# taz.de -- Konservativ-rechte Asylpolitik: Abschiebungen ohne Grenzen dank „Return Hubs“
> Das EU-Parlament stimmt über ein neues Rückführungsgesetz ab.
> Konservative und Rechtsextreme wollen den Mitgliedsstaaten dabei freie
> Hand geben.
(IMG) Bild: Policy made in Europe: Die EU rückt beim Thema Migration nach rechts
taz | Die Aufregung über die heimliche Abstimmung in Whatsapp-Gruppen
zwischen der konservativen EVP und drei rechtsextremen Fraktionen im
EU-Parlament vor zwei Wochen war groß – so groß, dass fast aus dem Blick
geriet, bei welchem Thema die Parteien an einem Strang gezogen hatten. Es
war die neue Rückkehrverordnung der EU, die die Möglichkeiten zur
Abschiebung erheblich erweitern soll. Heute steht das Thema im Brüsseler
Parlament final zur Abstimmung.
(Anm. der Redaktion: [1][Das EU-Parlament hat inzwischen für die
Abschiebungen gestimmt]).
Konservative und die drei Rechtsaußenfraktionen Konservative und Reformer
(EKR), Patrioten für Europa (PfE) und Europa der Souveränen Nationen (ESN)
hatten am 9. März im Innenausschuss den ursprünglichen Vorschlag der
EU-Kommission verschärft. Und auch wenn [2][EVP-Chef Manfred Weber (CSU)]
am Mittwochabend bei Markus Lanz versicherte, dass es „in der Frage keine
inhaltliche Zusammenarbeit“ gegeben habe: Mit der verschärften Fassung,
über die heute entschieden werden soll, haben sich Konservative und extreme
Rechte gegen die EU-Kommission sowie Sozialdemokraten, Linke und Grüne im
EU-Parlament durchgesetzt.
Die Rückkehrverordnung soll es erleichtern, Ausreisepflichtige – vor allem
[3][abgelehnte Asylbewerber:innen], aber auch Menschen, die kein
Asylverfahren durchlaufen dürfen oder wollen – aus der EU zu entfernen. Und
das möglichst auch dann, wenn sie nicht in ihr eigenes Herkunftsland
abgeschoben werden können. Dazu werden unter anderem Meldepflichten
verschärft, Inhaftierungsmöglichkeiten erweitert und Rechtsmittel
eingeschränkt.
## Freie Hand für die EU-Mitgliedsstaaten
Vor allem aber soll es leichter werden, [4][Menschen in Drittstaaten
abzuschieben]. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) hatte
dazu im Oktober 2024 den Aufbau sogenannter Return Hubs als „innovativen
Weg gegen illegale Migration“ angeregt. Bei den Return Hubs dürfte es sich
faktisch um Internierungslager außerhalb der EU handeln, in die Menschen
für unbestimmte Zeit gebracht werden, die die EU loswerden will. Im März
2025 legte sie einen entsprechenden Entwurf für die Rückführungsverordnung
vor, im Dezember 2025 stimmten die EU-Innenminister zu.
Von der Leyen wollte die Verhandlungen und die Umsetzung der dazu nötigen
Abkommen mit Drittstaaten EU-weit zentralisieren. Zudem sollte es einen
Mechanismus zur Überwachung geben.
EVP und Rechtsextreme setzten aber durch, dass die Mitgliedsstaaten
weitgehend freie Hand haben sollen, wie und mit wem sie über den Aufbau
neuer Lager verhandeln. Und auch Familien mit Kindern sollen in die Return
Hubs gebracht werden dürfen.
Sehr wahrscheinlich ist, dass die Betreffenden [5][für längere Zeit in den
Return Hubs bleiben müssen] – denn könnten sie direkt in ihr Herkunftsland
gebracht werden, würden sie gleich dorthin gebracht.
## Return Hubs „idealerweise in afrikanischen Staaten“
Die entscheidenden Fragen sind also nun ins Belieben der Mitgliedstaaten
gestellt: Welche Jurisdiktion, welche Standards – jene der EU oder jene des
Landes, in dem der Return Hub liegt – sollen für die Untergebrachten
gelten? Dürfen sie die Einrichtungen tagsüber verlassen oder werden sie
eingesperrt? Wer soll für die weitere Ausreise in das jeweils Herkunftsland
zuständig sein? Wie lange sollen die Betreffenden maximal in den Zentren
bleiben müssen? Was geschieht, wenn nach Ablauf dieser Zeit keine Ausreise
in das Herkunftsland möglich ist?
Beim EU-Innenministertreffen im Januar in Nikosia auf Zypern richteten
Deutschland, Österreich, Dänemark, die Niederlande und Griechenland eine
Arbeitsgruppe ein, um die Return Hubs vorzubereiten. Noch 2026 solle es
mögliche Vereinbarungen mit Drittstaaten geben, sagte [6][Innenminister
Alexander Dobrindt (CSU).] Die Return Hubs sollen „idealerweise in
afrikanischen Staaten entstehen, die bereit wären, abgelehnte Asylbewerber
aufzunehmen“, meinte der griechische Migrationsminister Thanos Plevris.
Zu all den offenen Fragen geben sich die Regierungen zugeknöpft. Beim
Innenministerium in Berlin heißt es, nähere Auskünfte könnten „nicht
erteilt werden“. Dänemark verweigert auf taz-Anfrage jede Auskunft. Die
Niederlande versichern lediglich – ebenso wie die EU-Kommission –, dass
alles „stets im Einklang mit dem EU-Recht und dem Völkerrecht“ stehen
werde.
Ein Sprecher von Österreichs Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) lässt
immerhin wissen, dass Karner „so rasch als möglich in die Umsetzung kommen“
wolle. Details könnten nicht bekanntgeben werde, „weil das Gespräche
behindern könnte“. Das Projekt könne nur dann gelingen, wenn man die
entsprechenden Vorarbeiten „diskret und konsequent mache“, so Karner. Dass
nur diese fünf EU-Länder an den Zentren arbeiteten, liege an den
schwierigen Verhandlungen mit möglichen Partnerstaaten.
## Sorgen der potenziellen Aufnahmeländer
Tatsächlich ist völlig offen, ob und wenn ja welche Staaten sich unter
welchen Bedingungen auf solche Return Hubs einlassen werden. Ähnliche
Vorstöße in der Vergangenheit waren stets ohne Ergebnis geblieben. Zu groß
ist die Sorge bei den Partnerstaaten, die zunächst nur vorübergehend in die
Return Hubs gebrachten Menschen dauerhaft im Land zu haben.
Hoffnungen richteten sich zunächst auf Uganda. Dort hatten seit September
2025 zuerst die Niederlande, im Januar dann Österreich und die USA
angefragt, ob das Land abgelehnte Asylbewerber, etwa aus Ostafrika, gegen
Bezahlung aufnehmen würde. Präsident Yoweri Museveni zeigte sich zunächst
offen, solange es sich nur um Afrikaner handeln würde, keine Kriminellen
geschickt und die Überstellung freiwillig, also nicht gegen den Willen der
Betroffenen erfolge.
Dem Vernehmen nach boten die USA 10.000 Dollar pro Abschiebung an. Das
Kabinett lehnte alle Anfragen zunächst ab. Kritik gab es auch deshalb, weil
die aus Europa oder den USA Abgeschobenen wohl anders als die regionalen
Flüchtlinge in Uganda – die meist mit einer kleinen Parzelle Land und
Saatgut auf Selbstversorgung gestellt sind – hätten behandelt werden
müssen. Eine Zweiklassenaufnahme ist im Land unpopulär. Ende März einigte
sich die Regierung aber zunächst mit den USA. Die Grenzpolizei ICE darf nun
Afrikaner aus anderen Staaten nach Uganda abschieben.
## Italien betreibt bereits einen Return Hub
Genannt wurde von verschiedenen Seiten auch Albanien als Standort für
Return Hubs. Dort hatte Italien 2024 zwei Lager zur Unterbringung von
insgesamt 3.000 Geflüchteten aufgebaut. In denen sollten ursprünglich
Menschen untergebracht werden, die auf dem Weg nach Europa auf dem
Mittelmeer abgefangen werden. In Albanien sollten diese ein Asylverfahren
durchlaufen und danach gegebenenfalls nach Italien ausreisen dürfen oder
direkt aus Albanien abgeschoben werden. Italienische Gerichte hatten dies
allerdings untersagt, nachdem die Lager fertiggestellt waren.
[7][Am 17. Februar schickte Italien dann per Charterflug rund 40 Personen
ohne Aufenthaltsrecht aus italienischen Internierungslagern nach Albanien]
und nahm damit faktisch den ersten Return Hub in Betrieb.
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner sagte, dieses Vorgehen sei vom neuen
EU-Recht gedeckt. Ob Albanien dies auf Dauer mitmacht und auch den Transfer
Geflüchteter aus anderen EU-Staaten zulässt, ist unklar.
In anderen Medienberichten war von Verhandlungen mit Ländern in
Zentralasien die Rede, womit wohl Usbekistan und Kasachstan gemeint sein
dürften. Doch Näheres ist nicht bekannt.
## „Ein schändliches Bündnis“
Silvia Carta vom EU-Netzwerk für den Schutz undokumentierter
Migrant:innen (PICUM) sagte, die Abstimmung im Parlament „besiegelt ein
schädliches Bündnis zwischen Mitte-rechts- und rechtsextremen Kräften,
nachdem wochenlang hinter den Kulissen verhandelt wurde, um die letzten
verbleibenden Schutzmaßnahmen zu beseitigen.“ Hunderttausende Menschen,
darunter auch Kinder, würden europaweit der Gefahr der Inhaftierung
ausgesetzt, die Mitgliedstaaten könnten Familien auseinanderreißen und sie
in Länder schicken, „in die sie noch nie einen Fuß gesetzt haben“.
Nach der Abstimmung im Parlament am Donnerstag steht der sogenannte Trilog
an, die finalen Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission.
26 Mar 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Christian Jakob
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