yasmin Fahimi nach ihrer Wahl am Ordentlichen Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am 11. Mai 2026
Wird [1][Yasmin Fahimi] notfalls den Konflikt mit ihrer eigenen Partei
riskieren? Immerhin gibt sich die ehemalige SPD-Generalsekretärin und
jetzige oberste Gewerkschafterin des Landes kampfbereit. „Wir halten
dagegen, klar und selbstbewusst“, sagte Fahimi in ihrer Grundsatzrede am
Montag beim DGB-Bundeskongress mit Blick auf mögliche Einschnitte im
Sozialstaat, [2][wie sie die Bundesregierung derzeit diskutiert.] Zu dieser
gehören neben der Union eben auch die Sozialdemokraten.
Vor ihrer Grundsatzrede hatten die knapp 400 Deligierten Fahimi mit 96
Prozent erneut zu ihrer Vorsitzenden gewählt. Damit steht die 58-Jährige
für weitere vier Jahre an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes
(DGB), in dem acht Gewerkschaften mit insgesamt 5,4 Millionen Mitgliedern
organisiert sind. Ebenso wiedergewählt wurden die beiden stellvertretenden
Bundesvorsitzenden Elke Hannack und Stefan Körzell sowie das
DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel.
Bei ihrer ersten Wahl im Jahr 2022 erhielt Fahimi rund 92 Prozent. Damals
wie heute bestimmten die hohen Energiepreise die Diskussionen. Doch hat
sich seitdem die Stimmung im Land gedreht. Vor vier Jahren war mit Olaf
Scholz ein Sozialdemokrat Kanzler. Dieser rief als Antwort auf die im Zuge
der russischen Vollinvasion in der Ukraine gestiegene Inflation zur
konzertierten Aktion auf.
Als Ergebnis der darauf folgenden Gespräche mit Arbeitgebern und
Gewerkschaften kam die Schaffung der Inflationsausgleichsprämie. Diese
ermöglichte es Unternehmen, ihren Beschäftigten bis zu 3000 Euro steuer-
und abgabenfrei auszuzahlen.
## Arbeitgeber fordern Sozialstaatsreform
Die jetzige Bundesregierung unter Friedrich Merz (CDU) einigte sich wieder
auf eine solche Prämie, [3][diesmal gedeckelt auf 1000 Euro], als Maßnahme
gegen die im Zuge des Irankriegs gestiegenen Spritpreise. Nur sprach sie
darüber im Vorfeld mit niemandem. Die Folge: die Arbeitgeberverbände ätzten
dagegen [4][und am Freitag begrub der Bundesrat die Maßnahme vorerst,] weil
Merz & Co. es versäumt hatten, mit den Ländern und Kommunen die
Finanzierung zu klären.
Vor allem aber fordern die Arbeitgeberverbände derzeit eine radikale Reform
des Sozialstaats, die helfen soll, die Arbeitskosten zu senken. In Merz und
seiner Union haben sie Fürsprecher. Insbesondere die Rente steht im Zentrum
dieser Reformdebatte. Der Kanzler höchst persönlich sorgte für
größtmögliche Sorgen, als er beim Bankenverband davon sprach, die
gesetzliche Rente solle künftig nur noch eine „Basisabsicherung“ sein.
„Wer das Renteneintrittsalter beliebig nach oben setzen will oder das
Sicherungsniveau der Rente angreift, riskiert einen gesellschaftlichen
Großkonflikt“, sagte nun Fahimi. Sie könne die Politik nur warnen: „Wir
sind mobilisierungsfähig und mobilisierungsbereit, um Rentenklau
abzuwehren.“
Um die Finanzierung des Sozialstaates auch in Zukunft sicherzustellen,
forderte Fahimi statt Kürzungen bei der Rente oder anderen Bereichen unter
anderem eine stärkere Besteuerung von Vermögen: „Wir wollen die
Wiedereinführung der Vermögenssteuer und eine gerechte Erbschaftssteuer.“
## Angriff auf Achtstundentag
Allerdings muss die wiedergewählte DGB-Vorsitzende erstmal eben
Begehrlichkeiten der Kapitalseite abwehren. Neben einer Reform des
Sozialstaates hat sie dabei eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes
auf dem Zettel. Statt einer täglichen soll es per Gesetz nur noch eine
wöchentliche Höchstarbeitszeit geben. Für die Gewerkschaften ist das ein
No-Go. Sie sehen das als Angriff auf den Achtstundentag.
„Finger weg von der Acht! Sonst müssen und werden wir gemeinsam dafür
sorgen, dass der Protest dagegen auf die Straße kommt“, drohte Fahimi. Die
geplante Aufweichung des Achtstundentages sei „ein Kniefall gegenüber den
Arbeitgebern und Rückfall in Arbeitszeiten vor 1918“.
Spannend könnte es deshalb auch am Dienstag auf dem DGB-Bundeskongress
werden. Dann spricht nicht nur Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Auch
[5][Kanzler Merz] wird zu den Gewerkschaftern reden. Mit Blick auf ein
Banner, auf dem in fetten Lettern steht: „Hände weg vom 8-Stunden-Tag!“
11 May 2026
## LINKS
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(DIR) [5] /!vn6176072/
## AUTOREN
(DIR) Simon Poelchau
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